41 Prozent der Schweizer ziehen laut einer aktuellen Umfrage den Kauf eines gebrauchten Elektroautos in Betracht. Um die weitverbreiteten Sorgen über den Zustand der Batterien zu lindern, fördert das Bundesamt für Energie (BFE) ein Projekt des Autogewerbeverbands AGVS mit 120.000 Franken für standardisierte Batteriezustands-Checks.
Der Schweizer Automobilmarkt befindet sich in einem paradoxen Zustand: Während der Neuwagenmarkt stagniert, wächst das Interesse an elektrischen Occasionen. Ein wesentlicher Treiber ist der aktuelle Benzinpreis-Schock, der durch den Iran-Krieg ausgelöst wurde und Elektroautos finanziell attraktiver macht, wie Blick berichtet. Dennoch bleibt eine psychologische Hürde bestehen, die den Markt für gebrauchte Stromer ausbremst.
Die Batterie-Angst: 27 Prozent zögern beim Kauf
Die größte Barriere für den Einstieg in die Elektromobilität über den Gebrauchtmarkt ist die Ungewissheit über die Restkapazität des Akkus. Eine Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern im Auftrag von Auto-i-DAT zeigt, dass 27 Prozent der Befragten den Zustand der Batterie als Hauptgrund nennen, auf einen Kauf zu verzichten.
Das Misstrauen ist besonders stark bei Personen, die kaum oder gar keine Erfahrung mit Elektrofahrzeugen haben. Mehr als die Hälfte der Befragten saß noch nie am Steuer eines Stromers, während weitere 15 Prozent dies nur einmal taten. Jüngere Käufer zeigen sich hingegen deutlich aufgeschlossener gegenüber gebrauchten E-Autos.
Neben der Batterie-Sorge werden die Verfügbarkeit von Ladestationen und die Reichweite als kritische Faktoren genannt. Die Kaufbereitschaft steigt jedoch signifikant an, sobald Händler den Zustand des Akkus garantieren können.
Preissturz bei E-Occasionen: 30 Prozent Wertverlust in drei Jahren
Photo: streetlife.ch
Die Skepsis der Kunden und ein steigendes Angebot drücken die Preise für gebrauchte Elektroautos massiv. Laut Daten von Auto-i-dat, die etwa ein Drittel aller Occasionsverkäufe in der Schweiz erfassen, sank der Preis für ein durchschnittliches gebrauchtes Elektroauto innerhalb von drei Jahren von über 25.000 Franken auf gut 17.000 Franken.
Dieser Preisrückgang von rund 30 Prozent belastet insbesondere die Händler. In der Garage Küng im Aargau kostet ein erst vier Jahre altes E-Auto-Modell nur noch etwa ein Drittel seines ursprünglichen Neupreises, was laut SRF zu Verlusten bei den Garagisten führt.
Mehrere Faktoren treiben diesen Trend:
Zunehmendes Angebot durch auslaufende Leasingverträge.
Sinkende Preise bei E-Neuwagen und eine steigende Anzahl konkurrierender Modelle.
Für Schnäppchenjäger ergibt sich daraus eine günstige Gelegenheit, da die Betriebskosten niedrig bleiben und die Anschaffungspreise derzeit auf einem Tiefpunkt liegen.
Staatliche Intervention: Das 120.000-Franken-Projekt des BFE
Photo: Automobil Revue
Um das Vertrauen in den Gebrauchtmarkt zu stärken, greift der Bund ein. Das Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt ein Projekt des Autogewerbeverbands AGVS mit einer Förderung von 120.000 Franken. Ziel ist die Etablierung von sogenannten Gesundheits-Checks für E-Autobatterien.
Die Förderung entschädigt Garagisten dafür, dass sie die Ergebnisse dieser Batterie-Checks in einer zentralen Datenbank erfassen und Kunden aktiv über den Prozess aufklären. Ein solcher Check ist schnell durchgeführt und kostet die Kunden etwas über 100 Franken.
Ein praktisches Beispiel aus der Garage Küng verdeutlicht den Nutzen: Ein Fahrzeug in ihrem Angebot weist noch 92 Prozent der ursprünglichen Batterieleistung auf. Dadurch erreicht der Wagen bei einer Vollladung immer noch 439 Kilometer, statt der ursprünglichen 477 Kilometer.
Marktanalyse: Stagnation bei Neuwagen, Aufstieg der Steckerfahrzeuge
Während der Occasionsmarkt mit Batterie-Sorgen kämpft, zeigt der Neuwagenmarkt ein gespaltenes Bild. Die Gesamtzahlen stagnieren auf mäßigem Niveau. Im Mai 2026 wurden 19.741 Neuwagen zugelassen, was einem Rückgang von gut 200 Fahrzeugen gegenüber dem Vorjahr entspricht. Insgesamt gab es in den ersten fünf Monaten 2026 rund 91.341 Neuzulassungen.
Einzig das Segment der elektrifizierten Fahrzeuge zeigt eine positive Dynamik. Laut der Automobil Revue machten Steckerfahrzeuge (BEV und PHEV) seit Anfang des Jahres 35,4 Prozent der Neuzulassungen aus.
Antriebstyp (Mai 2026)
Marktanteil
Trend / Entwicklung
Vollstromer (BEV)
26 Prozent
+15,5 % zum Vorjahr
Plug-in-Hybride (PHEV)
11,6 Prozent
+20,1 % zum Vorjahr
Fossile Antriebe (Benzin/Diesel)
27,6 Prozent
Weiterer Rückgang
Besonders auffällig ist der Aufstieg chinesischer Hersteller. BYD hat seinen Marktanteil im Mai auf 2,9 Prozent gesteigert und liegt damit vor Kia. Im Gesamtjahr 2026 verzeichnet BYD mit 1.929 Autos ein Plus von knapp 1.288 Prozent gegenüber 2025. Im Gegensatz dazu verzeichnen etablierte Marken wie Tesla (minus 15,5 Prozent) oder Nissan (minus 67,5 Prozent) deutliche Einbußen.
Trotz dieser Zuwächse warnt die Importeursvereinigung Auto-Schweiz, dass die politische Zielsetzung eines schnellen Markthochlaufs weit außer Reichweite liege. Die Diskrepanz zwischen politischen Zielen und der Marktrealität bleibe groß.
Der Kipppunkt der Elektrowende
Die Daten legen nahe, dass die Schweiz einen Wendepunkt erreicht hat. Erstmals werden weniger als ein Drittel der Neuwagen rein fossil angetrieben. Laut Analysen von Streetlife nimmt die Zurückhaltung gegenüber Steckerfahrzeugen deutlich ab.
Die Kombination aus sinkenden Preisen im Occasionsmarkt, staatlich geförderten Batterie-Checks und externen Schocks bei den Benzinpreisen könnte die Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunigen. Sollten die Batterie-Checks die gewünschte Vertrauensbasis schaffen, könnten die preiswerten E-Occasionen zum entscheidenden Katalysator werden, um das Ziel der Elektromobilität deutlich vor dem Jahr 2035 zu erreichen.
David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.
Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.