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Technik und Wissenschaft

Schweiz will Papst Leo XIV. als Ehrengast für KI-Gipfel 2027 gewinnen

Die Schweiz will Papst Leo XIV. als Ehrengast für den internationalen KI-Gipfel am 21. und 22. Juni 2027 in Genf gewinnen. Das Aussendepartement und Bundesrat Albert Rösti bemühen sich intensiv um den aus den USA stammenden Pontifex als Stargast. Künstliche Intelligenz gilt als das Schlüsselthema der Gegenwart, was den Einsatz der Schweizer Diplomatie zusätzlich antreibt.

Die diplomatischen Bemühungen der Schweiz und die Kontakte zum Vatikan

Im Hintergrund läuft die Schweizer Diplomatie auf Hochtouren, um das Staatsoberhaupt des Vatikans für das Genfer Treffen zu gewinnen. Bevor eine offizielle Einladung ausgesprochen wird, sondieren Diplomaten das Terrain. Erste Gespräche fanden bereits mit dem päpstlichen Nuntius in Bern, Erzbischof Martin Krebs, sowie mit dem ständigen Beobachter des Vatikans bei der UNO in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero, statt. Zudem deponierte die Schweizer Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Manuela Leimgruber, den Wunsch nach einem Papst-Besuch beim vatikanischen Staatssekretariat.

Ein wichtiger Trumpf in den Verhandlungen ist Fabiola Gianotti. Die italienische Physikerin und ehemalige CERN-Direktorin fungiert als offizielle Delegierte des Bundes für den KI-Gipfel und ist zugleich Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Ob der Pontifex die Einladung annimmt, ist indes völlig offen. Der Bischof von Rom trägt die Verantwortung für die Weltkirche und blickt auf zahlreiche internationale Konflikte; allein mehr als 130 Kriege und Konflikte weltweit bereiten ihm Kopfzerbrechen. Im November steht zudem erst einmal eine Reise nach Argentinien in die Heimat seines Vorgängers Franziskus an, hinzukommen Uruguay und Leos zweite Heimat Peru. Dort war der Amerikaner Bischof, bevor ihn Papst Franziskus nach Rom holte. Zuletzt war im Jahr 2018 ein Papst in der Schweiz, als Franziskus die Calvin-Stadt und das ökumenische Genf besuchte und abends mit Zehntausenden Gläubigen eine Messe im Palexpo feierte.

Schweiz will Papst Leo XIV. als Ehrengast für KI-Gipfel 2027 gewinnen
Foto: bluewin.ch

Warum die Enzyklika über künstliche Intelligenz den Papst zur moralischen Instanz macht

Die mögliche Anwesenheit des Papstes hat einen tiefen inhaltlichen Hintergrund. Um künstliche Intelligenz ging es bereits im ersten Lehrschreiben von Leo XIV. (71) aus dem Mai 2026. Das Dokument trug den Titel Magnifica humanitas (Grossartige Menschheit). Der Untertitel bringt die Mission des Papstes auf den Punkt: Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

In dem Dokument kritisiert der Papst die enorme Macht der Tech-Branchengiganten und nimmt die Unternehmen in die Pflicht. Die Technologien dürften nicht in den Händen weniger konzentriert werden, da KI laut dem Pontifex das Risiko birgt, die Objektivität zu verlieren und die Eigenschaften derer anzunehmen, die sie entwickeln.

Sie nimmt die Züge derer an, die sie konzipieren, finanzieren und nutzen.

Papst Leo XIV., Magnifica humanitas

Mit der Enzyklika hat sich der Papst zur moralischen Instanz in der KI-Debatte gemacht, was der Hauptgrund dafür ist, dass die Eidgenossenschaft ihn in die Schweiz holen möchte.

Schweiz will Papst Leo XIV. als Ehrengast für KI-Gipfel 2027 gewinnen
Foto: 20min.ch

Politische Forderungen und strategische Ausrichtung für das Treffen in Genf

Nationalrätinnen und Nationalräte forderten mit einem Vorstoss und mehr Ambitionen für den KI-Gipfel 2027 vom Bundesrat, die globalen Risiken stärker ins Zentrum zu stellen. Fünf Nationalrätinnen und Nationalräte machten deutlich, dass es sich dabei nicht einfach um einen Nebenschauplatz handelt. Aus einer Medienmitteilung ging hervor, dass Vertreter aus allen sechs Fraktionen mehr Ressourcen und explizite Zielvorgaben für überprüfbare Ergebnisse forderten, da die Rolle der guten Gastgeberin nicht ausreicht. Nationalrat Gerhard Andrey warnte davor, dass die Fähigkeiten von KI-Systemen rasant wachsen, während die Kontrollinstrumente hinterherhinken und extreme Risiken besonders dringlich sind.

Der Bundesrat hatte zuvor seine strategische Ausrichtung festgelegt. Im Zentrum stehen laut Regierung die Nutzung von KI als Treiber für Innovation sowie die Voraussetzungen für eine vertrauenswürdige Entwicklung. Bundesrat Albert Rösti (59, SVP) will die Schweiz als Forschungs- und Innovationsstandort präsentieren, wobei eine Regulierung minimal sein soll, um Innovationen nicht zu behindern. Das Gipfeltreffen findet am 21. und 22. Juni 2027 in Genf statt, womit die Stadt zum geistigen Zentrum der globalen Tech-Politik wird. Die Schweiz lädt als fünftes Gastland vor allem für KI zuständige Minister anstelle von Staats- und Regierungschefs ein, erwartet aber auch Staats- und Regierungschefs als Gastgeber bisheriger Gipfel aus Grossbritannien, Südkorea, Frankreich und Indien.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.