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RCP 8.5-Scenario gilt als unrealistisch durch erneuerbare Energien

US-Klimaforscher Zeke Hausfather erklärt, dass das bis dato dominierende Worst-Case-Szenario RCP 8.5 aufgrund des rasanten Ausbaus erneuerbarer Energien als unrealistisch gilt. Massive Kostensenkungen bei Photovoltaik und Batterien sowie steigende Investitionen in saubere Energien machen den Pfad extremer Emissionen unwahrscheinlich.

Das RCP 8.5-Szenario, das in der Klimaforschung und der öffentlichen Debatte jahrelang als das alles entscheidende Modell für ein extremes Katastrophenszenario galt, verliert an wissenschaftlicher Relevanz. Forscher streichen diesen Pfad zunehmend aus neuen Modellreihen, da die Annahmen des Modells nicht mehr mit der technologischen und wirtschaftlichen Realität der 2020er Jahre übereinstimmen.

Technologische Kostensenkungen entkräften Kohle-Dominanz

Der US-Klimawissenschaftler und Energiesystemanalytiker Zeke Hausfather identifiziert die drastische Entwicklung der Energiekosten als einen der Hauptgründe für den aktuellen Kurswechsel in der Wissenschaft. Das RCP 8.5-Szenario basierte auf der Annahme eines 21. Jahrhunderts, das massiv von Kohle geprägt ist. Diese Annahme erforderte bis zum Jahr 2100 eine etwa fünffache Steigerung des Kohleverbrauchs.

Die tatsächliche Marktentwicklung widerspricht dieser Prognose jedoch fundamental. Zwischen den Jahren 2010 und 2024 sanken die Kosten für Photovoltaik um rund 90 Prozent. Parallel dazu verzeichneten Lithium-Ionen-Batterien einen Preisrückgang von etwa 90 Prozent, während die Kosten für Onshore-Windenergie um rund 70 Prozent fielen. Diese Preisentwicklungen verändern die ökonomische Kalkulation für den globalen Energiemix grundlegend.

RCP8.5 ging von einem 21. Jahrhundert aus, das von Kohle dominiert wird, und das ist in der heutigen Welt einfach nicht mehr haltbar.

Zeke Hausfather, US-Klimawissenschaftler und Energiesystemanalytiker

Kapitalströme verschieben sich Richtung saubere Energien

Neben den technologischen Fortschritten spielt die globale Kapitalallokation eine entscheidende Rolle bei der Entwertung des RCP 8.5-Szenarios. Die wirtschaftliche Dynamik hat sich weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Quellen verschoben. Im Jahr 2024 beliefen sich die weltweiten Investitionen in saubere Energien auf über 2 Billionen US-Dollar. Dieser Betrag war etwa doppelt so hoch wie die Investitionen in fossile Brennstoffe.

Die Menge an Kohle, die für das RCP 8.5-Szenario erforderlich wäre, stößt zudem an die Schätzungen der weltweit förderbaren Reserven. Die Kombination aus sinkenden Kosten für Erneuerbare und dem massiven Kapitalzufluss in diesen Sektor macht die für das Szenario notwendige extreme Kohle-Expansion unwahrscheinlich.

Szenario-Wechsel bedeutet keine Entwarnung

Obwohl das extremste Katastrophenszenario aus den aktuellen wissenschaftlichen Modellen verschwindet, mahnen Experten zur Vorsicht. Der Wegfall von RCP 8.5 bedeutet nicht, dass die Klimakrise entschärft ist oder die Erderwärmung gestoppt wurde. Die wissenschaftliche Debatte verlagert sich nun auf realistischere Pfade, die dennoch drastische Folgen der Erderwärmung nach sich ziehen können.

Die Reduzierung der Wahrscheinlichkeit des Worst-Case-Szenarios resultiert aus technologischen Entwicklungen und klimapolitischen Maßnahmen. Dennoch bleibt die Umsetzung dieser Maßnahmen entscheidend, um die verbleibenden Risiken der Erderwärmung zu kontrollieren.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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