Zum Inhalt springen
Welt

Saudi-Arabien startet Offensive im Jemen nach Huthi-Angriffen

Saudi-Arabien sieht sich tiefer in den Konflikt in der Region hineingezogen, da Drohnen- und Raketenangriffe der Huthi auf Großstädte und Infrastruktur abzielen, was eine militärische Rückkehr in den Jemen auslöst. Die Eskalation stört inländische Projekte und belastet Sicherheitsbündnisse.

Militärische Eskalation im Jemen und Angriffe auf saudi-arabische Städte

Saudi-Arabien ist zu einer vollwertigen militärischen Intervention im Jemen zurückgekehrt. Die international anerkannte jemenitische Regierung startete mit saudi-arabischer Unterstützung eine Offensive, um Territorium zurückzugewinnen, das von den Hutis eingenommen worden war (wie der Arab Center Washington DC berichtete). Die Kämpfe konzentrieren sich auf die Region um die Straße von Bab al-Mandab und die Westküstenregionen. Im September übernahm die Huthi-Miliz die Küstenstadt Mokha und brachte die strategisch wichtige Bab-al-Mandab-Straße unter ihre Kontrolle, woraufhin die international anerkannte jemenitische Regierung mit saudi-arabischer Unterstützung eine Gegenoffensive startete.

Als Reaktion auf die Luftangriffe reagierten die Hutis mit massiven Drohnen- und Raketenangriffen. Getroffen wurden unter anderem Flughäfen im Königreich, wobei nach Behördenangaben drei Menschen getötet wurden (berichtet von Algemeiner). Die Angriffe haben den zivilen Flugverkehr schwer beeinträchtigt, Hunderte Flüge wurden gestrichen und Schulen sowie die Expo 2030 Baustelle nahe dem Flughafen evakuiert (so Semafor zur Sicherheitslage in der Hauptstadt). Saudi-arabischen Behörden zufolge kamen bei den Angriffen auf mehrere Flughäfen im Königreich mindestens drei Menschen ums Leben, darunter ein saudi-arabischer Pilot.

Die Rebellen erklärten daraufhin den Waffenstillstand für beendet und verhängten eine Seeblockade gegen saudi-arabische Schiffe. In den folgenden Wochen zielten Angriffe auf kritische Infrastruktur ab, darunter auch Einrichtungen von Aramco im Süden des Landes, während das Königreich seinerseits Ziele in jemenitischen Gebieten unter Kontrolle der Hutis bombardierte.

Das Scheitern der Sicherheits-Auslagerung und neue Bündnissuche

Die Angriffe offenbaren die Grenzen einer jahrzehntelangen saudi-arabischen Strategie. Kronprinz Mohammed bin Salman hatte seine nationale Sicherheit traditionell an externe Partner wie die Vereinigten Staaten und Pakistan ausgelagert (analysierte Firstpost). Professor Alvite Ningthoujam erklärte hierzu, dass die Saudis jahrzehntelang fundamentale Fehler in ihrer Sicherheitspolitik begangen hätten, indem sie glaubten, Sicherheit kaufen zu können und sich einseitig auf die Vereinigten Staaten verließen. US-Präsident Donald Trump lehnte direkte Bitten um Intervention ab, während Pakistan nicht einmal die Angriffe verurteilte, obwohl die Hutis Mekka, die heiligste Stadt des Islam, attackierten.

Saudi-Arabien startet Offensive im Jemen nach Huthi-Angriffen
Foto: Firstpost

Michael Ratney sagte gegenüber CNN, sie brauchten den Konflikt lediglich so weit wie möglich von sich fernzuhalten, ohne dass die Hutis ihre Transformationspläne durchkreuzten.

Die historischen Verbindungen des Königreichs zu Pakistan reichen bis in die 1960er Jahre zurück; so kämpfte Pakistan im saudi-jemenitischen Krieg von 1969, unterzeichnete 1982 ein Protokoll über die Stationierung von Streitkräften und stationierte in den Folgejahren bis zu 20 000 Soldaten im Königreich. Im Jahr 2025 formalisierten Saudi-Arabien und Pakistan ihre Allianz durch ein gemeinsames Verteidigungsabkommen, welches im laufenden Jahr im Rahmen des Mekka-Abkommens erweitert wurde, an dem auch die Türkei beteiligt ist. Unter anderem trafen sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman und der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif im August in Mekka zur Unterzeichnung eines gemeinsamen Verteidigungsabkommens.

❗️ Saudi-Arabien STARTET eine GROSSOFFENSIVE gegen die Huthi im Jemen! – Pechiy

Nachdem die traditionellen Schutzmächte ausblieben, wandte sich der saudi-arabische Kronprinz an andere europäische Staaten wie Frankreich und das Vereinigte Königreich. Der jemenitische Konflikt ist laut Beobachtern eng mit dem Konflikt der USA gegen den Iran verknüpft, da Teheran starke Anreize hat, die Hutis zu unterstützen, um Saudi-Arabien zu stören. Um die eigene Handlungsfähigkeit zu wahren, setzt Riad zudem auf moderne Luftverteidigungssysteme; so kündigte die US-Verteidigungsagentur für Rüstungskooperation Anfang 2026 den möglichen Verkauf von bis zu 730 PAC-3 MSE-Raketen an das Königreich an. Zudem kündigte die britische Regierung im September an, ein Tankflugzeug vom Typ RAF Voyager zur Unterstützung der saudi-arabischen Luftwaffeneinsätze bereitzustellen. Der saudi-arabische Geheimdienstchef Turki bin Faisal Al Saud betonte gegenüber Medien, dass auch Europa Verantwortung für die Sicherheit der Region übernehmen müsse, da es von deren Ressourcen und Stabilität wirtschaftlich profitiert.

Wirtschaftliche Folgen und Einschnitte in die Vision 2030

Die Eskalation trifft das Königreich zu einer Zeit, in der es seine Wirtschaft durch ehrgeizige Transformationspläne diversifizieren wollte. Die anhaltenden Angriffe auf Ölinfrastruktur und die Seehandelswege im Roten Meer belasten die Märkte spürbar. Offiziellen Wirtschaftsdaten zufolge verzeichnete das Königreich im zweiten Quartal eine Kontraktion der „Ölaktivitäten, was zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um fast fünf Prozent im Vergleich zum ersten Quartal führte.

Saudi-Arabien startet Offensive im Jemen nach Huthi-Angriffen
Foto: Defence24.com

Die finanziellen Belastungen und Sicherheitsrisiken erzwingen spürbare Anpassungen der von Kronprinz Mohammed bin Salman initiierten Vision 2030. Prestigeträchtige Großprojekte wie die futuristische Planstadt Neom, darunter ein Stadion für die Weltmeisterschaft 2034, mussten stillgelegt oder in ihrem Umfang reduziert werden. Internationale Fluggesellschaften setzten zeitweise ihre Verbindungen nach Riad aus, während Führungskräfte angesichts der Sicherheitslage in andere Golfstaaten wie Doha und die Vereinigten Arabischen Emirate ausweichen.

Saudi-Arabiens Sicherheitsstrategie steht somit vor einer fundamentalen Neubewertung. Die saudi-arabische Führung steht vor der schwierigen Aufgabe, einen Ausweg aus dem militärischen Engagement im Jemen zu finden, ohne die Stabilität des Landes weiter zu gefährden.

Saudi-Streitkräfte starten über 2.700 Angriffe auf Huthi in 24 Stunden! Jemen-Offensive eskaliert…

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.