Der geplante Nasdaq-Börsengang und die 75-Milliarden-Dollar-Marke

Nach einer vertraulichen Einreichung bei der US-Börsenaufsicht SEC bereitet SpaceX den Schritt an die Öffentlichkeit vor. Wie ein Listing an der Nasdaq bereits für den 12. Juni ins Auge gefasst wird, steht die Finanzwelt vor einem Ereignis beispielloser Dimensionen. Das Ziel ist die Mobilisierung von 75 Milliarden US-Dollar, was den größten Börsengang in der Geschichte bedeuten könnte.
Die Bewertung des Unternehmens ist Gegenstand unterschiedlicher Einschätzungen. Während einige Quellen eine Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar ansetzen, gehen andere von einer Summe von über 2 Billionen US-Dollar aus. Damit würde SpaceX unmittelbar zu einer der sechs wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt aufsteigen und knapp an Amazon heranreichen.
Ein ungewöhnliches Merkmal dieses IPO ist die geplante Allokation. Laut Berichten von fool.com könnten 30 Prozent der Aktien für Privatanleger reserviert werden. Dies ist etwa das Dreifache der üblichen Zuteilung, was auf den enormen Erwartungsdruck und die hohe Nachfrage hindeutet, die das Angebot wahrscheinlich übersteigen wird.
Starlink als Profitabilitätsmotor gegenüber der Cash-Burn-Rate von xAI

Obwohl die Raketenstarts das öffentliche Gesicht von SpaceX bilden, ist das finanzielle Fundament ein anderes. Der Satelliten-Internetprovider Starlink ist der eigentliche Motor der Profitabilität. Im Jahr 2025 generierte Starlink einen Umsatz von fast 12 Milliarden US-Dollar, was etwa 60 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens ausmacht.
Besonders beeindruckend ist die operative Effizienz dieses Bereichs. Die EBITDA-Margen liegen hier bei über 60 Prozent. Im Gegensatz dazu steht die strategische Wette auf künstliche Intelligenz durch xAI, das im Februar in einer Fusion mit SpaceX eine Bewertung von 1,25 Billionen US-Dollar erreichte.
| Segment | Finanzielle Kennzahl (2025/Aktuell) | Status |
|---|---|---|
| Starlink Umsatz | ~12 Milliarden US-Dollar | Hochprofitabel |
| Starlink EBITDA-Marge | Über 60 % | Marktbeherrschend |
| xAI Cash-Burn | ~1 Milliarde US-Dollar pro Monat | Investitionsphase |
Die Strategie hinter xAI zielt darauf ab, orbitale Rechenzentren zu etablieren. Damit will Elon Musk einen technologischen Vorsprung gegenüber Konkurrenten wie Google, OpenAI und Anthropic erlangen. Aktuell verbrennt dieser Bereich jedoch massiv Kapital, während die Einnahmen noch minimal sind. Für Investoren stellt sich daher die Frage, ob die hohen Multiplikatoren – eine Bewertung von 2 Billionen US-Dollar entspräche etwa dem 125-fachen des Umsatzes von 2025 – langfristig tragfähig sind.
Starship-Erfolge und die Dominanz der Falcon 9
Technisch stützt sich das Vertrauen der Investoren auf die operative Exzellenz der Startsysteme. Die Falcon 9 bleibt die aktivste Rakete der Welt und ist das Rückgrat für den Ausbau der Starlink-Konstellation sowie für den Transport von NASA-Astronauten zur Internationalen Raumstation mit der Dragon-Kapsel.
Der entscheidende Faktor für die zukünftige Bewertung ist jedoch das Starship. Der 12. Testflug des 125 Meter hohen Systems aus Südtexas verlief weitgehend erfolgreich. Dieser Fortschritt ist zentral für die Ambitionen, Menschen auf dem Mond und schließlich auf dem Mars zu landen. Ein Erfolg bei Starship würde SpaceX nicht nur als Startdienstleister, sondern als Infrastrukturanbieter für die gesamte interplanetare Logistik positionieren.
Die Expansion des Ökosystems durch Impulse Space

Parallel zum Kerngeschäft wächst ein Netzwerk aus spezialisierten Unternehmen, die das SpaceX-Ökosystem ergänzen. Ein Beispiel ist Impulse Space, gegründet von Tom Mueller, dem ersten Mitarbeiter von SpaceX.
Impulse Space hat kürzlich 500 Millionen US-Dollar eingesammelt, um eine Flotte von ultra-mobilen Raumfahrzeugen zu entwickeln. Diese Technologie soll die Weltraumökonomie transformieren, indem sie flexiblere Manöver im Orbit ermöglicht. Dass ehemalige Schlüsselpersonen von SpaceX eigene, hochkapitalisierte Firmen gründen, unterstreicht die Reife der Branche und die Fähigkeit des Unternehmens, Talente und Know-how in den Markt zu exportieren.
Die Kombination aus einer profitablen Cash-Cow in Form von Starlink, der technologischen Dominanz der Falcon 9 und dem disruptiven Potenzial von Starship und xAI macht den anstehenden Börsengang zu einem Wendepunkt. Sollte die Listing-Strategie aufgehen, wird SpaceX nicht mehr nur ein privates Projekt eines Milliardärs sein, sondern ein öffentliches Finanzinstrument, das die kommerzielle Raumfahrt für eine breite Masse von Anlegern zugänglich macht.