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Welt

Russischer Satellit Kosmos 2612 näherte sich ICEYE-X36 im Orbit

Ein russischer Militärsatellit hat im Orbit eine Reihe präziser Manöver ausgeführt, um sich dem finnischen Radarsatelliten ICEYE-X36 zu nähern. Die Annäherung im Oktober 2026 wirft Fragen über die Sicherheit kommerzieller Satelliten auf, die ukrainische Streitkräfte mit Aufklärungssignalen unterstützen.

Kosmos 2612 und die Annäherung an ICEYE-X36 im Orbit

Am Wochenende des 17. Oktober 2026 dokumentierten kommerzielle Weltraumüberwachungsdaten und Berichte von Verteidigungsexperten eine enge und ungewöhnliche Begegnung im niedrigen Erdorbit. Der russische Militärsatellit Kosmos 2612 führte eine Serie von Manövern aus, die ihn bis auf wenige hundert Meter an den Satelliten ICEYE-X36 heranbrachten. Das US-Unternehmen LeoLabs sprach in einer Mitteilung von einer gezielten und potenziell gefährlichen Verfolgung.

Der betroffene Satellit gehört zum System des finnischen Anbieters ICEYE und wird über dessen US-Tochtergesellschaft betrieben. ICEYE-X36 wurde im Jahr 2024 von den Vereinigten Staaten aus in den Weltraum befördert und ist mit Synthetic-Aperture-Radar-Technologie ausgerüstet. Diese Radartechnologie liefert unabhängig von Wolken oder Rauch detaillierte Aufnahmen der Erdoberfläche. Die ukrainische Regierung nutzt die Aufklärungsdaten im laufenden Konflikt zur Lagedarstellung.

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Telemetriedaten unabhängiger Satellitenbeobachter bestätigten, dass das russische Inspektionsfahrzeug ein nahezu identisches Höhenprofil einnahm und bei rund 557 Kilometern operierte, während sich das Ziel auf einer Höhe von 555 Kilometern befand. Das Manöver erforderte eine Geschwindigkeitsänderung von etwa 27,9 Metern pro Sekunde, wodurch der Abstand von mehreren hundert Kilometern auf schätzungsweise fünf Kilometer verringert wurde; anschließende Modellierungen zeigten dichte Vorbeiflüge innerhalb weniger hundert Meter. Der niederländische Astronom und Satellitenbeobachter Marco Langbroek berichtete in seinem Blog, dass der russische Satellit dem Objekt auf wenige hundert Meter oder möglicherweise noch viel näher gekommen zu sein schien. Generalmajor Michael Traut, Chef des Weltraumkommandos der Bundeswehr, sprach gegenüber Reuters von einer Verfolgung im Orbit und äußerte Besorgnis darüber, was solche Fähigkeiten bei großen Satellitennetzen bewirken könnten.

Rendezvous und Proximity Operations im Visier der Experten

Um sich einem anderen Objekt im All zu nähern, muss ein Raumfahrzeug seine Bahnebene anpassen und die Geschwindigkeit des Ziels exakt übernehmen. Solche als Rendezvous and Proximity Operations bezeichneten Manöver erfordern erhebliche Mengen an Treibstoff und sind im zivilen Betrieb normalerweise für die Wartung oder Inspektion von Satelliten vorgesehen.

Russischer Satellit Kosmos 2612 näherte sich ICEYE-X36 im Orbit
Foto: heise.de

Im Fall von ICEYE-X36 setzten russische Satelliten diese Techniken laut Branchenbeobachtern jedoch zu Überwachungszwecken ein. Victoria Samson von der Secure World Foundation betonte zudem das fehlende Einverständnis des Betreibers:.

Was neu ist, ist, dass ich nicht glaube, dass es jemals zuvor ein unkoordiniertes RPO gegeben hat, das so nah war.

Victoria Samson, Secure World Foundation

Im Mai hatten vier russische Militärsatelliten ihre Bahnen so verändert, dass sie sich in die Umlaufbahn von ICEYE-X36 manövrierten. Nach Angaben des Thinktanks Center for Strategic and International Studies passte Kosmos 2612 Ende September seine Parameter erneut an, um dem Radarsatelliten dauerhaft zu folgen. ICEYE-Chef Rafal Modrzewski erklärte gegenüber Reuters, sein Unternehmen habe daraufhin die Bahn des Satelliten verändert, worauf die russischen Satelliten mit weiteren Manövern reagierten. Eine Auswertung von Integrity ISR zeigte zudem, dass die Satelliten Cosmos 2610 bis Cosmos 2614 im Mai ihre Bahnneigung anpassten.

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Geopolitische Spannungen und veränderte Bedrohungslagen im Weltraum

Die Manöver finden vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine statt. Offizielle Stellen in Moskau haben wiederholt erklärt, dass kommerzielle Satelliten, die militärisch genutzt werden, im Ernstfall als legitime Ziele gelten könnten. Analysen verdeutlichen, dass nahe Behandlungen durch fremde Satelliten nicht nur Signale stören oder Kommunikationswege blockieren können, sondern Betreiber auch dazu zwingen, wertvollen Treibstoff für Ausweichmanöver aufzuwenden.

Clayton Swope, stellvertretender Direktor des Aerospace Security Project am Center for Strategic and International Studies, wies in einem Webbeitrag darauf hin, dass die Manöver von Kosmos 2612 als wahrscheinliche Bedrohung angesehen werden sollten, da der Satellit die Ukraine bei der Abwehr der russischen Invasion unterstützt. Angesichts der Geschichte Russlands bei Tests von On-Orbit-Waffen sollten Entscheidungsträger davon ausgehen, dass das Raumfahrzeug Maßnahmen ergreifen könnte, die den kommerziellen Satelliten gefährden. Gleichzeitig betonte Victoria Samson, dass man neben dem Abwarten der weiteren Entwicklungen vor hektischen Spekulationen Abstand nehmen sollte, solange keine gesicherten Details vorliegen.

Russischer Satellit Kosmos 2612 näherte sich ICEYE-X36 im Orbit
Foto: breakingdefense.com

Offene Fragen und die Reaktion der westlichen Behörden

Trotz präziser telemetrischer Daten bleiben viele Details der Operation im Unklaren. Weder russische noch US-amerikanische Verteidigungsbehörden haben offizielle Erklärungen zu den genauen Absichten von Kosmos 2612 abgegeben. Beobachter und Analysten verfolgen die weitere Entwicklung im All nun genau, da die zunehmende Nutzung unkoordinierter Annäherungen neue Normen für die Sicherheit im Weltraum erzwingt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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