OpenAI-Chef Sam Altman hat einen für 2026 geplanten Börsengang des Unternehmens ausgeschlossen. In einem am Samstag veröffentlichten Interview verwies er auf wachsende Sicherheitsbedenken und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit mit Regierungen, während auch Konkurrent Anthropic drastische Warnungen vor den Risiken künstlicher Intelligenz äußerte.
Sam Altman bremst beim Börsengang von OpenAI
Der von Beobachtern mit Spannung erwartete Gang an die Börse wird im kommenden Jahr nicht stattfinden. In einem Gespräch mit Fortune erklärte OpenAI-Chef Sam Altman, dass ein solcher Schritt angesichts der aktuellen Sicherheitslage unratsam sei. Ich glaube tatsächlich, dass angesichts von allem, was in puncto Sicherheit passiert, genau jetzt ein unglücklicher Moment für einen Börsengang wäre, und wir spüren da keinen Druck, begründete Altman die Entscheidung.
Bereits im Juni hatte die New York Times berichtet, dass das in San Francisco beheimatete Unternehmen erwäge, den auf eine Bewertung von rund einer Billion US-Dollar geschätzten Börsengang auf das Jahr 2027 zu verschieben. Auf die konkrete Frage, ob 2026 damit vom Tisch sei, antwortete Altman schlicht: Ich würde sagen, nicht 2026. Als Hauptgründe nannte er die Erfordernisse der KI-Sicherheit und die Frage, wie Industrie und staatliche Institutionen künftig Hand in Hand arbeiten können.
Parallele Warnungen und scharfe Töne aus der Branche
Die Debatte um die Risiken rasch fortschreitender Technologien hat durch interne Personalwechsel und drastische Warnungen neuen Zündstoff erhalten. So trat der KI-Forscher Jacob Coxon von seiner Position zurück und warf sowohl OpenAI als auch dem Rivalen Anthropic vor, mit der Entwicklung unverantwortlich umzugehen. In einem breit rezipierten Beitrag auf der Plattform X schrieb Coxon, beide Unternehmen würden mit unserem Leben spielen und geradewegs auf eine sich selbst verbessernde Superintelligenz zusteuern.

Die Menschen, die KI bauen, glauben ernsthaft, dass sie uns alle bis zum Ende des Jahrzehnts töten könnte. Das ist kein Marketing-Gag. Jacob Coxon, ehemaliger KI-Forscher
Unterstützung erhielt Coxon von weiteren Branchenstimmen. Drake Thomas, ein technischer Mitarbeiter bei Anthropic, betonte in Berichten von The Post, dass die Entwicklung viel zu schnell voranschreite und man bei einem Fortbestand dieses Tempos im Grunde nur auf Glück vertrauen könne. Auch Anna Wang, die zuvor bei Google DeepMind tätig war und nun für Anthropic arbeitet, erklärte, dass es derzeit keinen tragfähigen wissenschaftlichen Plan gebe, um die Risiken rekursiv selbstverbessernder Systeme zu kontrollieren.
Dario Amodei fordert Entschleunigung der Entwicklung
Die Debatte erreichte einen neuen Höhepunkt, als Anthropic-Chef Dario Amodei einen essayistischen Appell veröffentlichte, in dem er eine bewusste Verlangsamung der technologischen Steigerung forderte. Wir müssen das Tempo drosseln, mit dem wir die Fähigkeiten von KI-Modellen verbessern, schrieb Amodei.

Sam Altman schloss sich diesen Forderungen umgehend an und erklärte auf X, dass die Angleichung des Fortschritts an der technologischen Grenze in den letzten Wochen ein zentrales Thema intern bei OpenAI gewesen sei.
Unterschiedliche Wege beim Börsengang von Anthropic
Während OpenAI den Gang an den Kapitalmarkt vorerst auf das Jahr 2027 verschiebt, verfolgt der Konkurrent Anthropic seinen IPO-Zeitplan offenbar unverändert weiter. Wie unter Berufung auf Branchenkenner berichtet wurde, plant das Unternehmen, die Vermarktung seiner Aktien bereits ab Mitte Oktober zu beginnen und den Börsengang noch vor den US-Zwischenwahlen im November abzuschließen. Damit zeigt sich eine spürbare Differenz in der strategischen Bewältigung des Marktdrucks zwischen den beiden großen Akteuren.
Parallel dazu wächst der politische Druck in Washington. US-Senatoren verhandeln nach Angaben von Insidern über neue gesetzliche Vorgaben, die große Technologiekonzerne zu einer erweiterten Sorgfaltspflicht verpflichten und der Regierung das Recht einräumen könnten, die Veröffentlichung unsicherer Modelle zu blockieren.
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