Die Migros schult in ihren Schweizer Restaurants das Personal nach, um exakte Schöpfmengen einzuhalten. Eine interne Analyse hatte zuvor ergeben, dass etwa ein Fünftel der Lebensmittelabfälle direkt auf den Tellern der Gäste landet. Die Preise und Portionsgrössen selbst bleiben unverändert, wie Verantwortliche im Oktober 2026 bestätigten.
Konsequente Schöpfmengen gegen Foodwaste in Migros-Restaurants
Wer derzeit in einem der über 200 Migros-Restaurants zu Mittag isst, merkt bei einigen Klassikern wie Cordon bleu, Bratwurst mit Zwiebelsauce und Pommes Frites eine Veränderung. Das Küchenpersonal in zahlreichen Filialen hat in der Vergangenheit oft grosszügiger aufgetischt als in den offiziellen Rezepturen vorgesehen. Um diesen überschüssigen Lebensmittelabfall einzudämmen, greift das Unternehmen nun ein. Eine umfassende Analyse in insgesamt 118 Betrieben lieferte den Auslöser für die Massnahme: Rund ein Fünftel des gesamten gastronomischen Abfalls entsteht direkt auf den Tellern der Gäste.
Der Detailhändler reagierte darauf mit einer schweizweiten Sensibilisierung und Nachschulung des Service- und Küchenpersonals. Die intern definierten Portionsgrössen müssen ab sofort einheitlich und konsequent eingehalten werden. Dennoch müssen hungrige Gäste keine Einschränkungen fürchten. Nach Angaben des Unternehmens wurden die regulären Mengen nicht gekürzt, und auch die Menüpreise bleiben unverändert. Wer nach einer Standardportion noch Hunger hat, kann an der Ausgabe problemlos Nachschlag verlangen.

Rückläufige Gästezahlen und der Wandel der Schweizer Gastro-Landschaft
Die strengere Dosierung der Tellergerichte trifft die Gastronomie der Genossenschaft in einer Phase spürbaren Wandels. Neben McDonald’s gilt das Unternehmen zwar als einer der grössten Gastro-Player der Schweiz, doch die Nachfrage in den klassischen Restaurants sinkt seit Jahren. Viele Kundinnen und Kunden bevorzugen über Mittag den schnellen Griff zu Fertigmenüs, Sandwiches oder Salaten direkt in den Supermarktregalen. Dieser Trend hat bereits zu drastischen Schritten geführt.
Der Rückgang der Gästezahlen schlägt sich direkt in den Betriebszahlen nieder. Im Jahr 2021 betrieb der orange Riese noch 2.039 Restaurants und Take-aways. Bis zum Ende des vergangenen Jahres schrumpfte diese Zahl massiv auf 207 Betriebe. Weitere Schliessungen sind bereits beschlossene Sache. So plant beispielsweise die Migros Ostschweiz für die kommenden Jahre die Schliessung von drei weiteren Restaurants sowie einem Take-away, während das Angebot an Buffets und traditionellen Sitzplätzen schrittweise durch warme Snacks wie Schinkengipfeli und praktische Fertigprodukte ersetzt wird.

Massnahmen an Buffets und der Kampf gegen den Resteverbrauch
Neben den Tellergerichten nimmt das Unternehmen auch den Betrieb an den offenen Buffets ins Visier. Das Ziel, dort den Abfall zu minimieren, erweist sich im Alltag als logistische Herausforderung. Die Auslagen müssen für die Kundschaft stets attraktiv wirken und dürfen zu keiner Tageszeit leer erscheinen. Um dieses Problem zu lösen, setzt die Gastronomie auf kreative Wiederverwertung.
Übrig gebliebene Kartoffeln vom täglichen Mittagstisch wandern am darauffolgenden Tag beispielsweise direkt in den hausgemachten Kartoffelsalat. Für andere überschüssige Lebensmittel nutzt die Migros die Rettungs-App Too Good To Go
, über die Essensreste zu reduzierten Preisen an Kunden abgegeben werden. Zusätzlich wird die tägliche Produktionsmenge flexibel an den tatsächlichen Bedarf angepasst. Was sich auf diese Weise nicht mehr verwerten lässt, wird schliesslich zu Biogas verarbeitet. Sprecher Tobias Ochsenbein betonte gegenüber Medien, dass es dem Detailhändler bei all diesen Schritten primär um die Nachhaltigkeit gehe. Eventuelle finanzielle Einsparungen durch den reduzierten Wareneinsatz seien lediglich ein positiver Nebeneffekt.
Auch interessant