Der portugiesische Fußballverband hat nach einer unerlaubten Abreise ein Disziplinarverfahren gegen Cristiano Ronaldo eingeleitet. Der Kapitän ist vorläufig gesperrt und wartet auf ein Urteil, das eine Sperre von bis zu sechs Monaten zur Folge haben könnte.
Die Affäre um den portugiesischen Rekordtorschützen Cristiano Ronaldo erschüttert den Fußball in dem südeuropäischen Land. Der 41-jährige Offensivspieler verließ das Quartier der Nationalmannschaft in Dänemark vorzeitig und zog damit disziplinarische Schritte nach sich.
Streit um Einsatzzeiten vor dem Spiel in Dänemark
Auslöser für den Eklat war ein heftiger Streit zwischen dem Kapitän und Nationaltrainer Jorge Jesus. Zuvor hatte der Coach den Stürmer beim Spiel gegen Norwegen über die vollen 90 Minuten auf der Bank schmoren lassen, obwohl dem Spieler ein dreißigminütiger Einsatz zugesagt worden war. Als der Trainer dieses Versprechen nicht einlöste, packte der Angreifer am 30. September kurzerhand seine Sachen und reiste aus dem Trainingslager in Kopenhagen ab.
Die Unzufriedenheit über seine sportliche Rolle brodelte schon länger. Trainer Jorge Jesus hatte angekündigt, im Angriff vorerst auf Gonçalo Ramos zu setzen. Für Ronaldo, der beim Erfolg gegen Norwegen erstmals seit 18 Jahren ohne eine Verletzung oder Sperre eine Partie der Auswahl von der Bank aus beobachtet hatte, bedeutete dies eine unerwartete Degradierung.

Nach Gesprächen mit dem Präsidenten des portugiesischen Fußballverbandes, Pedro Proença, sowie dem Nationaltrainer machte der 41-Jährige seine Abreise aus dem Camp öffentlich bekannt. Der fünfache Weltfußballer, der inzwischen für den saudi-arabischen Verein Al-Nassr auf Torejagd geht, sorgte zuvor noch in Saudi-Arabien mit einem Freistoßtor für Begeisterung, ehe der Konflikt im Nationalteam eskalierte.
Das Disziplinarverfahren und die drohende Sperre
Nachdem der Verband sowie externe Parteien entsprechende Anzeigen eingereicht hatten, schritt der Disziplinarsausschuss ein. Das Verfahren wurde durch Beschluss der Sektion Nicht-Profis als dringend eingestuft. Gemäß den Statuten des portugiesischen Verbandes bedeutet der unerlaubte Abbruch des Camps eine automatische vorläufige Freistellung des Spielers.
Bis zum Abschluss des regulären Verfahrens bleibt der Angreifer vorläufig gesperrt. Der Disziplinarausschuss ordnete eine nicht automatische vorläufige Sperre von 20 Tagen an, gestützt auf Absatz zwei des Artikels 40-A der Disziplinarordnung des Verbands. Dem Rekordnationalspieler, der in bisher 234 Länderspielen 146 Tore für Portugal erzielte, droht nach den Regularien der Federação Portuguesa de Futebol eine empfindliche Strafe.
- Eine kurze Sperre von bis zu einem Monat würde es ihm erlauben, im November wieder für die Nationalelf aufzulaufen und die anstehenden Spiele gegen Dänemark und Wales zu bestreiten.
- Sollte das Strafmaß über einen Monat hinausgehen, verpasst er diese Begegnungen. Eine Höchststrafe von bis zu sechs Monaten sowie eine Geldstrafe, wie sie Artikel 160 des Reglements vorsieht, würden hingegen die Teilnahme am Nations-League-Viertelfinale im kommenden Frühjahr definitiv ausschließen.
Öffentliche Entschuldigung und sportliche Folgen für die Auswahl
Inzwischen hat sich der Starspieler in den sozialen Netzwerken geäußert. Er bat Fans und Mitspieler um Entschuldigung und gab dabei zu, dass seine Aktion Konsequenzen haben muss und er Jesus eine Mitschuld am Einsatzstreit gibt. Zugleich kündigte er an, jede disziplinarische Maßnahme kommentarlos zu tragen und sich weiter fit zu halten, um nach Ablauf der Sperre in die Nationalmannschaft zurückzukehren.
„Nach der Pressekonferenz des Nationaltrainers und im Anschluss an ein Gespräch mit dem Präsidenten des portugiesischen Verbandes habe ich die Entscheidung getroffen, das Trainingslager der Nationalmannschaft zu verlassen.“
Cristiano Ronaldo, Kapitän der portugiesischen Nationalmannschaft, via Instagram
Kritik an dem Vormpakt übte unter anderem der Sky Sport-Experte und Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann, der den Fußball-Superstar nach dessen Abreise scharf kritisierte und anmerkte, dass der Kapitän der Mannschaft in dieser Form nicht mehr helfen könne. Sportlich hat der Ausfall des Top-Stürmers der Seleção indes keinen Schaden zugefügt. Der Titelverteidiger gewann alle vier Partien der turbulenten Länderspielphase unter Trainer Jorge Jesus, sicherte sich vorzeitig das Ticket für das Viertelfinale der Nations League und kletterte im FIFA-Ranking der Nationalmannschaften vor auf den 5. Platz, während Brasilien auf Rang 6 abrutschte.