Zum Inhalt springen
Nachrichten

Steiermark verzeichnet schlechteste Ernte durch historische Dürre

Die steirische Landwirtschaft blickt auf die schlechteste Ernte ihrer Geschichte zurück. Langanhaltende Trockenheit und extreme Hitze verursachten im Jahr 2026 massive Schäden in Millionenhöhe. Bundesweit beziffert die Hagelversicherung die Gesamtschäden durch das historische Dürrejahr auf rund eine Milliarde Euro.

Österreich hat im Jahr 2026 den niederschlagsärmsten Frühling und den heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichnet. Im Frühjahr fiel rund 50 Prozent weniger Niederschlag, im Sommer etwa ein Drittel weniger. Erstmals wurde dabei in Österreich die Marke von 41 Grad Celsius überschritten, wie die Österreichische Hagelversicherung mitteilte.

Millionenverluste auf steirischen Feldern und im Obstbau

Besonders hart traf die historische Dürrekatastrophe den Südosten und Osten der Steiermark. Die Gesamtschadenssumme in dem Bundesland beläuft sich auf 183 Millionen Euro. Davon entfallen laut Angaben der Hagelversicherung zehn Millionen Euro auf Hagel, Überschwemmungen und Sturm, 33 Millionen Euro auf Frost und 140 Millionen Euro allein auf die extreme Trockenheit.

Landwirtschaftskammer-Präsident Andreas Steinegger sprach bei einem Pressetermin von dem schwierigsten Jahr der vergangenen Jahrzehnte hinsichtlich Trockenheit und Erträgen. Die durchschnittliche Monatstemperatur lag in der Steiermark um vier Grad Celsius über dem üblichen Wert. In einigen Gemeinden blieb der Niederschlag fast vollständig aus, wodurch Ackerkulturen massiven Schaden nahmen oder komplett ausfielen.

Steiermark verzeichnet schlechteste Ernte durch historische Dürre
Foto: ORF

Dramatische Ernteausfälle bei Erdäpfeln und in der Tierhaltung

Die Erntebilanz zeigt drastische Einbrüche bei zahlreichen Kulturen. Die Erträge bei Erdäpfeln liegen rund 50 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt. Die Landwirtschaftskammer schätzt, dass es spätestens zum Jahreswechsel in den Supermarktregalen keine heimischen Erdäpfel mehr geben wird. Bei Äpfeln verzeichnete der Obstbau einen Rückgang von etwa 35 Prozent, während gentechnikfreier Soja ein Minus von rund 20 Prozent aufweist.

Gnade uns Gott, wenn wir noch so ein Jahr haben.

Auch die Grünlandwirtschaft leidet enorm. In exponierten Lagen fehlen bis zu 70 Prozent des üblichen Futterertrags. Grünlandbauer Stefan Bischof aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag berichtete, dass bereits im Juni Schluss mit dem Wasser gewesen sei. Ihm fielen zwei Grünlandschnitte aus, weshalb er Futter zukaufen musste und eine Reduktion seines Rinderbestands von 30 Tieren in Betracht zieht. Wegen des Futtermangels mussten etliche Landwirte ihre Rinder frühzeitig verkaufen; auch die Schlachthäuser waren laut Berichten des ORF zeitweise überfordert und die Kühlhäuser voll.

Ausbezahlte Entschädigungen und staatliche Hilfen für betroffene Betriebe

Um die Liquidität der Bauern zu sichern, hat die Hagelversicherung bisher Dürreentschädigungen in Höhe von 375 Millionen Euro an versicherte Landwirte ausbezahlt. Die verbleibenden Auszahlungen von rund 25 Millionen Euro sollen bis Ende November fließen, sobald die endgültigen Ertragsabrechnungen vorliegen.

Steiermark verzeichnet schlechteste Ernte durch historische Dürre
Foto: oe1.ORF.at

Da die Gesamtschäden österreichweit bei einer Milliarde Euro liegen und Standardversicherungen meist nur Hagel, Frost oder Sturm abdecken, bleiben rund 600 Millionen Euro an Dürreschäden unversichert. Auf Bundesebene reagierte die Regierung im August mit einem Hilfspaket:.

  • Der staatliche Prämienzuschuss für die Dürreindex-Versicherung wird im kommenden Jahr einmalig von 55 Prozent auf 65 Prozent erhöht.
  • Ein zweimonatiger Nachlass bei den Sozialversicherungsbeiträgen im vierten Quartal 2026 bringt Entlastungen in Höhe von 140 Millionen Euro.
  • Für Agrarinvestitions- und Konsolidierungskredite wurden Ratenstundungen für die Tilgungstermine am 31. Dezember 2026 und 30. Juni 2027 eingerichtet.
  • Zusätzlich sind Zinszuschüsse für Betriebsmittelkredite vorgesehen, die jeweils zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden.

Forderungen nach Anpassungen und Konsequenzen für Konsumenten

Langfristig müssen sich Verbraucher laut Landwirtschaftskammer auf steigende Preise einstellen. Kammer-Präsident Steinegger erklärte, dass sich dies bei wiederkehrenden Extremjahren und steigenden Produktionskosten zwangsläufig in den Supermärkten niederschlagen werde, auch wenn die Versorgung derzeit gesichert bleibe.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.