Auf importiertem Pouletfleisch aus europäischen Ländern sind bei einer Untersuchung antibiotikaresistente Keime nachgewiesen worden. Betroffen sind Produkte der Schweizer Detailhändler Migros, Lidl und Denner aus dem günstigsten Preissegment, während sämtliche zehn getesteten Schweizer Proben unauffällig blieben.
Antibiotikaresistente ESBL-Bakterien in importierten Pouletbrustprodukten entdeckt
Drei von sechs importierten Geflügelprodukten enthielten bei einer Laboruntersuchung im Auftrag von Kassensturz und K-Tipp antibiotikaresistente Erreger. Insgesamt testeten die Prüfer 16 Pouletbrustprodukte aus Schweizer Supermärkten, darunter zehn Artikel aus inländischer Produktion und sechs Importwaren aus EU-Staaten. Während die Schweizer Proben in der Untersuchung keinerlei Auffälligkeiten zeigten, schlugen die Laboranalysen bei drei Importprodukten an. Dabei handelt es sich um sogenannte ESBL-bildende Bakterien. Diese Keime sind gegen bestimmte Antibiotika resistent, was im Falle einer Infektion die Behandlung beim Menschen erheblich erschweren kann, wie der Genfer Universitätsspital-Infektiologe Diego Andrey gegenüber Medien erläuterte.
Die betroffenen Artikel stammen sämtlich aus dem niedrigen Preissegment der jeweiligen Sortimente. Im Einzelnen betrifft der Befund eine Pouletbrust aus deutscher Herkunft von Lidl sowie ein Produkt aus den Niederlanden von Denner, die zu einem Preis von je 13,50 Franken pro Kilogramm angeboten wurden. Ebenfalls belastet war ein Produkt aus Ungarn, das bei der Migros für 15 Franken pro Kilogramm im Regal stand. Zwei weitere Importartikel im Preisbereich von 15 Franken pro Kilogramm blieben indes unauffällig. Die Untersuchung zeigt damit ein differenziertes Bild, lässt laut den Erhebungen jedoch keine pauschalen Rückschlüsse auf sämtliche Importwaren zu.

Preiskontraste und Reaktionen der Grossverteiler auf die Laborbefunde
Der direkte Preisvergleich innerhalb der Stichprobe verdeutlicht die Spannweite im Geflügelsektor. Die teuersten untersuchten Erzeugnisse – Bio-Poulet der Migros sowie Coop Naturaplan aus Schweizer Produktion – schlagen mit jeweils 56 Franken pro Kilogramm zu Buche und kosten damit mehr als viermal so viel wie die beanstandeten Importe. Dennoch zeigt die Untersuchung, dass ein niedriger Preis nicht zwangsläufig mit Keimbelastungen einhergehen muss: Auch preiswertere Schweizer Produkte von Denner und Aldi für je 22,50 Franken pro Kilogramm blieben im Test vollständig unauffällig.
Die betroffenen Detailhändler reagierten auf die Ergebnisse mit Ankündigungen von internen Prüfungen und verschärften Kontrollen. Die Migros erklärte gegenüber Redaktionen, dass sie die Erkenntnisse sehr ernst nehme und künftig Untersuchungen auf antibiotikaresistente Keime fest in das eigene Monitoring aufnehmen werde. Bisher konzentrierten sich die Rückstandskontrollen des Unternehmens auf Tierarzneimittel und Rückstände, was jedoch nicht mit Analysen auf resistente Bakterien identisch sei.
Lidl Schweiz betonte, dass beide untersuchten Poulet-Produkte komplett frei von MRSA-Keimen seien und den Schweizer Standards entsprächen. Zum Nachweis von ESBL-Erregern auf der deutschen Importware teilte das Unternehmen mit, dass man den Befund sehr ernst nehme und ein präventiver Antibiotikaeinsatz bei den Produzenten strikt untersagt sei. Denner wies darauf hin, dass für ESBL-bildende E. coli und MRSA weder in der Schweiz noch in der EU spezifische gesetzliche Grenzwerte für Geflügelfleisch existieren, kündigte aber an, mögliche Verbesserungsmassnahmen gemeinsam mit dem Importeur zu prüfen.
Hygieneregeln und Strategie gegen Resistenzen
Da rohes Geflügelfleisch naturgemäss Keime enthalten kann und Antibiotikaresistenzkeime auch in der Umwelt vorkommen, betonen Detailhändler und Experten die Bedeutung präventiver Hygieneregeln in der Küche. Eine Übertragung auf den Menschen lässt sich durch konsequentes Durchgaren des Fleisches sowie saubere Arbeitsgeräte verhindern. Durch das vollständige Erhitzen werden die Erreger zuverlässig abgetötet. Zudem raten Fachleute dazu, rohes Geflügel getrennt von anderen Lebensmitteln zu verarbeiten, um Kreuzkontaminationen über Hände, Messer oder Schneidebretter zu vermeiden.
Auf nationaler Ebene ist die Bekämpfung von Resistenzen langfristig angelegt. Die Schweiz setzt sich gemeinsam mit internationalen Partnern dafür ein, die Ausbreitung einzudämmen. Mit der Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR) und dem zugehörigen One-Health-Aktionsplan für die Jahre 2024 bis 2027 verfolgt das Land klare Ziele, um die Wirksamkeit von Antibiotika für Mensch und Tier nachhaltig zu sichern.