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Welt

Selenskyj plant Dreiergespräche in Abu Dhabi

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat im Oktober 2026 Dreiergespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA für den November in Aussicht gestellt. Die Konsultationen sollen in Abu Dhabi stattfinden, während in Oslo und Sankt Petersburg vorbereitende Treffen stattfanden.

Die diplomatische Bewegung kommt nach monatelanger Blockade wieder in Gang. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte im Oktober 2026 an, dass für den kommenden November trilaterale Gespräche unter US-Vermittlung geplant seien. Der Kreml hatte zuvor erklärt, dass direkte Verhandlungen zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern in der ersten Novemberhälfte in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorbereitet werden. Als möglicher Zeitpunkt wurde ein Termin ab dem 10. November genannt. Dies läge nach den Kongresswahlen in den USA am 3. November, aber vor einem eventuellen Treffen Putins mit US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping beim Asien-Pazifik-Gipfel am 18. und 19. November.

Treffen in Oslo und St. Petersburg bereiten Verhandlungen vor

Die diplomatischen Vorbereitungen für das Treffen in Abu Dhabi intensivierten sich im Oktober 2026 durch Reisen des US-Sondergesandten Steve Witkoff. Witkoff reiste zunächst nach Oslo, wo er den ukrainischen Präsidenten sowie den norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Störe und den finnischen Präsidenten Alexander Stubb traf. Laut dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Störe war es Selenskyj gewesen, der um eine Teilnahme Witkoffs an den Gesprächen gebeten hatte, um die diplomatischen Bemühungen auf einen konstruktiveren Weg zu bringen. Anschließend führte Witkoff ein knapp dreistündiges Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Sankt Petersburg, um die diskutierten Ideen zu präsentieren und die russische Führung zu treffen. Es war die neunte persönliche Begegnung der beiden Männer. Zum Auftakt der Unterredungen entließ die russische Seite den inhaftierten US-Staatsbürger Stephen Hubbard als Zeichen des guten Willens. Zudem teilte Moskau den Verkauf großer Mengen Dünger sowie erster Diesellieferungen an die USA mit.

Selenskyj plant Dreiergespräche in Abu Dhabi
Foto: Spiegel

Dem Kreml beziehungsweise dem außenpolitischen Berater des russischen Staatschefs, Juri Uschakow, zufolge signalisierte Moskau grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, die Expertenkonsultationen weiterzuführen, um die jeweiligen Standpunkte nachzuvollziehen und einen Lösungsrahmen für den Konflikt zu erarbeiten. Die EU-Kommission teilte mit, dass die Europäische Union an künftigen multilateralen Gesprächen teilnehmen werde, nachdem zuvor bereits Beratungen in Miami im US-Bundesstaat Florida stattgefunden hatten, an denen Vertreter der USA, der Ukraine, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, der EU und der Nato beteiligt waren.

Selenskyjs rote Linien und die Haltung zum Einfrieren der Fronten

In mehreren Interviews im Oktober 2026 machte Selenskyj deutlich, unter welchen Bedingungen Kiew zu Gesprächen bereit ist. Gleichzeitig lehnte er jedoch eine formelle Abtretung souveränen Territoriums oder die Anerkennung von Gebieten unter russischer Kontrolle als russisches Territorium strikt ab.

Wir sind bereit zu diskutieren. Geht es um die territoriale Frage, muss diese auf Führungsebene behandelt werden. Die anderen Themen gehören in technische Arbeitsgruppen. All das kann im November besprochen werden.

Wolodimir Selenski, ukrainischer Präsident

Zudem zog Selenskyj deutliche Grenzen bei sicherheitspolitischen Fragen. Die von westlichen Partnern geforderten Sicherheitsgarantien, die Größe der ukrainischen Armee sowie die Entscheidung über Bündniszugehörigkeiten seien für Kiew nicht verhandelbar. Über die von Russland beanspruchten ukrainischen Gebiete könne nur auf höchster politischer Ebene bei einem Treffen zwischen ihm und Putin gesprochen werden. Mit Blick auf den Winter forderte er zudem eine sogenannte Energie-Waffenruhe, bei der beide Seiten Angriffe auf die zivile Energieinfrastruktur einstellen sollten, sowie eine Waffenruhe auf dem Schwarzen Meer für eine freie Schifffahrt. Auf ukrainischer Seite liegt die Unterstützung für Präsident Wolodymyr Selenskyj als Kriegspräsident laut Angaben im Oktober 2026 bei 55 Prozent.

Moskaus Position und die Debatte um Europas Rolle

Moskau lehnt eine sofortige Feuerpause vor einer umfassenden Einigung weiterhin ab und argumentiert, dass ein Waffenstillstand erst nach einer grundlegenden Einigung infrage komme, da Kiew eine Kampfpause andernfalls für die eigene Aufrüstung nutzen würde. Kremlberater Juri Uschakow erklärte nach dem Treffen mit Witkoff, dass Witkoff zwar einige neue Ansätze in der Herangehensweise der Europäer und Kiews festgestellt habe, diese jedoch nicht viel Nützliches im Kontext der Lösung der Ukraine-Krise enthalten hätten. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, dass zunächst im Dreierformat zwischen Russland, den USA und der Ukraine gesprochen werde, merkte zur europäischen Beteiligung jedoch an, dass man die Architektur der europäischen Sicherheit nicht ohne andere Teilnehmer besprechen könne.

Selenskyj plant Dreiergespräche in Abu Dhabi
Foto: WELT

Unterdessen bleibt die genaue Rolle der europäischen Staaten umstritten. Während die Bundesregierung betonte, dass Deutschland und die Europäer jederzeit zu Gesprächen bereit seien und der außen- und sicherheitspolitische Berater von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Stefan Kornelius, anwesend war, warnte Merz deutlich davor, dass eine Kapitulation der Ukraine keine Option für Europa sei. US-Sondergesandter Steve Witkoff zeigte sich derweil optimistisch, auch wenn US-Präsident Donald Trump in seinen Äußerungen die Ukraine und ihren Präsidenten wiederholt kritisierte und erklärte, Russland habe sich ganz gut verhalten.

Selenskyj plant Dreiergespräche in Abu Dhabi
Foto: ZDFheute

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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