Eine neue Studie zur Mikroplastikverschmutzung in der Themse zeigt: Die Belastung ist größer und komplexer als bisher angenommen. Forscher der University of East London (UEL) untersuchen seit Juni 2026 an sieben Messstellen von Teddington bis Southend-on-Sea, wie sich die Mikroplastikbelastung entwickelt und welche Rolle Klimafaktoren spielen. Die Themse gilt bereits jetzt als eine der am stärksten mit Mikroplastik belasteten Flüsse weltweit.
Die Themse ist nicht nur ein Symbol Londons, sondern auch ein Hotspot für Mikroplastikverschmutzung. Eine aktuelle Studie unter Leitung von Dr. Ria Devereux vom Sustainability Research Institute der UEL will diese Verschmutzung systematisch erfassen und so politische Entscheidungen unterstützen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sich die Belastung seit früheren Messungen erhöht hat und wie Umweltfaktoren wie Starkregen die Verbreitung beeinflussen.
Die Forscher analysieren Proben aus sieben repräsentativen Punkten entlang des Flusses: Teddington, Westminster, St Katharine Docks, Limehouse, North Woolwich, Tilbury und Southend-on-Sea. Drei Liter Oberflächenwasser werden an jedem Punkt entnommen, gefiltert und unter dem Mikroskop untersucht. Mit Hilfe der Fourier-Transform-Infrarotspektroskopie (FTIR) identifizieren die Wissenschaftler die Art und Herkunft der Mikroplastikteilchen. Besonders interessiert sie, ob sich die Belastung seit früheren Studien verschlimmert hat und welche Rolle sekundäre Mikroplastikquellen wie Abrieb von Reifen oder synthetischen Textilien spielen.
Dr. Ria Devereux und ihr Team bauen auf früheren Arbeiten auf, die bereits extrem hohe Mikroplastikwerte in der Themse nachwiesen. Eine 2023 im Marine Pollution Bulletin veröffentlichte Studie von Devereux und Kollegen zeigte, dass die Mikroplastikbelastung während der COVID-19-Pandemie sogar anstieg, trotz reduzierter menschlicher Aktivität. Dies deutet darauf hin, dass nicht nur direkte menschliche Einleitungen, sondern auch sekundäre Quellen wie Reifenabrieb und Textilfasern eine zentrale Rolle spielen. Die aktuelle Studie untersucht nun gezielt, wie sich diese Dynamik unter dem Einfluss von Klimafaktoren wie Starkregen verändert.
Die Themse ist nicht nur wegen ihrer urbanen Nutzung, sondern auch wegen ihrer ökologischen Bedeutung ein zentraler Indikator für die globale Mikroplastikproblematik. „Wir entdecken immer noch neue Dimensionen der Verschmutzung“, sagt Dr. Devereux. Besonders relevant sind dabei die Ergebnisse einer Studie der University of Southampton aus 2024, die zeigte, dass sich die Mikroplastikbelastung in den Sedimenten der Themse seit den 1980er-Jahren kontinuierlich erhöht hat. Die neuen Daten sollen nun helfen, diese Entwicklung besser zu verstehen und gezielte Maßnahmen abzuleiten.
Die Studie knüpft an frühere Arbeiten an, die bereits extrem hohe Mikroplastikwerte in der Themse nachwiesen. Neu ist nun der Fokus auf die Dynamik der Verschmutzung: Wie verändern sich die Werte bei Starkregen? Welche Rolle spielen klimatische Veränderungen? Die Ergebnisse sollen bis Ende 2026 vorliegen und in politische Strategien einfließen. Besonders relevant ist dabei die Zusammenarbeit mit der Environment Agency UK und dem Department for Environment, Food & Rural Affairs (Defra), die bereits erste Reaktionen auf die Zwischenergebnisse gezeigt haben.
Mikroplastik: Was steckt dahinter?
Mikroplastik bezeichnet winzige Kunststoffpartikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Sie entstehen entweder direkt – etwa als Mikroperlen in Kosmetik – oder indirekt durch den Zerfall größerer Plastikgegenstände wie Verpackungen, Kleidung oder Reifen. Laut Schätzungen des European Topic Centre on Health and the Environment (ETC HE) gelangen jährlich Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt, eine Zahl, die bis 2040 voraussichtlich verdoppeln wird.
Die Themse-Studie ist Teil eines größeren Forschungsfeldes, das die Auswirkungen von Mikroplastik auf Ökosysteme und menschliche Gesundheit untersucht. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2026 im Journal of Cleaner Production zeigt, dass urbane Straßen und Reifenabrieb unter Extremwetterbedingungen wie Starkregen besonders hohe Mengen an Mikroplastik freisetzen. Dies unterstreicht die Bedeutung der aktuellen Themse-Studie, die genau diese Zusammenhänge analysiert.
Die Ergebnisse werden nicht nur für die lokale Politik relevant sein, sondern auch für internationale Standards zur Gewässerschutzpolitik. Besonders relevant ist dabei die Zusammenarbeit mit Umweltorganisationen wie der Royal Society for the Protection of Birds (RSPB) und der Thames Estuary Partnership, die bereits erste Maßnahmen zur Reduzierung der Mikroplastikeinträge diskutieren.
Wissenschaftliche und politische Einordnung
Die aktuelle Studie der UEL ist Teil einer Reihe von Untersuchungen, die seit den 2010er-Jahren die Mikroplastikbelastung der Themse dokumentieren. Eine Studie der University of Warwick aus 2024 zeigte, dass sich die Belastung in den Sedimenten der Flussmündung seit den 1980er-Jahren verzehnfacht hat. Besonders auffällig ist dabei der Anstieg von Polyethylen, das vor allem aus Verpackungen und Textilien stammt. Die aktuelle Studie erweitert diese Erkenntnisse um die Dynamik der Verschmutzung unter Klimafaktoren.
Die Umweltbehörden in Großbritannien zeigen bereits erste Reaktionen auf die neuen Erkenntnisse. Die Environment Agency UK hat angekündigt, die Ergebnisse der Studie in die Überarbeitung der Wasserqualitätsstandards einzubeziehen. Besonders relevant sind dabei die Empfehlungen zur Reduzierung von Mikroplastikeinträgen aus industriellen Einleitungen und der Förderung von Recyclingtechnologien.
Die Themse bleibt damit nicht nur ein Symbol für Londons Geschichte, sondern auch ein Labor für die globale Herausforderung der Mikroplastikverschmutzung. Die Ergebnisse der Studie werden zeigen, wie dringend international koordinierte Lösungen sind – und wo sie am ehesten ansetzen können. Besonders relevant ist dabei die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Politik und lokalen Behörden, um konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Verschmutzung abzuleiten.
Was kommt als Nächstes?
Die Studie ist noch nicht abgeschlossen, doch erste Zwischenergebnisse deuten darauf hin, dass die Mikroplastikbelastung in der Themse weiterhin ein zentrales Umweltproblem darstellt. Die Forscher planen, ihre Daten mit lokalen Behörden, Umweltorganisationen und Politikern zu diskutieren. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der Verschmutzung abzuleiten – etwa durch strengere Kontrollen von Industrieeinleitungen oder die Förderung von Recyclingtechnologien.
Die Themse bleibt damit nicht nur ein Symbol für Londons Geschichte, sondern auch ein Labor für die globale Herausforderung der Mikroplastikverschmutzung. Die Ergebnisse der Studie werden zeigen, wie dringend international koordinierte Lösungen sind – und wo sie am ehesten ansetzen können. Besonders relevant ist dabei die Rolle der Wissenschaft, politische Entscheidungen mit fundierten Daten zu unterstützen und so nachhaltige Lösungen zu ermöglichen.
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