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Technik und Wissenschaft

Sony beendet Produktion physischer Spieldiscs ab 2028

Sony wird die Produktion physischer Spieldiscs für alle neuen PlayStation-Titel ab Januar 2028 einstellen, wie das Unternehmen mitteilte. Parallel dazu schließt Sony die digitalen Stores für die PlayStation 3 und PS Vita bis Juli 2027 weltweit. Diese Schritte markieren den endgültigen Übergang zum rein digitalen Vertrieb von Spielen.

Das Ende der physischen Spieleproduktion ab 2028

Das Ende der physischen Spieleproduktion ab 2028
Photo: IGN
Sony Interactive Entertainment beendet die Ära der Disc-basierten Spiele. Wie CBC berichtet, wird die Produktion physischer Kopien für alle neuen PlayStation-Spiele ab Beginn des Jahres 2028 gestoppt. Zukünftige Titel werden ausschließlich über den digitalen PlayStation Store erhältlich sein.Retail-Versionen, die weiterhin in Geschäften verkauft werden, werden nach diesem Datum nur noch in Form von digitalen Codes angeboten. Spiele, die bereits veröffentlicht wurden oder zum Zeitpunkt der Umstellung einen physischen Release planen, bleiben auf Discs verfügbar.Sid Shuman, Kommunikationsdirektor von SonyDie Entscheidung ist eine Reaktion auf den massiven Wandel im Konsumverhalten. Shuman betonte, dass dies eine „natürliche Richtung für Sony Interactive Entertainment, um sich an die Verbrauchertrends anzupassen, da die allgemeine Präferenz für digitale Medien physische Discs deutlich übertrifft“.

Umbau des Werks in Thalgau: Von Discs zu Mikrolinsen

Umbau des Werks in Thalgau: Von Discs zu Mikrolinsen
Photo: CBC
Hinter den Kulissen bereitet Sony die Infrastruktur bereits auf die Zeit nach der Disc vor. Das Werk in Thalgau, Österreich, das derzeit als Hauptquartier der Disc-Produktion dient, steht vor einer radikalen Umgestaltung. Laut Dietmar Tanzer, Präsident von Sony DADC, produziert das Werk derzeit täglich 600.000 Discs, wovon die Hälfte auf die PlayStation entfällt.Bis 2028 wird dieses Volumen jedoch auf nur noch 10 Prozent sinken. Sony plant daher, alle 300 Mitarbeiter des Standorts umzuschulen. Die Produktion verlagert sich auf optische Mikrolinsen, eine Technologie, die unter anderem in Headsets oder für die Automobilindustrie genutzt wird – etwa für Blinker, die Warnsignale direkt auf den Asphalt projizieren. Sony hat bereits 30 Millionen Euro in diese Umstellung investiert; eine Massenproduktion könnte bereits im nächsten Jahr beginnen.Dieser Rückzug aus der Hardware-Fertigung ist kein plötzlicher Impuls, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen Konsolidierung. Sony schloss bereits 2011 sein Werk in New Jersey und verlagerte 2022 die gesamte US-Produktion aus Indiana nach Thalgau.

Zeitplan für die Schließung der PS3- und PS Vita-Stores

Sony Ending Production of Physical Discs in 2028
Gleichzeitig mit dem Aus der Discs räumt Sony in seinem digitalen Archiv auf. Der PlayStation Store für die PS3 und die PS Vita wird schrittweise geschlossen. Sony begründet diesen Schritt damit, dass die alten Geräte nicht mehr mit „modernen Handelssystemen, einschließlich aktualisierter Standards für die Zahlungsabwicklung“ kompatibel sind.
RegionZeitpunkt der Schließung (PS3/Vita)
Mexiko, Honduras, NicaraguaAb August 2026
Weitere Länder in Lateinamerika und dem Mittleren OstenEnde 2026
Alle anderen Länder (global)Juli 2027
Nach der Schließung werden keine neuen Inhalte mehr erworben werden können. Sony versprach, dass bereits gekaufte Inhalte für die „absehbare Zukunft“ weiterhin heruntergeladen werden können, gab jedoch keine lebenslange Garantie für den Zugriff.

Eigentumsrechte und das Risiko digitaler Bibliotheken

Eigentumsrechte und das Risiko digitaler Bibliotheken
Photo: PlayStation.Blog
Die Kombination aus dem Ende der Discs und der Schließung alter Stores löst in der Gaming-Community erhebliche Besorgnis aus. Kritiker argumentieren, dass Nutzer mit dem Kauf digitaler Lizenzen kein echtes Eigentum erwerben, sondern lediglich ein temporäres Nutzungsrecht.Diese Sorgen stützen sich auf reale Präzedenzfälle. Wie Ars Technica berichtet, löschte Sony bereits 2024 digitale Bibliotheken von Funimation, obwohl das Unternehmen zuvor behauptet hatte, die Kopien seien „für immer“ zugänglich. Zudem verloren Nutzer in Deutschland und Australien den Zugriff auf Titel von StudioCanal.Die wirtschaftlichen Daten unterstreichen jedoch die Unausweichlichkeit dieses Trends. Der Analyst Daniel Ahmad von Niko Partners gab an, dass im vergangenen Jahr 78 Prozent der „vollständigen Spieleverkäufe“ von Sony digital erfolgten. Bei Xbox lag dieser Wert sogar bei 90 Prozent. Der allgemeine Niedergang physischer Medien ist massiv: In den USA sanken die Verkäufe neuer physischer Spiele von 11,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 auf 1,6 Milliarden US-Dollar im Zeitraum bis Mai 2025.Während Nintendo mit der Switch und ihren Game-Cards weiterhin eine starke Präsenz im Einzelhandel hält, setzt Sony konsequent auf die digitale Zukunft. Für die Konsumenten bedeutet dies eine gesteigerte Bequemlichkeit, aber auch eine vollständige Abhängigkeit von den Servern des Herstellers. Wenn die Infrastruktur für eine Generation – wie nun bei der PS3 – abgeschaltet wird, drohen digitale Titel, die es nie auf Disc gab, unwiederbringlich verloren zu gehen.Zusätzlich zu diesen strukturellen Änderungen spüren Nutzer den finanziellen Druck. In Kanada stieg der Preis der Standard-PS5 kürzlich auf 819,99 US-Dollar, was einem Anstieg von fast 200 US-Dollar gegenüber dem vorherigen Preis von 649,99 US-Dollar entspricht. Sony führt dies auf steigende Kosten für Komponenten wie den Arbeitsspeicher (RAM) zurück.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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