Das Duell der Giganten: OpenAI gegen Anthropic
Die KI-Branche steuert auf einen beispiellosen Moment an der Wall Street zu. Wie Yahoo Finance berichtet, hat OpenAI den Prozess für einen Börsengang eingeleitet, auch wenn das Unternehmen das genaue Timing noch offenlässt. Die Zurückhaltung ist strategisch. OpenAI gab an, dass ein sofortiger Schritt nicht zwingend sei, „weil es Dinge gibt, die wir tun wollen, die als privates Unternehmen wahrscheinlich einfacher sind.“
Dieser Schritt ist kein isoliertes Ereignis, sondern ein direktes Antwortmanöver. Nur eine Woche zuvor hatte der Rivale Anthropic ebenfalls vertrauliche IPO-Dokumente eingereicht. Damit wird die Bewertungsschlacht öffentlich: Während OpenAI im März bei 852 Milliarden US-Dollar lag, wurde Anthropic zuletzt mit 965 Milliarden US-Dollar bewertet.
| Unternehmen | Letzte Bewertung | Status IPO |
|---|---|---|
| OpenAI | 852 Mrd. USD | Vertraulich eingereicht |
| Anthropic | 965 Mrd. USD | Vertraulich eingereicht |
Für die Anleger bedeutet dies eine Verschiebung der Machtverhältnisse. Die Bewertung von Anthropic übersteigt die von OpenAI nominell, doch OpenAI verfügt über die weitaus größere Markenbekanntheit durch ChatGPT.
Die Microsoft-Abhängigkeit und das Rechenzentrum-Dilemma
Hinter der glänzenden Fassade des Börsengangs verbirgt sich ein massiver Finanzbedarf. OpenAI verbrennt derzeit enorme Summen, um die Kapazitäten seiner Rechenzentren auszubauen. Die Kosten für sogenannte „Compute“ – die Infrastruktur und Rechenleistung, die für das Training und den Betrieb von Chatbots nötig ist – sind laut Berichten der BBC einer der teuersten Posten der gesamten Branche.
Die Beziehung zu Microsoft, dem wichtigsten Geldgeber, ist komplex. Alles begann 2019 mit einer Anfangsinvestition von 1 Milliarde US-Dollar. Später investierte der Windows-Hersteller Berichten zufolge bis zu 13 Milliarden US-Dollar. In einer im Oktober angepassten Vereinbarung erhielt Microsoft 27 % der OpenAI Group PBC, was zum damaligen Zeitpunkt einem Wert von 135 Milliarden US-Dollar entsprach. Parallel dazu erhielt der gemeinnützige Arm von OpenAI eine Beteiligung von 130 Milliarden US-Dollar an der gewinnorientierten Einheit.
Doch die Partnerschaft ist nicht ohne Spannungen. Die Abhängigkeit von Microsofts Rechenkapazitäten wurde zum Engpass für das Wachstum der Nutzerbasis. Eine Lösung brachte eine weitere Vertragsänderung im April: OpenAI darf seine geistigen Eigentumsrechte und Modelle nun auch an andere Cloud-Anbieter lizenzieren. Dies reduziert das Klumpenrisiko und erhöht die strategische Flexibilität vor dem Börsengang.
Der juristische Sieg über Elon Musk
Ein entscheidendes Hindernis auf dem Weg an die Börse war die rechtliche Auseinandersetzung mit Mitgründer Elon Musk. Musk warf Sam Altman und Greg Brockman vor, sich durch die Umwandlung des ursprünglichen Non-Profit-Unternehmens in ein kommerzielles Geschäftsmodell ungerechtfertigt bereichert zu haben.
Das Ergebnis war ein klarer Sieg für OpenAI. Eine kalifornische Jury entschied, dass Musk seine Klage außerhalb der Verjährungsfrist eingereicht hatte. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers vom US District Court for the Northern District of California akzeptierte dieses Urteil.
„Kalendertechnikalität“
Elon Musk, via Yahoo Finance
Musk bezeichnete das Urteil auf seiner Plattform X als bloße Formalität und kündigte an, das Urteil vor dem US Court of Appeals for the Ninth Circuit anzufechten. Für OpenAI ist der Fall jedoch vorerst erledigt, was den Weg für den IPO signifikant ebnet.
Krisenmodus bei Tools for Humanity

Während OpenAI auf den großen Sprung vorbereitet, sieht es in einem anderen Projekt von Sam Altman düster aus. Tools for Humanity, das Startup hinter dem iris-scannenden „Orb“, muss Personal abbauen. Wie Business Insider aus einer internen E-Mail berichtet, hat das Unternehmen die Entscheidung getroffen, Rollen und Teams im gesamten Unternehmen zu streichen.
Das Problem ist fundamental: Das Unternehmen schafft es nicht, den wirtschaftlichen Nutzen seines Hardware-Ansatzes zu beweisen.
„Umsätze generieren und Regulierungsbehörden überzeugen kann, trotz einer Bewertung von 2,5 Milliarden US-Dollar und Millionen von Anmeldungen. Investoren wie Andreessen Horowitz, Bain Capital und Khosla Ventures haben laut PitchBook hunderte Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt.“
Business Insider
Das Konzept von Tools for Humanity basiert darauf, mittels Iris-Scans zu beweisen, dass ein Nutzer ein Mensch und kein KI-Bot ist. Die Teilnehmer erhalten dafür Worldcoin-Token, die von der auf den Cayman Islands ansässigen World Foundation verteilt werden. Trotz einer Belegschaft von über 500 Mitarbeitern scheint das Geschäftsmodell nicht mit der regulatorischen Realität und den Umsatzanforderungen kompatibel zu sein.
Die Diskrepanz ist frappierend: Während OpenAI die Infrastruktur für die Zukunft der Intelligenz baut und Milliardenbewertungen an der Börse anstrebt, kämpft Altmans Hardware-Experiment mit der Existenzsicherung. Die Entlassungswelle bei Tools for Humanity zeigt, dass selbst mit prominenter Investorenliste und einer Bewertung von 2,5 Milliarden US-Dollar die reine Vision ohne skalierbare Einnahmen nicht ausreicht.