Papst Leo XIV. ist zum Ehrenmitglied des Leitungsorgans der St. George’s Chapel in Windsor ernannt worden. Diese Geste folgt auf die Verleihung eines ähnlichen Titels an König Charles III. im Vorjahr und markiert einen historischen Schritt der Annäherung zwischen der römisch-katholischen Kirche und der Anglikanischen Gemeinschaft nach fünf Jahrhunderten der Spaltung.
Nach genau fünf Jahrhunderten getrennter Wege schlagen das britische Königshaus und der Vatikan ein neues Kapitel in den ökumenischen Beziehungen auf. Das teilte das britische Königshaus am Freitag laut Nachrichtenagentur KNA mit.
Die Ernennung ist eine symbolische Geste von historischem Ausmaß. Die Leitung der St. George’s Chapel bezeichnete den Schritt als ein sichtbares Zeichen spiritueller Verbundenheit, ökumenischer Freundschaft und christlicher Brüderlichkeit. Der Titel würdigt sowohl die jahrhundertealte Beziehung zwischen der Einrichtung in Windsor und dem Heiligen Stuhl als auch die Fortschritte in den Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche, der Church of England und der Anglikanischen Gemeinschaft, womit vor allem das Gemeinsame über das Trennende gestellt wird.
Der historische Gegenbesuch und die Verbindung zu Rom
Der Zeitpunkt dieser Auszeichnung ist offenbar bewusst gewählt. In dieser Woche jährt sich der Staatsbesuch des britischen Königspaares im Vatikan zum ersten Mal. Am 23. Oktober 2025 waren König Charles III. und Königin Camilla, 79, mit Papst Leo XIV. in Rom zusammengekommen.

Im Bewusstsein des Wertes der christlichen Einheit und in einer zunehmend polarisierten und turbulenten Welt haben sich der König und der Papst in christlicher Brüderlichkeit vereint und erhalten zum ersten Mal seit einem halben Jahrtausend religiöse Titel, die das Gemeinsame und nicht das Trennende zwischen der römisch-katholischen Kirche und der anglikanischen Kirche unterstreichen.
Das britische Königshaus, via KNA
Diese Basilika war seit dem Mittelalter mit den englischen Herrschern besonders verbunden. Die Verleihung des Titels an den König im vergangenen Jahr trug daher bereits einen stark aussöhnenden Charakter. Nun erwidert der Palast diese Geste mit der Aufnahme des Papstes in den Kreis der St. George’s Chapel.
Ein eigener Platz in Windsor und ein päpstliches Geschenk
So wie für König Charles III. ein eigener Sitz im Chorgestühl der Basilika von Sankt Paul vor den Mauern geschaffen wurde, ist nun auch für Papst Leo XIV. ein besonderer Stuhl in der St.-Georgs-Kapelle in Windsor vorgesehen, der zu einem späteren Zeitpunkt enthüllt wird. Für die beiden religiösen Orte wurden nach Angaben des Königshauses eigens besondere Stühle hergestellt.

Vom Bruch unter Heinrich VIII. zur ökumenischen Annäherung
Die heutige Annäherung steht im scharfen Kontrast zur Geschichte der Trennung.
Im Anschluss an die Audienz beim Papst war König Charles III. damals zu einem gesonderten Gespräch mit den vatikanischen Spitzendiplomaten zusammengetroffen. Unterdessen erklärte das Königshaus zu den Hintergründen der engen Abstimmung zwischen den beteiligten Seiten, dass der Akt die tiefe gegenseitige Wertschätzung zwischen Seiner Heiligkeit und Seiner Majestät sowie ihren gemeinsamen Wunsch nach christlicher Einheit widerspiegele.
Während König Charles III. im Februar 2024 seine eigene Krebsdiagnose öffentlich gemacht hatte, bei der die genaue Form der Krankheit nicht bekannt gegeben wurde, bestätigten weitere Untersuchungen im Rahmen der gesundheitlichen Entwicklung des britischen Monarchen, dass keine weitere Behandlung erforderlich ist und sich die Krebserkrankung nicht weiter ausgebreitet hatte.
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