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Unternehmen

Schweizer Hauskäufer geprellt – Immo-Hai geschäftet weiter

Über 130 geschädigte Kunden fordern mehr als 16 Millionen Euro von der Arras Group zurück, nachdem versprochene Ferienhäuser am Mittelmeer nie fertiggestellt wurden. Während ein Mailänder Gericht Ende 2025 die Liquidation der Firma einleitete, gründete der ehemalige CEO Enrico Arras bereits ein neues Immobilienunternehmen namens SHN Miami Inc. in Florida.

Der Fall der Arras Group ist ein Lehrstück über die Verwundbarkeit von Immobilieninvestoren bei grenzüberschreitenden Projekten. Jahrelang verkaufte die italienische Gruppe die Vision von luxuriösen Zweitwohnsitzen im Mittelmeerraum, doch für viele Käufer blieb dieser Traum eine kostspielige Illusion. Die Betroffenen, darunter zahlreiche Schweizer Staatsbürger, stehen nun vor einem Scherbenhaufen aus nicht existierenden Gebäuden und verlorenem Kapital.

Millionenverluste und leere Versprechen der Arras Group

Die Dimensionen des Betrugs sind erheblich. Laut einem Bericht von Blick fordern über 130 mutmaßliche Geschädigte weltweit die Rückzahlung ihrer Anzahlungen, die sich in der Summe auf über 16 Millionen Euro belaufen. Die Opferliste reicht von Privatpersonen bis hin zu prominenten Geschäftsleuten, wie etwa Jean-Christophe Babin, dem CEO der Luxusmarke Bulgari.

Millionenverluste und leere Versprechen der Arras Group
Arras Group

Besonders deutlich wird die Härte des Verlusts am Beispiel einer Familie aus dem Kanton Zürich. Diese leistete eine Anzahlung von 78.000 Euro für ein Objekt auf Sardinien, das bis heute nicht existiert. Der Modus Operandi war klassisch: Attraktive Angebote für Ferienimmobilien, hohe Anzahlungen und das Ausbleiben jeglicher Baufortschritte.

Die langsame Justiz in Mailand und die Liquidation

Obwohl die Arras Group ihren Hauptsitz in Mailand hatte und dort bereits zahlreiche Strafanzeigen eingereicht wurden, vollzieht sich die juristische Aufarbeitung in einem Tempo, das die Opfer verzweifeln lässt. Erst Ende 2025 leitete das Gericht in Mailand die Liquidation der Immobilienfirma ein. Ein zivilrechtliches Verfahren zur Vermögensauflösung ist jedoch weit entfernt von einer strafrechtlichen Verurteilung.

Die langsame Justiz in Mailand und die Liquidation
cluster (priority): hausinfo.ch

Der Strafprozess gegen die Gruppe und ihre Verantwortlichen kommt nur langsam in Gang; ein konkretes Datum für eine Anhörung steht bislang nicht fest. Diese Verzögerung schafft ein gefährliches Vakuum, in dem Verantwortliche ihre Aktivitäten einfach in andere Rechtsräume verlagern können.

Stefano C., Betroffener aus dem Kanton Zürich, via Blick

Der Neustart in Florida: SHN Miami Inc.

Während die Gläubiger in Europa auf ihre Gelder warten, hat der 44-jährige ehemalige CEO Enrico Arras bereits den nächsten Schritt geplant. Recherchen zeigen, dass er in den USA unter dem Namen SHN Miami Inc. eine neue Firma im Bundesstaat Florida registriert hat. Das Kürzel SHN steht dabei für Second Home Now – ein Name, der fast schon provokant an das ursprüngliche Geschäftsmodell der Arras Group erinnert.

Der Neustart in Florida: SHN Miami Inc.
cluster (priority): schweizerrsg.com

Die neue Firma ist offiziell für die Immobilienentwicklung eingetragen. Auf eine Anfrage zu seinen neuen Aktivitäten reagierte Arras ausweichend.

Das Unternehmen befindet sich derzeit in der Aufbauphase und hat noch keine Geschäftstätigkeit aufgenommen.

Enrico Arras, Mitgründer von SHN Miami Inc., via Blick

Diese strategische Verlagerung nach Miami unterstreicht ein systemisches Problem: Die internationale Kooperation der Strafverfolgungsbehörden hinkt der Geschwindigkeit von Kapital- und Unternehmensverschiebungen hinterher. Arras nutzt die Zeitspanne zwischen der Liquidation in Italien und einem möglichen Urteil, um sich in einem neuen Markt zu positionieren.

Systemische Risiken beim Immobilienkauf

Der Fall Arras verdeutlicht die massiven rechtlichen Fallen, in die Käufer tappen können, wenn sie sich auf die Professionalität von Maklern oder die Neutralität von Notaren verlassen. Oft sind Kaufverträge stark im Sinne der Verkäufer formuliert, was insbesondere bei Projekten im Ausland zu einem totalen Verlust des Kapitals führen kann, wenn keine ausreichenden Garantien oder Treuhandkonten vereinbart wurden.

Systemische Risiken beim Immobilienkauf
cluster (priority): news.google.com

Analysten sehen hier ein Muster: Die Kombination aus der Gier nach Rendite bei Ferienimmobilien und der mangelnden Prüfung der tatsächlichen Baufortschritte macht Investoren zur idealen Zielgruppe für „Immo-Haie“.

Die nächsten 30 bis 90 Tage werden entscheidend sein, ob die Mailänder Staatsanwaltschaft die Ermittlungen beschleunigt oder ob Enrico Arras seine neue Basis in Florida erfolgreich etablieren kann, bevor internationale Haftbefehle oder Vermögensarrests greifen. Für die über 130 Geschädigten bleibt die Hoffnung auf die Liquidation, doch in der Praxis bedeutet dies oft nur die Rückzahlung eines Bruchteils der ursprünglichen Summen.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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