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Andau weiht Gedenkplattform zum 70. Jahrestag des Volksaufstandes ein

Zum siebzigsten Jahrestag des ungarischen Volksaufstandes haben sich am Samstag, dem 17. Oktober 2026, Menschen aus Österreich und Ungarn an der Brücke von Andau im Burgenland versammelt. An dem historischen Fluchtpunkt wurde neben den Gedenkfeiern auch eine neue Aussichts- und Gedenkplattform eingeweiht, um an die Ereignisse von 1956 zu erinnern.

Erinnerung an den Fluchtweg des Jahres 1956

Im Herbst 1956 wurde die Brücke über den Einser-Kanal nahe Andau zu einem historisch bedeutsamen Nadelöhr in den Westen. Nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes durch die sowjetische Besatzungsmacht und die Kommunistische Partei flohen mehr als 200.000 Menschen aus Ungarn. Allein im Grenzgebiet von Andau gelang etwa 70.000 Männern, Frauen und Kindern der Weg in die Freiheit. Vor siebzig Jahren war die Brücke von Andau im Bezirk Neusiedl am See für viele Ungarinnen und Ungarn das Tor in die Freiheit, als sie nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands an dieser Stelle ins Burgenland flüchteten.

Die örtliche Bevölkerung leistete damals umfassende Hilfe. Schulen, Kindergärten, Kinos und andere öffentliche Räume dienten als Unterkünfte für die Ankommenden. Der Bürgermeister von Andau, Philipp Pelzer, erinnerte an diese Leistung und betonte die große Menschlichkeit, auf die man auch sieben Jahrzehnte später noch stolz sein könne. Historisch hielt der Fluchtweg jedoch nicht stand: Am 21. November 1956 sprengten ungarische Soldaten die hölzerne Konstruktion. Erst vier Jahrzehnte später, am 14. September 1996, bauten österreichische und ungarische Soldaten eine neue Brücke.

Andau weiht Gedenkplattform zum 70. Jahrestag des Volksaufstandes ein
Foto: Land Burgenland (AT)

Grenzüberschreitende Gedenkfeier und neue Aussichtsplattform

Zu den diesjährigen Feierlichkeiten am 17. Oktober 2026 kamen zahlreiche Gäste aus beiden Ländern an die Grenze. Menschen von beiden Seiten der Grenze waren am Samstag zur beziehungsweise über die Brücke von Andau gekommen, um gemeinsam zu gedenken. Auch Zeitzeugen wie Robert Kaitan und Magdolna Bösze sowie der Bürgermeister der ungarischen Nachbargemeinde Osli nahmen an der Veranstaltung teil, bei der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren Erlebnissen während des Ungarnaufstandes, der Flucht und den ersten Tagen in Österreich berichteten.

In Blickweite zur historischen Brücke wurde im Rahmen des Treffens eine neue Gedenkplattform eingeweiht. Der Holzbau besitzt eine Terrasse mit Blick über die Gegend sowie Tafeln mit Texten und Bildern, die die Geschichte von Flucht und Hilfe aufarbeiten. Der Historiker Herbert Brettl erläuterte die Idee und das Konzept der neuen Gedenkplattform. Die Segnung der Plattform übernahmen Generalvikar Wüger und Superintendent Jonischkeit. Musikalisch umrahmten der Musikverein Andau sowie Schülerinnen und Schüler aus Andau und den ungarischen Gemeinden Jánossomorja und Osli das Programm, womit die musikalischen Beiträge den grenzüberschreitenden Charakter der Veranstaltung unterstrichen.

Andau weiht Gedenkplattform zum 70. Jahrestag des Volksaufstandes ein
Foto: BVZ

Mahnung für die Gegenwart und den Zusammenhalt

Die Redner bei der Gedenkfeier schlugen den Bogen von der Vergangenheit zur aktuellen politischen Lage. Landesrätin Daniela Winkler erklärte, dass Frieden, Demokratie und Menschlichkeit keine Selbstverständlichkeit seien, sondern von jeder Generation aufs Neue getragen und verteidigt werden müssten.

Die Veranstaltung verband das historische Gedenken mit dem Blick auf die junge Generation. Durch die Teilnahme von Jugendlichen und die Berichte von Zeitzeugen soll die Erinnerung an die Fluchtbewegung und die europäischen Grenzen lebendig bleiben. Die Brücke von Andau ist zudem der diesjährige Burgenland-Kandidat bei der großen ORF-Show 9 Plätze – 9 Schätze, bei der am 26. Oktober wieder Österreichs schönster Platz gekürt wird.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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