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Gesundheit

PMOS: Neue Bezeichnung für PCOS zur beschleunigten Diagnose

Ein globaler Konsensprozess hat das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) offiziell in Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) umbenannt. Diese Änderung zielt darauf ab, die komplexen hormonellen und metabolischen Auswirkungen der Erkrankung besser abzubilden, die weit über die bloße Fruchtbarkeit hinausgehen, und so die oft verzögerte Diagnose bei Millionen von betroffenen Frauen weltweit zu beschleunigen. Der Schritt folgt einer internationalen wissenschaftlichen Bewegung, die die rein gynäkologische Sichtweise zugunsten einer endokrinologischen Gesamtschau der Stoffwechselgesundheit aufgibt.

Das Ende der irreführenden Bezeichnung durch Zysten

Das Ende der irreführenden Bezeichnung durch Zysten
cluster (priority): it boltwise

Der bisherige Name des Syndroms wurde seit Jahren als ungenau kritisiert, da er suggerierte, dass pathologische Eierstockzysten ein zentrales Merkmal der Erkrankung seien. Dies ist laut Gelbe Liste medizinisch nicht zutreffend. Zwar ist eine gestörte Follikelreifung häufig, eine Zunahme pathologischer Ovarialzysten gehört jedoch nicht zum Krankheitsbild. In der klinischen Praxis beschreibt der Begriff „polyzystisch“ vielmehr das Vorhandensein zahlreicher kleiner, nicht reifender Follikel, die im Ultraschall als periphere Anordnung erscheinen können.

Diese begriffliche Unschärfe führte dazu, dass der Fokus zu stark auf die Ovarien und die Fertilität gelegt wurde, während endokrine, metabolische, psychische und dermatologische Aspekte weniger sichtbar blieben. Die Umbenennung soll diese Fehlvorstellungen bei Patientinnen, Ärzten und der Öffentlichkeit korrigieren. Durch die neue Nomenklatur wird verdeutlicht, dass die primäre Störung nicht an den Eierstöcken beginnt, sondern in einem komplexen Netzwerk aus hormonellen Regelkreisen und Stoffwechselprozessen verankert ist.

Ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen und Stoffwechsel

Die neue Bezeichnung PMOS unterstreicht, dass es sich um eine multisystemische Erkrankung handelt. Sie umfasst Störungen der Insulinwirkung, der Androgenproduktion sowie der neuroendokrinen Regelkreise. Die biochemische Verbindung zwischen dem Stoffwechsel und der Hormonproduktion ist dabei zentral: Eine erhöhte Insulinresistenz führt häufig zu einer Hyperinsulinämie, welche wiederum die androgenproduzierenden Zellen in den Ovarien direkt stimuliert. Wie der Weser Kurier berichtet, betrifft das Syndrom etwa eine von acht Frauen.

Nicole Reisch, Leiterin des Bereichs Endokrinologie am LMU Klinikum München, stellt fest, dass es sich um die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter handelt. Die Auswirkungen manifestieren sich nicht nur reproduktiv, sondern auch in Bereichen wie dem Stoffwechsel, der psychischen Gesundheit und der Haut. Die wissenschaftliche Literatur verknüpft das PMOS zudem mit einem erhöhten Risiko für metabolische Syndrome, nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen (NAFLD) und gestörte Lipidprofile.

Das ist etwas irreführend, da nicht zwingend viele Zysten vorhanden sein müssen, um die Diagnose zu stellen.

Ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen und Stoffwechsel
cluster (priority): Weser Kurier

This follows our earlier report, Stoffwechselkrankheiten: Neue Medikamente senken Gewicht um 28 Prozent.

For more on this story, see PCOS wird zu PMOS: Neuer Name für eine veraltete Diagnose.

Sita Arjune, Ärztin am Universitätsklinikum Köln

Diagnostische Kriterien und klinische Symptome

PCOS is now called PMOS — doctor explains why and what it means for women’s health

Die Diagnose erfordert eine präzise klinische Einschätzung, da die Symptome von Frau zu Zu Frau sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. Die medizinische Grundlage bilden die international etablierten Rotterdam-Kriterien, die eine differenzierte Betrachtung erfordern. Bei Erwachsenen wird die Diagnose nach Ausschluss anderer Ursachen gestellt, wie etwa einer angeborenen Nebennierenrindenhyperplasie oder einem Cushing-Syndrom, wenn mindestens zwei der folgenden drei Kriterien vorliegen:

  • Oligoovulation oder Anovulation
  • Klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus (erhöhte Androgene im Blut oder sichtbare Symptome)
  • Polyzystische Ovarien im Ultraschall oder ein erhöhtes Anti-Müller-Hormon (AMH)

Die Einbeziehung des AMH-Wertes als Surrogatmarker für die polyzystische Morphologie ist ein wesentlicher Bestandteil moderner diagnostischer Protokolle. Dennoch weisen Experten darauf hin, dass ein erhöhter AMH-Wert allein keine Diagnose rechtfertigt, sondern stets im Kontext der klinischen Symptomatik betrachtet werden muss.

Die klinische Präsentation ist vielfältig und umfasst häufig folgende Merkmale:

  • Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation
  • Vermehrte Körperbehaarung, etwa im Gesicht, an der Brust oder am Bauch (Hirsutismus)
  • Akne und Haarausfall
  • Ungewollte Gewichtszunahme
  • Veränderungen im Stoffwechsel, wie etwa eine Insulinresistenz

Systemische Herausforderungen für die medizinische Versorgung

Systemische Herausforderungen für die medizinische Versorgung
cluster (priority): Gelbe Liste

Die neue Terminologie soll die Kommunikation zwischen den Fachdisziplinen verbessern, doch die Umsetzung in der Praxis bleibt eine große Aufgabe für das Gesundheitssystem. Laut it boltwise muss die neue Bezeichnung nun konsequent in medizinischen Leitlinien, der IT-gestützten Dokumentation und im Patientensupport verankert werden. Dies ist notwendig, um eine koordinierte Versorgung zwischen Gynäkologie, Endokrinologie und Diabetologie zu gewährleisten.

Ein kritisches Problem bleibt die hohe Dunkelziffer: Bis zu 70 % der Betroffenen werden bisher nicht diagnostiziert. Dies führt oft zu einer erheblichen psychischen Belastung, da Symptome über lange Zeiträume nicht korrekt eingeordnet werden. Zudem besteht bei unbeachteter Insulinresistenz ein langfristig erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2.

Über die metabolischen Risiken hinaus ist die medizinische Fachwelt zunehmend auf die onkologischen Implikationen aufmerksam. Chronische Anovulationen führen zu einem Ungleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron, was das Risiko für eine Endometriumhyperplasie und in der Folge für ein Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs) erhöhen kann. Auch das kardiovaskuläre Risiko durch Dyslipidämie und Bluthochdruck stellt eine langfristige klinische Herausforderung dar.

Die Umbenennung erzwingt somit eine Anpassung der Versorgungsstrukturen. Das Ziel ist es, Patientinnen schneller in Richtung spezialisierter Behandlung – insbesondere in der Endokrinologie – zu leiten, anstatt sie lediglich allgemeinmedizinisch zu betreuen. Eine multidisziplinäre Herangehensweise, die neben der hormonellen Einstellung auch Ernährungsberatung und psychologische Unterstützung umfasst, gilt als Goldstandard für das Management des PMOS. Betroffene sollten bei Verdacht auf eine hormonelle Dysbalance eine fachärztliche Abklärung durch Endokrinologen oder spezialisierte Gynäkologen anstreben.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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