Russlands Präsident Wladimir Putin hat den militärischen Schutz seiner rund 250 Hektar grossen Ferienresidenz am Waldai-See in der Region Nowgorod massiv ausgebaut. Satellitenbilder zeigen mittlerweile etwa 30 Raketenschutztürme in der Umgebung des Anwesens, während im Hinterland vermehrt ukrainische Drohnenangriffe registriert werden.
Vier neue Flugabwehrtürme am Waldai-See
Das weitläufige Anwesen des russischen Präsidenten liegt ungefähr auf halber Strecke zwischen Moskau und St. Petersburg. Über die genaue Beschaffenheit der rund 250 Hektar grossen Anlage ist nur wenig bekannt, doch neben einer riesigen Sauna, einem Golfplatz und einer Kirche verfügt das Gelände mittlerweile über ein dichtes Netz an Schutzvorrichtungen. Wie der von den USA finanzierte Sender Radio Free Europe/Radio Liberty berichtet, zeigt eine Auswertung neuester Satellitenbilder vier zusätzliche Flugabwehrtürme in der direkten Umgebung.
Der am dichtesten am Hauptgebäude gelegene Turm befindet sich demnach nur rund 400 Meter entfernt. Die erhöhten Plattformen sind nach Erkenntnissen von Beobachtern für bodengestützte Flugabwehrsysteme wie das Pantsir-S1 vorgesehen. Durch die Positionierung oberhalb der Baumkronen können Radaranlagen tieffliegende Ziele wie Drohnen oder Marschflugkörper deutlich früher erfassen.
Ausbau der Luftabwehr seit dem Jahr 2023
Die militärische Aufrüstung rund um die Residenz erfolgt schrittweise und lässt sich anhand von Satellitenaufnahmen seit mehreren Jahren nachvollziehen. Bereits im Jahr 2023 installierten die Behörden ein erstes Pantsir-S1-System in der näheren Umgebung des Anwesens. Im Frühjahr 2024 begannen die Bauarbeiten für die ersten eigens errichteten Abwehrtürme.
Das Tempo der Bauarbeiten zog in den darauffolgenden Jahren spürbar an. Während im März 2024 erst ein einzelner Turm verzeichnet wurde, stieg die Zahl kontinuierlich an. Allein im März wurden nach Satellitenbildauswertungen sieben neue Türme errichtet, womit der Bestand im Frühjahr auf 27 Stellungen anwuchs. Mittlerweile hat sich die Gesamtzahl der Konstruktionen auf rund 30 erhöht. Ob sämtliche Plattformen bereits durchgehend mit einsatzbereiten Raketen- und Kanonensystemen bestückt sind, geht aus den verfügbaren Berichten allerdings nicht hervor.
Zusätzliche Drohnenabwehrnetze im Umland
Neben den stationären Türmen greifen die Sicherheitskräfte offenbar auch am Boden zu flankierenden Massnahmen. Unabhängige russische Medien dokumentierten im Juni die Installation spezieller Drohnenabwehrnetze. Diese Vorrichtungen wurden in einem Radius von rund neun Kilometer von der Residenz entfernt über Verkehrswegen und Lastwagenabstellplätzen angebracht.
Militäranalysten weisen darauf hin, dass solche Netze im Ukraine-Krieg regulär zum Schutz von Fahrzeugen vor kleineren Angriffsdrohnen dienen. Im Fall der Region Nowgorod könnten die Vorrichtungen dazu bestimmt sein, wichtige Zufahrtswege abzusichern und militärische Fahrzeugkolonnen abzuschirmen.
Hintergrund verstärkter Angriffe auf das russische Hinterland
Die umfangreichen Baumaßnahmen fallen zeitlich mit einer Zunahme ukrainischer Drohnenangriffe zusammen, die vermehrt Ziele tief im russischen Staatsgebiet ins Visier nehmen. Vor dem Hintergrund dieser Bedrohung gilt der verstärkte Schutz wichtiger staatlicher Einrichtungen und Residenzen als naheliegend. Eine offizielle Bestätigung der jüngsten Bauarbeiten rund um das Anwesen von Wladimir Putin liegt bisher nicht vor.