Zum Inhalt springen
Nachrichten

Polizei zerschlägt internationalen Schmugglerring für geschützte Tiere

Die brasilianische Bundespolizei hat im Oktober einen internationalen Schmugglerring für gefährdete Papageien und Affen zerschlagen. Der Fall kam durch eine Schweizerin mit Diplomatenpass ins Rollen, die mit 24 Papageieneiern im BH am Flughafen Rio de Janeiro kontrolliert wurde. Nun wurden zwei Schweizer Haupttäter auf Gran Canaria festgenommen.

Die internationalen Ermittlungen gegen den Ring liefen unter dem Projektnamen «Empty Nest», wie die brasilianische Bundespolizei mitteilte. Im Zentrum der Ermittlungen stehen mehrere Schweizer Staatsangehörige, die über einen Zeitraum von rund 20 Jahren regelmässig zwischen Brasilien und der Schweiz reisten. Die brasilianische Bundespolizei erklärte dazu: Die Ermittlungen ergaben, dass Mitglieder der Gruppe über einen Zeitraum von etwa 20 Jahren regelmässig zwischen Brasilien und der Schweiz reisten.

Festnahmen auf Gran Canaria und Razzien in Weinfelden

Im Oktober beendete die spanische Policía Nacional den Aufenthalt von zwei Schweizer Papageien- und Affenhändlern im Hotel Servatur Playa Bonita auf Gran Canaria abrupt. In den Hotelzimmern der beiden Männer fanden die Beamten neben 30’000 Euro in bar auch Werkzeuge für die Implantation von Mikrochips sowie Spritzen für Tierkennzeichnungsmarken. Die spanische Polizei übergab die Verdächtigen den Gerichten, um die jeweiligen Auslieferungsverfahren einzuleiten. Ihnen wird die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und der internationale Handel mit geschützten Arten vorgeworfen.

Zeitgleich zu den Festnahmen auf Gran Canaria durchsuchten Beamte des Eidgenössischen Departements für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) am selben Tag drei Liegenschaften in der Region Weinfelden. Der BAZG-Mediensprecher Simon Erny bestätigte die sehr gute Zusammenarbeit mit den brasilianischen Behörden, konnte jedoch auf Anfrage keine weiteren Auskünfte zu dem Einsatz machen.

Auch in Brasilien schlugen die Behörden zu. Die brasilianische Bundespolizei entdeckte in einem Haus zahlreiche Exemplare toter Weissbüschelaffen, ausgestopfte Tiere sowie Knochenreste verschiedener geschützter Arten, die dem Schmugglerring zugerechnet werden.

Die Rolle der Schweizerin mit dem Diplomatenpass

Ins Rollen gebracht hatte den Fall vor einem Jahr eine Schweizerin mit Diplomatenpass. Sie wurde im Oktober 2025 am Flughafen Galeão in Rio de Janeiro kontrolliert. Beamte stellten fest, dass sie 24 Eier geschützter Papageienarten mit Nylonstrümpfen am Körper befestigt hatte; die Meisten trug sie im BH. Aus den beschlagnahmten Eiern schlüpften schliesslich nur neun Küken. Laut Medienberichten befanden sich darunter Rotschwanzsittiche und Rotgesichtsittiche, die als gefährdet beziehungsweise potenziell gefährdet gelten.

Obwohl die Frau damals auf frischer Tat ertappt wurde, kam sie zunächst frei. Die Geheimermittlungen der Bundespolizei ergaben im Anschluss, dass die Frau zwischen 2019 und 2025 insgesamt 17 Mal nach Brasilien gereist war und teilweise noch am selben Tag ihrer Einreise nach Europa zurückkehrte. Mittlerweile sitzt die Schweizerin zwar nicht hinter Gittern, wurde von den brasilianischen Ermittlern jedoch auf der internationalen Fahndungsliste von Interpol mit einer Red Notice zur Fahndung ausgeschrieben.

Tierleid und offene Fragen

Die Behörden betonen das massive Tierleid, das durch die illegalen Machenschaften entstanden ist. Unzureichende Transportbedingungen führten zu zahlreichen Todesfällen unter den Embryonen, während die geplünderten Nester die natürliche Fortpflanzung der ohnehin gefährdeten Arten stark beeinträchtigen. Die Ermittlungen der brasilianischen Bundespolizei sind unterdessen noch nicht abgeschlossen. Die Behörden versuchen weiterhin, das genaue Ausmass des Netzwerks zu ermitteln und weitere Lieferanten, Zwischenhändler sowie Abnehmer der Tiere zu identifizieren.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte gegenüber Medien die Inhaftierung eines Schweizer Staatsangehörigen auf Gran Canaria. Sprecherin Léa Zürcher erklärte, dass Abklärungen zu einer weiteren Inhaftierung im Gang sind und die Schweizerische Botschaft in Madrid im Rahmen des konsularischen Schutzes in Kontakt mit den zuständigen Behörden steht.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.