Luca Maurice Strauf, Vorstandsmitglied der AfD-Nachwuchsorganisation Generation Deutschland, trat am 10. Oktober 2026 von seinem Amt zurück. Vorausgegangen war heftige internationale Kritik an einer in den sozialen Medien veröffentlichten Karte zum Tag der Deutschen Einheit, die erweiterte deutsche Grenzen mit Teilen Frankreichs, Polens und der Schweiz zeigte.
Die umstrittene Deutschland-Karte zum Nationalfeiertag
Am 3. Oktober 2026, dem Tag der Deutschen Einheit, veröffentlichte Luca Maurice Strauf auf der Plattform X einen Beitrag, der in den Nachbarländern scharfe Reaktionen auslöste. Auf der von ihm geteilten Karte war Deutschland in einem blauen Farbton eingefärbt, der weit über die aktuellen Grenzen hinausreicht. Zu den markierten Regionen gehörten das französische Elsass und Lothringen, Österreich, Luxemburg, die Deutschschweiz, Südtirol sowie zahlreiche Gebiete in Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Belgien und Dänemark.
Den Post begleitete ein Zitat, das der Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation später kommentierte. In dem Beitrag hieß
Deutsche Einheit bedeutet ein Deutschland, das das gesamte deutsche Volk in einem Staat vereint. Heute gedenken wir einem Etappen-Sieg auf dem Weg dahin.
Luca Maurice Strauf, AfD-Jugend
Kurz nach der Veröffentlichung löschte Strauf den Beitrag wieder. Dennoch hatte der Vorfall zu diesem Zeitpunkt längst weite Kreise gezogen und heftige Proteste im Ausland hervorgerufen. Der 22-jährige, der im saarländischen und bayerischen Raum aktiv ist, hatte bereits früher mit nationalen Äußerungen Aufmerksamkeit erregt. Rund 80 Mitglieder der Organisation Generation Deutschland
hatten am Tag der Deutschen Einheit im Harz auf den Brocken gewandert, während der Eklat sich in den sozialen Netzwerken entfaltete.
Reaktionen in Frankreich und den Nachbarländern
Besonders in Frankreich sorgte die Karte für massive Empörung. In den Kommentarspalten von X reagierten unter anderem Anhänger des rechtsradikalen Rassemblement National (RN) mit Bildern von Atombomben, nuklearen Waffen und französischen Soldaten. Der große französische Nachrichtensender BFM berichtete ebenfalls über den Jungpolitiker, der das seit 1919 zu Frankreich gehörende Gebiet gerne wieder nach Deutschland holen wolle. Auch die Zeitung „L’Alsace, das Online-Portal
Tout Metzsowie das Magazin
Mariannegriffen das Thema auf und warnten davor, die revanchistischen Entgleisungen als bloße Einzelmeinung abzutun. In der Schweiz und in Luxemburg stießen die Grenzspielereien ebenfalls auf scharfe Kritik. Das
Tagblatt“ aus Luxemburg sowie Schweizer Medien warnten vor annexationistischen Vorstellungen. Der Westschweizer Historiker Olivier Meuwly ordnete die Provokation in die Geschichte des deutschen Nationalismus ein und verwies auf das Konzept der Kulturnation und die Vorstellungen des Philosophen Fichte in den Reden an die deutsche Nation
.
Die Veröffentlichung knüpfte an frühere Provokationen an. Bereits am 5. August 2026 hatte Strauf auf die Frage einer Journalistin nach seiner Heimat mit einer Zeile aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes geantwortet – Von der Maas bis an die Memel, Von der Etsch bis an den Belt
–, die wegen ihrer nationalsozialistischen Vereinnahmung heute nicht mehr gesungen wird, wie der Tagesspiegel anmerkte. Bereits bei der Neugründung der Organisation im November 2025 in Gießen war der Kurs der neuen Jugendorganisation, die unter strengerer Kontrolle der Bundespartei steht, als radikal und von Forderungen nach Abschiebung geprägt beschrieben worden.

Distanzierung der Parteiführung und der Rücktritt
Die Bundespartei und die Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) reagierten auf den Eklat mit Distanzierung. Pressesprecher Wendelin Fessl erklärte auf Anfrage, der Beitrag entspreche weder dem Anspruch an Geschichtspolitik noch dem Verständnis von Realpolitik, und betonte, dass Patriotismus keine historischen Landkarten-Fantasien brauche. Obwohl Pressesprecher Fessl selbst aus Österreich stammt und in einem Propaganda-Video ausgerufen hatte „Wir sind die deutsche Jugend!, erklärte er auf Nachfrage, er könne mit solchen Grenzspielereien wenig anfangen.
Dennoch zog der Skandal personelle Konsequenzen nach sich. Am 10.
Die Vorgängerorganisation der aktuellen Jugendgruppe war im Jahr 2023 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden. Beobachter und Nachbarländer äußerten angesichts der Wahlerfolge und der Aufrüstung anhaltende Sorge wegen eines wiederkehrenden Pangermanismus.