Rheinmetall wehrt sich gegen die Kritik von Verteidigungsminister Boris Pistorius an verspäteten Rüstungslieferungen der Bundeswehr. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern macht dafür den Kunden selbst verantwortlich, räumt gleichzeitig aber eigene technische Probleme beim Flugabwehrsystem Skyranger ein und verweist auf verzögerte Ausstattungslisten.
Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall hat am 31. Oktober 2026 entschieden auf die Vorwürfe aus der Politik reagiert und die alleinige Verantwortung für Lieferverzögerungen bei Bundeswehrprojekten zurückgewiesen. Im Zentrum der Kontroverse stehen das Flugabwehrsystem Skyranger sowie der Schwere Waffenträger.
Fahrgestellwechsel beim Skyranger
Als Hauptgrund für den Verzug beim Skyranger nennt das Unternehmen eine Entscheidung des Auftraggebers aus dem Februar 2025. Statt des ursprünglich vertraglich vorgesehenen Boxer-Fahrgestells des Schweren Waffenträgers entschied sich die Bundeswehr für das neue B0-Fahrmodul. Nach Angaben des Konzerns war dieses Modul zum Zeitpunkt der Entscheidung noch gar nicht fertig entwickelt.
Wir haben damals klar gesagt, welche Verzögerungen das mit sich bringt, weil B0 noch nicht fertig entwickelt war.
Unternehmenssprecher, Rheinmetall
Der Kunde habe diese Konsequenzen in Kenntnis der Lage in Kauf genommen. Nach dem aktuellen Zeitplan soll das B0-Fahrmodul im Januar 2027 in die Industrieerprobung starten, gefolgt von behördlichen Tests im dritten Quartal desselben Jahres.
Wie Jan Dams als Chefreporter WELT AM SONNTAG für WELT und „Business Insider Deutschland“ berichtete, betonte der Konzern im Zuge dieser Debatte, dass auch die Bundeswehr als Auftraggeber konkrete Mitwirkungspflichten zu erfüllen hat. Die Rüstungsprojekte in Düsseldorf zeigen nach Ansicht von Marktbeobachtern und Branchenanalysten, dass volle Auftragsbücher allein noch keine termingerechten Lieferungen garantieren. Für Investoren rückt daher die exakte Umsetzung der bestehenden Verträge in den Mittelpunkt des Interesses.”

Technische Mängel und eigene Versäumnisse
Neben den organisatorischen Weichenstellungen räumt Rheinmetall auch hausgemachte Schwierigkeiten ein. So verliefen jüngste Praxistests unter erschwerten Bedingungen nicht wie erhofft.
Bei einem Live-Test in Schweden gegen ukrainische Drohnenpiloten war das Ergebnis unbefriedigend. Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssten.
Unternehmenssprecher, Rheinmetall
Aus diesen Erkenntnissen zieht der Konzern Lehren zur Systemverbesserung. Im kommenden April steht ein entscheidendes Nachweisschießen an, bei dem die Technik fehlerfrei arbeiten muss.
Rheinmetall wehrt sich gegen Pistorius-Kritik https://t.co/TQudhFHAcy pic.twitter.com/nVOucWCNei
— https://x.com/welt/status/2116327447641629170
Verzögerte Ausstattungslisten beim Schweren Waffenträger
Ähnlich differenziert stellt sich die Lage beim Schweren Waffenträger dar, für den die Bundeswehr 123 Boxer-Radpanzer mit 30-Millimeter-Kanonen und Panzerabwehrraketen für insgesamt 2,7 Milliarden Euro geordert hat.
Rheinmetall entgegnet, diese acht Einheiten mittlerweile vollständig ausgeliefert zu haben. Das Unternehmen sieht die Schuld hälftig verteilt zwischen Industrie und Auftraggeber. Letzterer tue sich wegen seiner komplexen internen Strukturen mit den gesetzlichen Mitwirkungspflichten schwer. Laut einem früheren Magazin-Bericht drohten dem Vorhaben mindestens elf Monate Verzug, während Rheinmetall betonte, alles für eine erfolgreiche Bereitstellung getan zu haben.

Angesichts dieser Fristüberschreitungen zeigte sich das Management in Düsseldorf überrascht über die scharfe öffentliche Kritik aus dem Ministerium, zumal das Unternehmen nach eigenen Angaben stets bemüht war, die geforderten Waffenträger bereitzustellen.
Risikobereitschaft und nächste Termine
Trotz noch ausstehender behördlicher Amtserprobungen treibt der Konzern die Produktion voran. Im dritten Quartal 2027 will Rheinmetall Serienfahrzeuge des Skyranger auf dem B0-Fahrmodul auf eigenes Risiko an den Kunden übergeben, obwohl die offiziellen Tests bis dahin noch nicht komplett abgeschlossen sein werden.
Der Rüstungskonzern unterstreicht mit diesem Schritt seine Leistungsbereitschaft im Rahmen der militärischen Beschaffungsvorhaben. Ungeachtet der anhaltenden Diskussionen über Zeitpläne und Zuständigkeiten ist noch unklar, wie sich die Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten institutionellen Stellen und dem industriellen Auftragnehmer bei künftigen Projekten gestalten werden.
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