Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Seelöwen und Seebären: Forscher testen erstmals ihre Hörschwellen

Forschende der Curtin University und der Taronga Conservation Society Australia haben erstmals die Hörschwellen von australischen Seelöwen und langnasigen Seebären untersucht. Mithilfe freiwillig teilnehmender Tiere ermittelte das Team, dass beide Ohrenrobbenarten Töne um 3,2 Kilohertz am empfindlichsten wahrnehmen.

Um die Auswirkungen von Unterwasserlärm auf Meeressäuger besser zu verstehen, hat ein australisches Forschungsteam erstmals präzise Hörtests an australischen Seelöwen und langnasigen Seebären durchgeführt. Die Studie schließt eine wichtige Lücke, da bislang keine direkten Hördaten für diese beiden spezifischen Arten vorlagen. Das Projekt wurde gemeinsam von der Curtin University und der Taronga Conservation Society Australia realisiert.

Das Training im Taronga-Zoo Sydney und die Methode der Hörtests

Im Taronga-Zoo in Sydney bereiteten Tierpfleger die Meeressäuger auf die Untersuchung vor. Zwei Seelöwen und zwei Seebären wurden darauf trainiert, einen Hebel mit ihrer Schnauze zu drücken, sobald sie einen Ton wahrnahmen. Als Belohnung erhielten die Tiere für jede richtige Antwort einen Fisch.

Seelöwen und Seebären: Forscher testen erstmals ihre Hörschwellen
Foto: Spiegel

Dr. Benjamin Pitcher, Verhaltensbiologe bei der Taronga Conservation Society Australia und Forscher an der Macquarie University, erklärte, dass die Tiere freiwillig an den Hörtests teilnehmen konnten und durch positive Verstärkung engagiert blieben. „Wir konnten so messen, was sie tatsächlich wahrnehmen konnten“, sagte er.”

Durch diesen freiwilligen Ansatz konnten die Forschenden verlässliche Verhaltensaudiogramme erstellen. Beide untersuchten Arten zeigten dabei eine besonders hohe Empfindlichkeit gegenüber Tönen, die um 3,2 Kilohertz liegen – eine Frequenz, die für das menschliche Ohr bereits als recht hoch und schrill wahrgenommen wird.

Hearing tests reveal how sea lions and fur seals hear human-made noise

Bedeutung der neuen Hördaten für den Artenschutz und den gefährdeten Seelöwen

Die gewonnenen Daten liefern eine notwendige wissenschaftliche Grundlage, um die Störwirkung von anthropogenem Lärm exakter zu bewerten. Laut der leitenden Forscherin Professor Christine Erbe vom Zentrum für Meereswissenschaften und Technologie an der Curtin University ist dieser Schritt grundlegend, bevor man die tatsächlichen Folgen für Wildtiere analysieren kann.

„Um herauszufinden, ob ein Geräusch ein Tier beeinflusst, müssen wir erst einmal wissen, ob es dieses Geräusch überhaupt hören kann.“

Professor Christine Erbe, Direktorin des Zentrums für Meereswissenschaften und Technologie an der Curtin University

Besonders dringlich ist die Forschung für den vom Aussterben bedrohten australischen Seelöwen, dessen Population auf nur noch rund 12.000 Tiere geschätzt wird. Die Meeressäuger sind auf ihr Gehör angewiesen, um unter Wasser zu kommunizieren, Nahrung zu finden, zu navigieren und drohende Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Vergleiche mit Umgebungsgeräuschen zeigten zudem, dass viele Laute von Schiffen, Booten, Flugzeugen, Zügen und Baustellen für die Tiere auch an Land hörbar sind, wenn sie sich dort aufhalten.

Seelöwen und Seebären: Forscher testen erstmals ihre Hörschwellen
Foto: miragenews.com

Nächste Schritte und Einbindung in Umweltverträglichkeitsprüfungen

Die Projektergebnisse wurden in den Fachpublikationen Aerial Audiograms of Two Long-Nosed Fur Seals (Arctocephalus forsteri) und In-Air Behavioral Audiograms of Two Australian Sea Lions (Neophoca cinerea) veröffentlicht.

Die Untersuchungen beschränkten sich bislang jedoch auf die Luft; als nächstes wollen die Forschenden bestimmen, wie sich Lärm unter Wasser auf die Tiere auswirkt und ab welchem Punkt er ihr Verhalten oder ihr Hörvermögen beeinträchtigt.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.