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Gesundheit

Semaglutid könnte Exazerbationen bei Asthma und COPD reduzieren

Wirkstoffe wie Semaglutid zeigen in einer neuen Auswertung von Gesundheitsdaten im Vereinigten Königreich einen deutlichen Zusammenhang mit verringerten Exazerbationen bei Asthma und COPD. Forschende des Imperial College London präsentierten die Ergebnisse im September 2026 auf dem Kongress der European Respiratory Society in Barcelona, weisen jedoch auf die Notwendigkeit klinischer Bestätigungen hin.

Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten wird in der medizinischen Forschung zunehmend über die bekannten Anwendungsgebiete des Typ-2-Diabetes und der Adipositas hinaus untersucht. Aktuelle Auswertungen unter der Leitung von Chloe Bloom vom National Heart & Lung Institute des Imperial College London liefern Hinweise auf einen signifikanten therapeutischen Zusatznutzen bei chronischen Lungenerkrankungen. Die Ergebnisse wurden auf dem Kongress der European Respiratory Society in Barcelona vorgestellt, wie unter anderem auf Healio berichtet wurde.

Datenanalyse aus dem Vereinigten Königreich vergleicht GLP-1 mit Sulfonylharnstoffen

Für die Untersuchung nutzten die Wissenschaftler elektronische Gesundheitsdaten aus dem britischen Clinical Practice Research Datalink. Dabei wurden Analysen durchgeführt, an denen Patienten mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung beteiligt waren, die eine Therapie mit GLP-1-Präparaten begonnen hatten. Diese Kohorten wurden mit Patienten verglichen, die Sulfonylharnstoffe als andere Diabetesmedikation einnahmen. Insgesamt umfasste die Vergleichsgruppe für Sulfonylharnstoffe 20.273 Personen, während sich die Patientenzahlen bei den GLP-1-Wirkstoffen auf 1.493 für Semaglutid, 2.694 für Liraglutid, 2.303 für Dulaglutid, 1.469 für Exenatid und 307 für Lixisenatid verteilten. Akute Verschlechterungen der Atemwegserkrankungen standen dabei im Fokus.

Im direkten Vergleich zur Sulfonylharnstoff-Gruppe zeigte sich bei den Anwendern von GLP-1-Rezeptoragonisten ein genereller Rückgang der Exazerbationen um 14 Prozent. Den stärksten Effekt verzeichneten die Forschenden jedoch bei Semaglutid. Die Auswertung ergab eine statistische Assoziation mit nahezu 40 Prozent weniger Asthmaanfällen sowie einer Verringerung der COPD-Schübe um etwa 20 Prozent. Auch andere Vertreter der Wirkstoffklasse wie Exenatid und Dulaglutid wiesen Reduktionen auf, während Liraglutid und Lixisenatid in dieser Untersuchung keine signifikanten Assoziationen mit verringerten Exazerbationsraten zeigten.

Unterschiedliche Effekte der Wirkstoffe und methodische Einordnung

Die leitende Wissenschaftlerin Chloe Bloom hob hervor, dass insbesondere Semaglutid im Vergleich zu älteren Diabetesmedikamenten und anderen GLP-1-Therapien auffällig starke Ergebnisse zeigte. Die Präsentation auf dem ERS-Kongress verwies auf die Bedeutung der Verknüpfung von Stoffwechselgesundheit und Atemwegserkrankungen.

Semaglutid könnte Exazerbationen bei Asthma und COPD reduzieren
Photo: healio.com

„The effect was strongest with semaglutide, especially in people with asthma, where use of semaglutide appears to be associated with nearly a 40% reduction in asthma attacks.“

Chloe Bloom, Clinical Associate Professor in Respiratory Epidemiology at Imperial College London’s National Heart & Lung Institute

Dennoch betonen die Autoren der Untersuchung, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Veränderungen bei Gewicht, Blutzuckerwerten (HbA1c), Alter, Raucherstatus oder eosinophilen Werten modifizierten die beobachteten Zusammenhänge laut den Forschenden nicht. Dies lege nahe, dass die positiven respiratorischen Effekte nicht ausschließlich auf Gewichtsverlust oder eine verbesserte Blutzuckereinstellung zurückzuführen sind, sondern möglicherweise auch auf direkte entzündungshemmende Mechanismen im Lungengewebe hinweisen.

Ausblick auf klinische Studien und fachliche Einordnung

Dennoch raten die Studienautoren dringend davon ab, die Medikamente außerhalb der zugelassenen Indikationen anzuwenden.

Semaglutid könnte Exazerbationen bei Asthma und COPD reduzieren
Photo: https://www.betterhealth.vic.gov.au/health/conditionsandtreatments/asthma-emergency-first-aid

„People with asthma or COPD should not start GLP-1 receptor agonists specifically for their lung condition outside current prescribing guidance.“

Chloe Bloom, Imperial College London

Die Datenlage bietet einen wichtigen Ausgangspunkt für die zukünftige Forschung, ersetzt jedoch keine prospektiven, randomisierten klinischen Studien. Solche kontrollierten Prüfungen sind nach Ansicht der Wissenschaftler notwendig, um die genauen kausalen Zusammenhänge zu klären und zu verifizieren, ob GLP-1-Rezeptoragonisten künftig gezielt zur Vorbeugung von Asthma- und COPD-Anfällen eingesetzt werden können.

GLP-1-Medikamente könnten Asthma- und COPD-Anfälle reduzieren, so eine Studie.
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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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