Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat am 10. Juni einen Rahmenvertrag über 120-mm-Mörsermunition im Wert von rund 220 Millionen Euro gebilligt. Parallel dazu bestellte die Bundeswehr 23 Bergepanzer 3 vom Konzern Rheinmetall für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, um Bestandsverluste durch Lieferungen an die Ukraine auszugleichen.
Diese Beschaffungswellen verdeutlichen eine doppelte Strategie der Bundeswehr: Die Schließung kritischer Lücken in der Logistik und der Aufbau einer neuen Fähigkeit im Bereich des indirekten Feuers. Während die Bergepanzer eine reine Wiederherstellung bestehender Kapazitäten darstellen, bereitet die Munitionsbestellung den Weg für ein neues Waffensystem.
Die Munitionsbeschaffung für das System NEMO
Die Entscheidung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages zielt auf die Deckung des Erstbedarfs für das zukünftige System Indirektes Feuer kurze Reichweite (ZukSysIndF kRw) ab. Die Munition ist spezifisch für den automatischen 120-mm-Turmmörser NEMO vorgesehen, der auf einem Patria 6×6 Trägerfahrzeug aus dem CAVS-Programm montiert wird.

Obwohl die genauen Stückzahlen nicht veröffentlicht wurden, lässt sich bei einem geschätzten Durchschnittspreis von 2.000 Euro pro Geschoss auf eine Menge im niedrigen sechsstelligen Bereich schließen.
- Sprengmunition HE B1/B2
- Nebelmunition RP SMK
- Leuchtmunition ILLUM vis
Der finnische Hersteller NAMMO fungiert als Hauptlieferant, unterstützt durch ein Netzwerk aus Unterauftragnehmern, darunter Rheinmetall Waffe Munition, Nammo Sweden, Junghans Microtec und Memar. Die Lieferungen sollen nach den Pilotlosprüfungen Ende 2027 beginnen und bis 2031 abgeschlossen werden.
Die zeitliche Abstimmung ist hierbei kritisch. Die Serienfertigung der NEMO-Mörser beginnt 2027, wobei die Truppe die Fahrzeuge zwischen 2028 und 2029 erhalten soll. Die Munition muss also zeitgleich mit der Hardware verfügbar sein, um die Einsatzbereitschaft sicherzustellen.
Nachbeschaffung der Bergepanzer 3 A2
In einem separaten Vorgang ersetzt die Bundeswehr 23 gepanzerte Unterstützungsfahrzeuge. Wie das CPM Defence Network berichtet, handelt es sich um eine modernisierte Version des bewährten Systems, die intern als Bergepanzer 3 A2 geführt wird.

Diese Bestellung ist eine direkte Reaktion auf die militärische Unterstützung der Ukraine.
| Modell | Anzahl abgegebener Fahrzeuge |
|---|---|
| Bergepanzer 2 (BPz 2) | 21 |
| Bergepanzer 3 (BPz 3) | 2 |
Rheinmetall hat die Produktion dieser Fahrzeuge vorfinanziert, um eine extrem kurze Lieferzeit zu ermöglichen. Das erste Fahrzeug soll bereits im Dezember 2027 ausgeliefert werden – nur 18 Monate nach Vertragsschluss. Die vollständige Lieferung der Flotte ist für Juni 2029 geplant.
Analytisch betrachtet ist der Griff zum BPz 3 A2 eine konservative, aber risikoarme Entscheidung. Es wird keine neue Fähigkeit entwickelt, sondern die Einsatzbereitschaft auf Basis eines marktverfügbaren Systems gesichert. Dennoch bietet die Konfiguration laut Hersteller Potenzial für künftige Weiterentwicklungen über die kommenden Jahrzehnte.
Marktreaktion und finanzielle Implikationen
Die Nachricht über den Auftrag für die Bergepanzer löste unmittelbare Bewegungen an den Finanzmärkten aus. Laut Finanzen.net stieg die Rheinmetall-Aktie zeitweise auf 1.195,00 Euro. Auch Branchenkollegen wie RENK (plus 1,22 Prozent) und HENSOLDT (plus 0,78 Prozent) verzeichneten Kursgewinne.

Für Investoren ist die Nachricht ein Signal, dass die staatliche Nachfrage trotz kurzfristiger Marktschwankungen ungebrochen bleibt. Es gibt jedoch gegensätzliche Einschätzungen zur langfristigen Bewertung der Papiere.
Während ein Marktconsensus ein Kurspotenzial von 55 Prozent sieht und zum Kauf rät, zeigt sich BÖRSE ONLINE skeptischer. Die Publikation rät seit längerem nicht zum Kauf, da die Aktie einen monatelangen Abwärtstrend aufweist. Entscheidend sei nun, ob die Aktie die Trendlinie bei 1.240 Euro nachhaltig durchbrechen kann.
Das Auftragsvolumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich für die Bergepanzer ist für einen Konzern der Größe von Rheinmetall zwar kein fundamentaler Gamechanger, unterstreicht aber die Rolle des Unternehmens als primärer Ausrüster der Bundeswehr in der aktuellen Phase der Wiederaufstockung.
Strategische Einordnung der Beschaffungszyklen
Die Kombination aus der Munitionsbestellung für das NEMO-System und der Nachbeschaffung der „Büffel“-Bergepanzer zeigt die aktuelle Zwickmühle der deutschen Verteidigungsplanung. Einerseits muss die Bundeswehr die durch die Ukraine-Hilfen entstandenen Lücken schließen, andererseits muss sie gleichzeitig die nächste Generation von Waffensystemen einführen.

Besonders auffällig ist die zeitliche Clusterung der Auslieferungen. Sowohl die ersten Bergepanzer als auch die ersten Mörser-Munitionspartien sind für Ende 2027 terminiert. Dies deutet darauf hin, dass 2027 ein kritisches Jahr für die operative Aufwertung der mechanisierten Kräfte wird.
Die Abhängigkeit von internationalen Partnern bleibt bestehen. Mit Nammo (Finnland) und Patria (Finnland) setzt die Bundeswehr auf bewährte nordische Technologie, um die Lücken im indirekten Feuer zu schließen. Die Integration dieser Systeme in die bestehende Struktur der Bundeswehr wird die nächste große Herausforderung in den Jahren 2028 und 2029 sein.
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