In der Schweiz greifen immer mehr Menschen zu Nikotinbeuteln, während in der Bundespolitik Argumente der Tabakindustrie übernommen werden. Im Jahr 2016 wurden in der Schweiz noch 80 Tonnen Snus und ähnliche Produkte verkauft und versteuert, wie das Portal Srf berichtet. Bis zum Jahr 2024 kletterte dieser Wert auf 455 Tonnen, und Bundesprognosen gehen von einer Fortsetzung des Trends aus.
Unter dem Begriff Snus greifen vor allem junge Männer zu den weissen Beuteln unter der Lippe. Ein in Bern befragter Passant beschreibt den Konsum laut Srf so: Im Ausgang oder wenn ich bei der Arbeit gestresst bin, snuse ich, um mich zu berühigen.
Ein anderer Passant bezeichnet das Produkt als vielleicht ein bisschen gesünder als Zigaretten
, räumt jedoch das hohe Abhängigkeitspotenzial ein.
Die Tabakindustrie vertreibt die Nikotinbeutel als weniger schädliche Alternative zum Rauchen. Diese Argumentation spiegelt sich in parlamentarischen Vorstössen in Bundesbern wider. Mehrere Politiker nennen Schweden als Vorbild.

Die Vorstösse plädieren für möglichst geringe Regulierung. Mitte-Präsident Philipp Matthias Bregy hat zwei dieser Initiativen verfasst und erklärt gegenüber Srf, dass er sich von der Tabaklobby distanziere, es ihm aber um die Prüfung des schwedischen Modells gehe:
Es ist wünschenswert, dass die Zahl der Produkte, die Rauch verursachen, reduziert werden.
Philipp Matthias Bregy, Mitte-Präsident
Schweizer Tabakpräventionsorganisationen widersprechen dieser Darstellung. Markus Meury, Mediensprecher der Initiative «Transparency and Truth», wirft der Industrie vor, Falschinformationen zu verbreiten. Neue schwedische Forschung zeige, dass nur wenige Menschen vom Rauchen auf Snus wechseln.
Vielmehr steigen laut Meury vor allem Jugendliche neu in den Konsum ein, was zu einer Ausweitung des Konsums führt, wie Srf berichtet. Auch die schwedische Gesundheitsbehörde hält in einem Bericht an die Regierung fest, dass sich nicht belegen lasse, ob Raucher wegen des Snuskonsums weniger rauchen.

Philip Morris nimmt für die Tabakindustrie Stellung und verweist darauf, dass Schweden innerhalb der EU die niedrigste Raucherquote sowie die geringste Rate raucherbedingter Erkrankungen wie Lungenkrebs unter Männern aufweist, so Srf.
Zu den politischen Massnahmen sagt Philipp Matthias Bregy laut Srf:
Es gibt Erwachsene, die können und wollen nicht von Tabakprodukten wegkommen. Bei Jugendlichen ist das anders. Da ist klar: Es braucht eine konsequente Politik. Insbesondere braucht es im Onlinebereich Identifikationsverfahren, die es Jugendlichen verunmöglichen, Tabakprodukte zu bestellen.
Philipp Matthias Bregy, Mitte-Präsident
Nur so könne verhindert werden, dass junge Menschen einen einfachen Zugang zu diesen Produkten finden und eine lebenslange Abhängigkeit von Tabakprodukten entwickeln.