Zum Inhalt springen
Welt

Santiago Peña nach Bankenkrise vom Senat abgesetzt und unter Hausarrest gestellt

Der paraguayische Präsident Santiago Peña ist nach dem Zusammenbruch der Ueno Bank vom Senat entmachtet und unter Hausarrest gestellt worden. Die Finanzkrise, die schätzungsweise drei Millionen Einleger vom Zugriff auf ihre Ersparnisse abschnitt, führte zu landesweiten Protesten und einem abrupten Machtwechsel in Asunción.

Die Ereignisse überschlugen sich, als das Parlament den Rücktritt von Santiago Peña am Donnerstag ablehnte und stattdessen das Amtsenthebungsverfahren vorantrieb. Mit 44 zu null Stimmen votierten die Senatoren am Freitag für die Absetzung des Staatschefs, wie unter anderem die BBC berichtete. Wenige Minuten nach der Abstimmung erklärte die Staatsanwältin Silvia Margarita Gonzalez Vester, dass der ehemalige Präsident unter Hausarrest gestellt worden sei. Der Senatspräsident Basilio Núñez erklärte, Peña sei der „mangelhaften Leistung bei seinen Pflichtenfür schuldig befunden worden. Ein Gesetzgeber war bei der Abstimmung abwesend.

In einem auf der Plattform X veröffentlichten Video erklärte Peña, er habe niemals die Absicht gehabt, das in ihn gesetzte Vertrauen zu verraten. Seine Priorität sei die „Seelenruhe der Paraguayer“ gewesen, die dem Finanzsystem ihre Ersparnisse anvertraut hatten. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Peña am Samstag zu Vorwürfen wie „Bruch des Vertrauens“, unerlaubter Einflussnahme und Veruntreuung von Geldern befragt werden. Ermittler erklärten, er habe den Beamten den Zutritt zu seinem Haus freiwillig gewährt und sich für alle Verfahrenszwecke zur Verfügung gestellt. Der als enger regionaler Verbündeter von US-Präsident Donald Trump geltende Peña war seit August 2023 im Amt gewesen.””

Santiago Peña nach Bankenkrise vom Senat abgesetzt und unter Hausarrest gestellt
Foto: bbc.co.uk

Einbruch einer Digitalbank trifft Millionen Kunden

Auslöser der Krise ist der Zusammenbruch der auf digitale Dienstleistungen spezialisierten Ueno Bank, die seit ihrer Gründung im Jahr 2021 rasant gewachsen war. Nach Angaben aus Quellen blieben schätzungsweise 2,9 Millionen Kunden von ihren Ersparnissen abgeschnitten. Vor den Filialen der Bank in der Hauptstadt Asunción bildeten sich tagelang lange Schlangen von Bürgern, die an ihr Geld wollten. Auf den Straßen kam es zu Demonstrationen, bei denen Sicherheitskräfte Tränengas und Wasserwerfer einsetzten, während die Polizei ein Sicherheitskordon um das Anwesen des abgesetzten Politikers errichtete.

Die Krise weitete sich international und wirtschaftlich aus, da in Argentinien rund 1000 Mitarbeiter des Tech-Unternehmens ITTI, das der Grupo Vazquez gehört, unbezahlt freigestellt wurden. Die paraguayische Fußballnationalmannschaft, die von der Bank gesponsert wird, erklärte ebenfalls, ein Opfer dieser Situation zu sein. Peña hatte bis zum vergangenen Jahr Anteile an der Holdinggesellschaft des Instituts gehalten. Die Anklage wirft ihm Interessenkonflikte, die Manipulation der Bankenaufsicht, die Umleitung von Pensionsfonds und eine Verstrickung in eine institutionelle Vertuschung über die Zentralbank vor. Ricardo Preda, der Anwalt des entlassenen Präsidenten, wies die Vorwürfe als „leichtsinnige Anklage“ zurück, die „unverantwortlich und opportunistisch“ sei.””

Interimspräsident Alliana übernimmt die Amtsgeschäfte bis 2028

Alliana versprach in seiner Antrittsrede, dass die Landsleute, die wegen des Finanzzusammenbruchs eine schwierige Zeit durchmachen, voll entschädigt werden.

Santiago Peña nach Bankenkrise vom Senat abgesetzt und unter Hausarrest gestellt
Foto: yahoo.com

Die Zentralbank, deren Eingreifen in das private Institut die Krise ins Rollen gebracht hatte, verarbeitete nun Garantiezahlungen für betroffene Kunden. Die Zentralbank teilte zudem mit, dass Vorschüsse angelaufen seien. Neben dem Rücktritt von Zentralbankchef Carlos Carvallo und Innenminister Enrique Riera wurden acht frühere Führungskräfte der Bank festgenommen. Senator Rafael Filizzola bezeichnete den Skandal als den schwersten Korruptionsfall in der demokratischen Geschichte des Landes.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.