Wissenschaftler in Sydney haben Robben und Seelöwen mit Futterbelohnungen auf Hörtests trainiert. Ziel des Projekts der Curtin University ist es, die Empfindlichkeit von Ohrenrobben gegenüber anthropogenem Lärm zu bestimmen und den Schutz bedrohter Arten wie des Australischen Seelöwen zu verbessern.
Futter als Motivation: So läuft der Hörtest im Taronga-Zoo ab
Tierpfleger im Taronga-Zoo in Sydney haben zwei Seelöwen und zwei Seebären darauf trainiert, an einem verhaltensbasierten Hörtest teilzunehmen. Sobald die Tiere einen Ton wahrnehmen, drücken sie mit ihrer Schnauze einen Hebel oder ein Paddel. Für ihre korrekten Antworten erhalten die Meeressäuger jeweils einen Fisch als Belohnung.

Das Projekt wird von Forschern der Curtin University durchgeführt. Die Tiere gehören beide zur Familie der Ohrenrobben. Aus den Reaktionen der Meeressäuger haben die Wissenschaftler errechnet, wie gut und in welchen Frequenzbereichen die Tiere hören. Den Ergebnissen zufolge reagieren die Robben am empfindlichsten auf Geräusche um 3,2 Kilohertz — das entspricht für das menschlichen Ohr einer hohen Frequenz, die als schrill wahrgenommen wird.
Gefährdete Bestände: Warum das Gehör für Australische Seelöwen überlebenswichtig ist
Die gewonnenen Daten zu den Hörschwellen sind besonders wichtig für den Schutz des bedrohten Australischen Seelöwen. Dessen Population wird auf nur noch etwa 12.000 Tiere geschätzt. Die Meeressäuger sind in ihrem Alltag in hohem Maße auf ihren Tastsinn und vor allem auf ihr Gehör angewiesen.
Projektleiterin Christine Erbe betonte, dass diese Tests die notwendige Grundlage liefern, um die Auswirkungen von Geräuschen durch Schiffe, Boote, Flugzeuge und Küstenbauarbeiten auf die Tiere zu bewerten. Ohne diese direkten audiometrischen Daten fehlte bislang die Möglichkeit, exakt zu bestimmen, welche anthropogenen Frequenzen die Tiere überhaupt wahrnehmen können.
Konkrete Folgen für Umweltprüfungen und die nächste Forschungsphase
Die Betreibergesellschaft des Taronga-Zoos und die Macquarie University arbeiten eng an dem Projekt mit. Benjamin Pitcher, Verhaltensbiologe am Zoo und Forscher an der Macquarie University, sieht in der Grundlagenforschung einen direkten Hebel für kommende Schutzmaßnahmen.
Die ermittelten Hörschwellen sollen künftig in Umweltverträglichkeitsprüfungen für Bauprojekte an der Küste einfließen. Da sich Schifffahrt und Offshore-Industrien weiter ausdehnen, hilft das Wissen über das Hörvermögen dabei, Lärmschutzauflagen gezielter zu gestalten. Während die Forscher nun wissen, was die Tiere hören, steht als nächster Schritt an, die Auswirkungen von Unterwasserlärm auf das Verhalten und das Hörvermögen der Meeressäuger zu untersuchen.
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