Seifenkisten sind längst keine einfachen Holzkisten mehr. Laut einem SRF-Bericht vom September 2026 haben sie sich zu Hightech-Fahrzeugen entwickelt. Das Hobby boomt in der Schweiz wieder als familiäres Gemeinschaftsprojekt, das von aufwendiger Aerodynamik, Gewichtsverteilung und generationenübergreifendem Zusammenhalt geprägt ist.
Vom einfachen Spielzeug zur Hightech-Maschine in Buchs
Wer beim Stichwort Seifenkisten an wackelige Holzbauten denkt, unterschätzt die moderne Entwicklung der Szene. An einem Renntag in Buchs (ZH) zeigt sich laut SRF-Berichten schnell, dass in den Gefährten modernste Technik steckt. Für den zwölfjährigen Ramon, der zu den Teilnehmern gehört, beginnt der Tag bereits vor 5 Uhr früh. Nach der langen Anreise aus der Ostschweiz baut das Team das Zelt auf, platziert das Material und besichtigt die Rennstrecke.
Was früher als schlichtes Brett mit Rädern, Lenkung und Bremse galt, erfordert heute intensive Pflege und technisches Know-how. Als wir angefangen haben, dachten wir: Es ist ein Brett mit Karosserie, Bremse und Lenkung. Ganz einfach. Aber da steckt viel mehr drin. Es sind mittlerweile richtige Hightech-Maschinen
, erzählt Ramon. Seine Familie hat eine der besten Maschinen der Schweiz erworben, die sich durch eine gute Federung und eine stabile Karosserie auszeichnet, die auch bei Höchstgeschwindigkeit ruhig bleibt.
Ein Schweizer Familienhobby mit wachsender Nachfrage
Hinter den Kulissen funktioniert der Sport als reines Gemeinschaftsprojekt. Laut Remo Michel, Vater eines Fahrers und Vorstandsmitglied der Interessengemeinschaft (IG) Seifenkisten-Derby, lässt sich klar von einem Familienhobby sprechen. Während die Kinder die Rennmaschinen steuern, kümmern sich die Eltern im Hintergrund um den Bau und den Unterhalt der Fahrzeuge. Auch der Zusammenhalt unter den Teams wird grossgeschrieben. Wir sind wie eine grosse Familie
, beschreibt Ramon die Atmosphäre, in der bei Materialdefekten sofort Hilfe bereitsteht.
Das Interesse an den Veranstaltungen nimmt nach Angaben der IG Seifenkisten-Derby spürbar zu. Pro Rennen verzeichnen die Organisatoren durchschnittlich 50 bis 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der ganzen Schweiz. Den historischen Höchststand gab es laut Remo Michel in den 1990er-Jahren mit weit über 100 Fahrerinnen und Fahrern, bei denen man sich damals teilweise für die Rennen qualifizieren musste. Nach einem Einbruch infolge der Corona-Pandemie steigen nun sowohl die Bewerbungen von neuen Veranstaltern als auch die Medienanfragen wieder an.
Konstruktion, Aerodynamik und der Reiz der Geschwindigkeit
Hinter den sportlichen Resultaten stecken jahrelange Erfahrung und präzise physikalische Überlegungen. Beim Bau achten die Teams akribisch auf Faktoren wie die Gewichtsverteilung, die Aerodynamik und die Dämpfung. Dennoch bleibt der menschliche Faktor entscheidend: Nach Einschätzung von Remo Michel macht die Fahrerin oder der Fahrer rund 90 Prozent einer erfolgreichen Fahrt aus. Wie langlebig die Konstruktionen sind, zeigt sich daran, dass mancherorts noch Kisten im Einsatz sind, die vor 15 oder 20 Jahren gebaut wurden und immer noch Kinder zum Sieg steuern.
Für Ramon steht bei den Rennen neben der sportlichen Konkurrenz vor allem das Erlebnis im Vordergrund. Auch wenn es für ihn beim Rennen in Buchs noch nicht ganz für den ersehnten Podestplatz gereicht hat, blickt er optimistisch auf kommende Derbys, bei denen er seine Hightech-Seifenkiste erneut an den Start schieben wird.
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