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Gesundheit

SCAD: Unsichtbarer Riss verursacht Herzinfarkte bei Frauen unter 50

Die spontane Koronardissektion (SCAD) verursacht etwa ein Drittel aller Herzinfarkte bei Frauen unter 50 Jahren, wie die Deutsche Herzstiftung berichtet. Im Gegensatz zur klassischen Arteriosklerose entsteht hier ein plötzlicher Riss in der Gefäßwand, der den Blutfluss blockiert. Diese Erkrankung trifft häufig gesund lebende Frauen ohne bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren.

Ein Herzinfarkt wird in der öffentlichen Wahrnehmung meist mit einem Lebensstil assoziiert, der durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel oder chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck geprägt ist. Doch es gibt eine medizinische Realität, die dieses Bild durchbricht: Die spontane Koronardissektion, kurz SCAD. Hier ist nicht die schleichende Ablagerung von Kalk und Fetten die Ursache, sondern ein akutes mechanisches Ereignis in den Herzkranzgefäßen.

Mechanik des Risses: SCAD im Vergleich zur Arteriosklerose

Während der klassische Herzinfarkt meist durch atherosklerotische Plaques ausgelöst wird, die aufbrechen und ein Blutgerinnsel bilden, folgt die SCAD einem anderen Pfad. Bei dieser seltenen Form spalten sich einzelne Wandschichten eines Herzkranzgefäßes plötzlich auf oder ein kleines Gefäß innerhalb der Blutgefäßwand platzt [5].

Die Folge ist eine Blutung, die zur Ausbildung eines Hämatoms innerhalb der Gefäßwand führt [3]. Dieses Bluterguss-Phänomen verengt das Gefäß von innen. Wenn die Blockade vollständig ist, wird das Herz nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Blut versorgt, was unmittelbar zu einem Herzinfarkt oder im schlimmsten Fall zu einem plötzlichen Herztod führen kann [3, 5].

Die medizinische Herausforderung liegt in der Natur dieses Ereignisses. Da keine klassischen Risikofaktoren vorliegen müssen, ist der Infarkt oft völlig unerwartet. Die Deutsche Herzstiftung beschreibt diesen Vorgang als plötzlichen Riss in der Wand eines Herzkranzgefäßes [5].

Das Paradoxon der gesunden Patientin

Die demografische Verteilung der SCAD ist auffällig. Betroffen sind vor allem jüngere bis mittelalte Frauen, die oft ein geringes kardiovaskuläres Risiko aufweisen [3, 5]. Dass gut ein Drittel aller Herzinfarkte bei Frauen unter 50 Jahren auf eine SCAD zurückzuführen ist, unterstreicht die Notwendigkeit, die Symptome unabhängig von der Patientenbiografie ernst zu nehmen [5].

Ein Fallbeispiel verdeutlicht die Tücke dieser Erkrankung: Eine Frau Anfang 60, die sich sportlich betreibt, vegetarisch ernährt und bislang keinerlei Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufwies, erlitt plötzlich starke Schmerzen tief in der Brust [3]. Trotz ihrer gesundheitlichen Ausgangslage war die linke Koronararterie über eine Länge von etwa 4 cm verschlossen [3].

Diese Diskrepanz zwischen dem allgemeinen Gesundheitszustand und dem akuten Ereignis führt in der Praxis oft zu einer gefährlichen Verzögerung. Patienten und medizinisches Personal suchen primär nach den typischen Auslösern eines Infarkts und übersehen dabei die strukturelle Gefäßschädigung.

Diagnostische Hürden und klinische Folgen

Die SCAD wird aufgrund ihrer ungewöhnlichen Symptomatik oft zu spät behandelt, was langfristige Folgen für den Herzmuskel nach sich zieht [1]. Ulf Landmesser, Kardiologe an der Charité, betont in diesem Zusammenhang die Gefahren und die Notwendigkeit einer präzisen Einordnung der Ursachen [1].

What to know about SCAD, a leading cause of heart attacks for young women

Da die Erkrankung oft ohne Vorwarnung auftritt, ist die Zeitspanne bis zur Intervention entscheidend. In der Akutsituation ist die Alarmierung des Rettungsdienstes über die Notrufnummer 112 der einzige Weg, um die Überlebenschancen zu erhöhen und schwerwiegende Folgeschäden zu minimieren [5].

Die Diagnose kann komplex sein, da die SCAD bereits 1931 erstmals bei einer Autopsie entdeckt wurde, aber bis heute nicht vollständig geklärt ist, warum sie überwiegend bei Frauen auftritt [3]. Die Tatsache, dass die Erkrankung oft übersehen wird, macht sie zu einem unsichtbaren Riss am Herzen [1].

Therapeutische Ansätze und Notfallmanagement

Die Behandlung einer SCAD unterscheidet sich in der Herangehensweise von der eines klassischen Infarkts. Während bei atherosklerotischen Verschlüssen oft Medikamente zur Blutverdünnung im Vordergrund stehen, kann bei einer SCAD eine mechanische Intervention notwendig sein. Im oben genannten Fall einer Patientin wurden zwei Stents hintereinander implantiert, um die verschlossene Arterie wieder zu öffnen [3].

Die Geschwindigkeit der Behandlung ist hierbei der kritische Faktor. Je schneller die Blockade im Gefäß aufgelöst wird, desto geringer ist das Risiko für dauerhafte Schäden am Herzmuskel [5]. Dennoch bleibt die SCAD eine Herausforderung für die Kardiologie, da die individuelle Reaktion auf Stents oder medikamentöse Therapien bei einer Dissektion variieren kann.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die SCAD ein Beweis dafür ist, dass ein gesunder Lebensstil zwar das Risiko für Arteriosklerose senkt, aber nicht vor spontanen Gefäßrissen schützt. Die medizinische Aufmerksamkeit muss sich daher verstärkt auf die Erkennung dieser spezifischen Form des Herzinfarkts bei jungen, ansonsten gesunden Frauen richten, um die Quote der Fehldiagnosen zu senken.

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt oder bei Brustschmerzen wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren Arzt oder rufen Sie den Notruf 112.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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