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Welt

Selenskyj offen für Gespräche über Sicherheitsgarantien für Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigt sich erstmals offen für Gespräche über russische Sicherheitsgarantien im Rahmen einer künftigen Friedensregelung. Die Äußerungen im Oktober 2026 markieren eine bemerkenswerte diplomatische Wende, während Delegationen der Ukraine, Russlands und der USA für kommende Verhandlungen in Abu Dhabi planen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor Journalisten in Kiew erklärt, dass im Zuge einer künftigen Friedensregelung auch über Moskauer Forderungen nach Sicherheitsgarantien gesprochen werden kann. Die Financial Times wertete diese Ankündigung als bedeutende Kehrtwende in der diplomatischen Haltung der Regierung in Kiew.

Bislang hatten die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten solche Forderungen strikt abgelehnt. Sie sahen darin den Versuch, eine russische Einflusssphäre wiederherzustellen und die Souveränität benachbarter Staaten einzuschränken. Nun zeichnet sich ein vorsichtiger Kurswechsel ab, wenngleich Kiew an einer strikten Reihenfolge festhält. Zuerst müsse der Krieg enden, bevor Moskaus Wunschliste bearbeitet werden könne. In einem Interview mit Ukrinform äußerte sich der Präsident am Rande einer Sonderveranstaltung, die vom Brüsseler Büro des Kyiv Security Forum organisiert wurde.

Die Bedingungen von Präsident Selenskyj für Gespräche mit Moskau

Selenskyj betonte vor den Medien, dass eine Einigung an klare Voraussetzungen geknüpft ist. Bevor über die Vorstellungen Russlands verhandelt werden kann, muss der Krieg beendet und die Sicherheit der Ukraine verlässlich geschützt sein. Das Staatsoberhaupt erklärte zudem, dass solche Garantien aus Sicht des Kremls den Sicherheitsrahmen in Europa und der Welt verändern würden.

Selenskyj offen für Gespräche über Sicherheitsgarantien für Russland
Foto: kettner-edelmetalle.de

Zuerst müssen wir die Frage dieses Kriegs lösen und erst danach nach Antworten auf die Fragen suchen, die Russland auf Grundlage seiner eigenen Vorstellungen und Erwartungen an Sicherheit aufwirft.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine.

Der ukrainische Präsident betonte, dass mit diesen Äußerungen noch keine Zustimmung zu konkreten Forderungen verbunden ist. Territorialfragen müssten ohnehin direkt auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs verhandelt werden. Zudem zeigte sich Kiew bereit, einen amerikanischen Vorschlag für eine entmilitarisierte Zone auf beiden Seiten der Front zu erörtern. Auch über eine Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen und auf See wurde gesprochen.

Ukraine krieg norwegen
Foto: Tagesspiegel

Diplomatische Vorstöße aus Nordeuropa und das Treffen in Abu Dhabi

Der Kehrtwende gingen diplomatische Aktivitäten voraus. Der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre hatten zuvor in Telefonaten den Kontakt zu Kremlchef Wladimir Putin gesucht. Berichten zufolge handelte es sich dabei um die ersten öffentlich bestätigten Gespräche prowestlicher europäischer Spitzenpolitiker mit Putin seit Juli des Vorjahres. Selenskyj gab an, sowohl vor als auch nach diesen Telefonaten mit den beiden nordischen Politikern gesprochen zu haben.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor den Druck auf die Ukraine erhöht und die Sanktionen gegen Russland gelockert. Auf der Agenda stehen Gespräche zwischen Kyjiw, Washington und Moskau über mögliche Deeskalationsschritte, während Berichte auch von ukrainischen Drohnenangriffen auf Chemiefabriken im Nachbarland sprechen.

Die Rolle Europas und historische Forderungen an die NATO

Selenskyj besteht darauf, dass die europäische Seite am Verhandlungstisch sitzt, sobald Garantien berührt werden, die eine europäische Beteiligung erfordern. Grundsätzliche Fragen könne Kiew zwar über amerikanische Vermittlung mit Moskau besprechen, doch für die europäische Sicherheitsarchitektur sei eine direkte Einbindung Europas unerlässlich.

Selenskyj offen für Gespräche über Sicherheitsgarantien für Russland
Foto: Berliner Zeitung

Hinter den Kulissen blicken Beobachter auf die weitreichenden Forderungen Moskaus zurück, das die Ukraine 2022 unprovoziert überfallen und seitdem massiv aufgerüstet hat. Bereits im Dezember 2021 hatte Moskau in Vertragsentwürfen verlangt, die militärische Präsenz der NATO auf den Stand von Mai 1997 zurückzuführen.

Der ehemalige Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, Admiral Rob Bauer, betonte im Gespräch mit Reporteri, dass die Ukraine einen souveränen Staat mit glaubwürdigen Streitkräften behalten müsse und verlässliche Abschreckungsmechanismen brauche, um eine erneute Invasion zu verhindern. Mit Blick auf die Erfahrungen des Budapester Memorandums von 1994 forderte er einen Mechanismus, der Artikel 5 des NATO-Vertrags so ähnlich wie möglich ist.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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