Robert Del Naja, das Gesicht von Massive Attack, wurde am Samstag in London nicht nur für seine Überzeugungen eingestanden – er wurde wegen ihnen von der Polizei weggetragen. Inmitten eines massiven Protests am Trafalgar Square griff die Metropolitan Police ein und nahm den 61-jährigen Musiker fest. Der Vorwurf wiegt schwer: Unterstützung einer verbotenen Organisation, in diesem Fall „Palestine Action“. Es ist ein Moment, der die tiefe Kluft zwischen politischem Aktivismus und der aktuellen britischen Anti-Terror-Gesetzgebung offenlegt.
Ein Schild, ein Arrest und der Applaus der Menge
Die Szene war quick filmreif. Del Naja saß zwischen hunderten Demonstranten und hielt ein Schild hoch, auf dem stand: „I Oppose Genocide, I Support Palestine Action“. Kurz darauf näherten sich Polizeibeamte. Sie informierten ihn über seine Festnahme und trugen ihn aus der Menge heraus. Während die Beamten ihn abtransportierten, reagierten die anderen Protestierenden nicht mit Panik, sondern mit Jubel und Applaus.
Del Naja ist kein Unbekannter in der politischen Arena, doch dieses Mal ging er ein kalkuliertes Risiko ein. Er wusste genau, was eine Festnahme für seine Karriere bedeuten könnte. In einem Gespräch mit der Press Association sprach er offen über seine Sorgen. Vor allem die Frage, ob er künftig Visa für internationale Reisen erhalten würde, bereitete ihm Kopfzerbrechen. Dennoch entschied er sich für den Protest. Für ihn stand die moralische Notwendigkeit über dem beruflichen Komfort.
Das rechtliche Chaos hinter den Verhaftungen
Die Festnahmen am Wochenende sind Teil eines verwirrenden juristischen Tauziehens. Im Februar erklärte ein Gericht das Verbot von Palestine Action für rechtswidrig. Trotz dieses Urteils blieb das Verbot während eines laufenden Berufungsverfahrens in Kraft. Die Metropolitan Police hatte nach dem High-Court-Urteil zunächst signalisiert, dass Verhaftungen unwahrscheinlich seien.
Diese Zurückhaltung hielt nicht lange an. Im März änderte die Polizei ihre Strategie und kündigte an, wieder gegen Unterstützer von Palestine Action vorzugehen. Genau in dieses rechtliche Vakuum fiel der Protest am Samstag. Die Polizei bestätigte, dass sie insgesamt 212 Menschen festnahm – alle unter dem Verdacht, eine verbotene Organisation zu unterstützen. Andere Quellen, darunter Sky News und die Daily Mail, sprechen sogar von mehr als 500 Verhaftungen.
Die Demografie der Festgenommenen zeigt, dass der Konflikt alle Generationen erfasst. Die Metropolitan Police gab an, dass die Altersspanne der Verhafteten zwischen 27 und 82 Jahren liegt, während andere Berichte die Spanne sogar von 18 bis 87 Jahren ziehen.
Patriotismus durch Zivilgehorsam
Robert Del Naja, dessen Trip-Hop-Kollektiv mit dem Klassiker „Unfinished Sympathy“ Musikgeschichte schrieb, sieht sein Handeln nicht als kriminell, sondern als eine Form des Patriotismus. Er argumentiert, dass die Aktionen von Palestine Action das eigene Land davor bewahren, in schwere Kriegsverbrechen verwickelt zu werden und internationales Recht zu brechen.
„Wie patriotisch kann man schon sein?“, fragte er rhetorisch. Diese Sichtweise stellt die staatliche Definition von Sicherheit und Terrorismus direkt infrage. Während die Regierung die Gruppe als Gefahr einstuft, sieht Del Naja in der Unterstützung der Organisation einen Schutzschild für die Rechtsstaatlichkeit.
Die Massenfestnahmen in London könnten nun eine neue Welle von rechtlichen Anfechtungen auslösen. Da das Verbot bereits einmal als rechtswidrig eingestuft wurde, stehen die Behörden auf dünnem Eis. Die Frage ist, ob die Polizei hier eine notwendige Sicherheitsmaßnahme durchführt oder ob sie politische Meinungsäußerungen unter dem Deckmantel von Anti-Terror-Gesetzen kriminalisiert.
Was genau ist in London passiert?
Bei einer großen Demonstration am Trafalgar Square wurden hunderte Menschen, darunter Robert Del Naja von Massive Attack, festgenommen. Der Grund war die öffentliche Unterstützung der Gruppe „Palestine Action“, die in Großbritannien als verbotene Organisation eingestuft ist.
Warum wurde Robert Del Naja speziell ins Visier genommen?
Del Naja trug ein Schild mit der Aufschrift „I Oppose Genocide, I Support Palestine Action“. Damit lieferte er den Polizeibeamten einen direkten Beweis für die Unterstützung einer proskribierten Organisation, was nach aktuellem britischem Recht zu einer Festnahme führt.
Welche Folgen hat der rechtliche Status des Verbots?
Da ein Gericht das Verbot im Februar bereits für rechtswidrig erklärt hatte, die Polizei aber im März die Verhaftungen wieder aufnahm, herrscht eine große Unsicherheit. Dies könnte dazu führen, dass die aktuellen Festnahmen vor Gericht angefochten werden, sobald das Berufungsverfahren abgeschlossen ist.
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