Unter rund 9600 öffentlich zugänglichen Zahlungen des Bundes über 50’000 Franken hält das Schweizer Literaturarchiv im Jahr 2026 genau einen einzigen Auftrag konsequent unter Verschluss. Kulturbeamte von SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider begründen die Geheimhaltung mit dem Schutz der Privatsphäre und der Vermeidung preistreibender Effekte bei Archiven.
Der Bund veröffentlicht jährlich fast 10’000 Aufträge, die ein Volumen von mehr als 50’000 Franken umfassen. Die Transparenzliste legt detailliert offen, wofür der Staat Geld ausgibt.
Der Zweck hinter dieser umfassenden Transparenzliste ist die demokratische Kontrolle. Jede Person soll überprüfen können, wo unnötige Ausgaben oder Überzahlungen entstehen. Nur in äussersten Ausnahmen bleibt etwas verborgen. So nennt das Aussendepartement zwar die Kosten für die Bewachung der Botschaft in Kabul, verbirgt jedoch den Namen der Sicherheitsfirma, um Menschenleben nicht zu gefährden.
Das Schweizer Literaturarchiv versteckt Zahlungen an Autoren
Unter den rund 9600 erfassten Transaktionen gibt es exakt eine Beschaffung ohne jegliche öffentliche Angaben. Hinter diesem geheimsten Auftrag des Bundes stehen die Kulturbeamten der SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider, genauer gesagt das Schweizer Literaturarchiv. Als Teil der Nationalbibliothek sammelt das Archiv die Vor- und Nachlässe von Schweizer Autorinnen und Autoren.
Nach Informationen von Blick handelt es sich bei dieser geheimen Zahlung mit grösster Wahrscheinlichkeit um Geld, das ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin für die Übernahme des eigenen Archivs erhalten hat. In früheren Jahren hatte der Bund solche Beträge noch offengelegt. Damals wurde durch Berichterstattung öffentlich, dass Starautor Lukas Bärfuss 350’000 Franken für sein Archiv erhielt, während die Bündner Schriftstellerin Leta Semadeni im Jahr zuvor 60’000 Franken bekam.