Der Leiter der Smithsonian Institution, Lonnie G.
Die Smithsonian Institution steht vor einem tiefgehenden Umbruch in ihrer 180-jährigen Geschichte. Lonnie G. Bunch III, der als erster schwarzer Sekretär an der Spitze der Organisation stand und zuvor das National Museum of African American History and Culture gegründet hatte, gab bekannt, dass er nach über sieben Jahren im Amt zurücktritt.
Politischer Druck und der Streit um die historische Aufarbeitung
Der Abgang des 73-jährigen Historikers erfolgt inmitten intensiver Auseinandersetzungen mit dem Weißen Haus. Seit März 2025 versucht die Regierung von Präsident Donald Trump, unpassende und nach Ansicht der Verwaltung ungeeignete Ideologien aus den Museen zu entfernen, wie das Nachrichtenportal Townhall berichtet. Dabei fordert das Weiße Haus konkrete content corrections
bei Ausstellungen, die Themen wie Sklaverei, Rasse, Einwanderung und Geschlechteridentität behandeln.
Der öffentliche Druck spitzte sich im Sommer 2026 zu, als Verantwortliche des Smithsonian, darunter die Direktorin Dr. Anthea Hartig, im Kongress zu einer umstrittenen Handreichung des Museums befragt wurden. Die Initiative hatte bestimmte Verhaltensweisen in einem Leitfaden klassifiziert, was im US-Parlament zu heftigen Reaktionen führte. Während die Administration eine grundlegende Neuausrichtung fordert, hat Bunch stets die institutionelle Unabhängigkeit und wissenschaftliche Integrität der Museen verteidigt.
Drohender Entzug von Bundesmitteln und behördliche Sanktionen
Die Spannungen zwischen der Regierung und der Kulturinstitution haben inzwischen finanzielle Dimensionen erreicht. Am 3. September 2026 verwarnte die Trump-Administration das Smithsonian offiziell und stellte den möglichen Entzug von Bundesgeldern wegen angeblicher Verstöße gegen geltende Bundesgesetze zum Antidiskriminierungsrecht in Aussicht. Das Institut bezieht jährlich rund 1 Milliarden US-Dollar an direkten Bundesmitteln.
Neben dem Verlust der direkten Finanzierung könnten auch andere Regierungsbehörden ihre Unterstützung bei der Beschaffung einstellen, den Verleih von historischen Artefakten stoppen oder andere diskretionäre Zuschüsse streichen.
I have to be honest, it has been stressful. And at a certain point, I’d like to wake up in the morning and not look at my cellphone. Lonnie G. Bunch III, Leiter der Smithsonian Institution, gegenüber der New York Times
Trotz der enormen Belastungen betonte Bunch gegenüber Medien, dass die anhaltenden Konflikte mit dem Weißen Haus nicht der ausschlaggebende Grund für seinen Entschluss gewesen seien. Vielmehr sei für ihn persönlich der Zeitpunkt für den Abschied nach fast vier Jahrzehnten Tätigkeit an der Institution gekommen. Seine letzte verbleibende Aufgabe sieht er darin, einen geordneten Übergang zu gewährleisten, um das Haus zu schützen.
Die Nachfolge und die Neubesetzung im Aufsichtsrat
Die Suche nach einer Nachfolge obliegt dem 17-köpfigen Aufsichtsrat der Institution, dem Board of Regents. Dieses Gremium steht unter der Leitung von Supreme Court Justice John Roberts und setzt sich aus Mitgliedern des Kongresses, privaten Bürgern sowie Vizepräsident JD Vance zusammen.

Gleichzeitig verändert sich die personelle Zusammensetzung des Aufsichtsgremiums grundlegend. Bis zum folgenden Monat werden voraussichtlich vier Sitze im Board of Regents neu zu besetzen sein, was der Regierung zusätzliche Möglichkeiten eröffnet, Einfluss auf die künftige Ausrichtung der traditionsreichen Kultur- und Forschungseinrichtung zu nehmen.
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