Solbakkens Risiko: Zehn Änderungen in der Startelf
Die Entscheidung, Erling Haaland erstmals seit 2024 nicht von Beginn an aufzustellen, war laut der BBC kein Zufall, sondern eine strategische Notwendigkeit. Solbakken nahm insgesamt zehn Änderungen an seiner Startformation vor, da Norwegen bereits für die K.-o.-Runde qualifiziert war. Die medizinische Abteilung und die betroffenen Spieler selbst hätten die Notwendigkeit einer Entlastung signalisiert.
„Eine Selbstverständlichkeit. Sowohl von meiner Seite als auch von der Physio-, Gesundheits- und Medizinabteilung und von einigen der Spieler selbst.“
Stale Solbakken, Nationaltrainer von Norwegen
Trotz der taktischen Gründe räumte Solbakken ein, dass die Entscheidung für die Fans schmerzhaft war. Diese hätten die beiden Superstars Haaland und Odegaard im Spiel sehen wollen. Die physische Belastung nach dem Spiel gegen Senegal war laut Trainer erheblich; fünf oder sechs Spieler, insbesondere die gesamte Abwehrlinie und Teile des Mittelfelds, seien nach 80 Minuten stark gezeichnet gewesen.
Frankreichs Dominanz und Dembeles Hattrick

Während Norwegen experimentierte, trat Frankreich mit einer starken Offensive an, um den ersten Platz in Gruppe I zu sichern. Kylian Mbappe kam beinahe in der ersten Minute mit einem Schuss gegen die Unterseite der Querlatte zum Tor. In der Folge übernahm Ousmane Dembele die Regie und erzielte innerhalb der ersten 25 Minuten einen Hattrick.
Die Abwesenheit Haalands hinterließ eine Lücke, die sein Ersatz Jorgen Strand Larsen nicht füllen konnte. Wie Yahoo Sports berichtete, vergab Larsen einen Elfmeter, der das Spiel nach der Halbzeit auf 3:2 hätte bringen können. Für Haaland bedeutete die Pause zudem einen kurzzeitigen Stopp in seinem Rennen um den Goldenen Schuh.
Strategische Rotation: Lektionen aus 2018 und 2022
Solbakken rechtfertigte seine Rotation mit Beispielen aus der Vergangenheit. Er bezog sich explizit auf das Vorgehen von Didier Deschamps bei der Weltmeisterschaft 2022 in Katar, als Frankreich in seinem letzten Gruppenspiel mehrere Stammspieler, darunter Mbappe und Dembele, schonte.
„Wir können viel von Frankreich lernen. Sie konnten im dritten Gruppenspiel einige Spieler schonen … sie waren klug.“
Stale Solbakken, Nationaltrainer von Norwegen
Ein ähnliches Muster zeigte sich 2018, als Gareth Southgate Spieler Englands gegen Belgien rotierte. England verlor zwar das Spiel mit 0:1, erreichte aber später das Halbfinale. Diese historischen Präzedenzfälle stützen Solbakkens These, dass die kurzfristige Form oder ein einzelnes Gruppenspiel weniger entscheidend sind als die physische Frische für die Finalrunden. Im Gegensatz dazu äußerte sich Thomas Tuchel vor dem Turnier vorsichtiger gegenüber einer zu starken Rotation, da er die Abstimmung zwischen den Spielern gefährdet sah.
Die physische Belastung der WM 2026
Die Entscheidung zur Rotation ist in diesem Turnier besonders relevant, da die Rahmenbedingungen extrem sind. Mit 48 Nationen und insgesamt 104 Spielen ist das Turnier umfangreicher als je zuvor. Die Spiele finden zudem unter extremer Hitze statt, was die körperliche Erschöpfung beschleunigt.
Selbst die von FIFA-Präsident Gianni Infantino eingeführten dreiminütigen Trinkpausen können den brutalen Einfluss der klimatischen Bedingungen auf die Spieler nicht vollständig kompensieren. Für einen Spieler wie Haaland, der eine enorme physische Präsenz auf dem Platz benötigt, ist die gezielte Regeneration daher essenziell, um in der K.-o.-Phase konkurrenzfähig zu bleiben.
Die strategische Entscheidung Solbakkens, individuelle Auszeichnungen wie den Goldenen Schuh zugunsten der Teamgesundheit zu ignorieren, unterstreicht den Fokus auf den Turniersieg. Solbakken erklärte dazu kurz angebunden, dass ihm die persönlichen Ehrungen der Spieler völlig egal seien.
Haaland selbst hatte bereits vor dem Spiel eine realistische, wenn auch fast schon resignierte Einschätzung abgegeben. Nach dem Sieg gegen Senegal am 23. Juni, bei dem er zwei Tore erzielte, zeigte er sich unbeeindruckt von der bevorstehenden Begegnung mit den Franzosen.
„Dieses Spiel ist mir jetzt nicht mehr so wichtig. Sie werden wahrscheinlich gegen uns gewinnen. Sie werden wahrscheinlich das ganze Turnier gewinnen.“
Erling Haaland, Stürmer der norwegischen Nationalmannschaft
Norwegen tritt nun mit einer frisch ausgeruhten Kernmannschaft in die K.-o.-Phase ein. Ob die durch die Rotation verlorene Dynamik und das deutliche 1:4 gegen Frankreich die Moral geschwächt haben oder ob die physische Überlegenheit in den nächsten Spielen den Ausschlag gibt, wird die kommenden Tage zeigen.
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