Chinas Präsident Xi Jinping besuchte am Montag Pjöngjang, wo Kim Jong Un seine volle Unterstützung für das Ein-China-Prinzip bezüglich Taiwan zusicherte. Im Gegenzug versprach Xi trotz der instabilen internationalen Lage die Fortführung der traditionellen Freundschaft sowie eine engere Zusammenarbeit in Wirtschaft und Wissenschaft, um die strategischen Beziehungen beider sozialistischer Staaten zu festigen.
Das Taiwan-Versprechen: Kims Preis für Pekings Schutz
Der Besuch von Xi Jinping in der nordkoreanischen Hauptstadt war mehr als eine bloße Formalität. Es war ein strategischer Tauschhandel. Wie ORF berichtet, hat Kim Jong Un dem chinesischen Präsidenten seine volle Unterstützung für Pekings Anspruch auf Taiwan zugesichert. In einer Welt, in der China zunehmend unter Druck steht, ist diese öffentliche Loyalität ein wertvolles diplomatisches Signal.
Die Gegenleistung ist die nackte Existenzsicherung. Xi versicherte, dass China an der Unterstützung für Nordkorea und Kim festhalten werde, ungeachtet der internationalen Lage. Die beiden Staaten vereinbarten, die Zusammenarbeit in Politik, Wirtschaft und Kultur auszuweiten und die strategische Kommunikation durch Besuche hochrangiger Regierungsvertreter zu vertiefen.
Dabei ist die Rhetorik beider Seiten beinahe poetisch in ihrer Härte.
Die Beziehungen beider Länder sind unzerbrechlich.
Kim Jong Un, via Xinhua
Doch hinter der Fassade aus roten Teppichen und jubelnden Massen verbirgt sich ein kompliziertes Verhältnis. Die Beziehung, die seit dem Koreakrieg (1950–53) als im Blut geschmiedet gilt, war in den letzten Jahren von Argwohn und unterdrückter Wut geprägt.
Das Russland-Dilemma: Peking will den Pufferstaat zurück
Die Timing dieses Besuchs ist kein Zufall. Pjöngjang hat in jüngster Zeit eine riskante neue Partnerschaft eingegangen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine lieferte Nordkorea massive Mengen an Munition und Artilleriegeschoßen nach Moskau und entsandte bis zu 15.000 Soldaten zur Unterstützung der russischen Streitkräfte, wie ORF berichtet.
Für Peking ist diese Entwicklung problematisch. China betrachtet Nordkorea als strategisch wichtigen Pufferstaat, insbesondere da die USA mehr als 28.000 Soldaten in Südkorea stationiert haben. Laut einer Analyse von DiePresse.com beobachtet China die Annäherung zwischen Moskau und Pjöngjang mit wachsendem Misstrauen. Peking will die Macht über Nordkorea mit niemandem teilen.
Xi Jinping versucht daher, Nordkorea sanft, aber bestimmt wieder stärker an sich zu binden und es dem Kreml zu entreißen. Die Botschaft ist klar: Russland mag ein nützlicher Partner für Waffen und Know-how sein, aber China ist der einzige Partner, der das Regime langfristig am Leben erhält.
Wirtschaftliche Abhängigkeit: Perücken, Fisch und Überleben
Die geopolitischen Spielchen Kims stoßen dort an ihre Grenzen, wo die Logistik beginnt. Nordkorea ist durch internationale Sanktionen isoliert und würde ohne die Volksrepublik schlicht aushungern. China liefert alle überlebenswichtigen Güter: Nahrungsmittel, Rohstoffe, Technologie und Maschinen.
Im Gegenzug profitiert Peking von billigen Arbeitskräften und spezifischen Exporten. Die Handelsbeziehungen lassen sich in einer einfachen Liste zusammenfassen:
Nordkoreanische Exporte: Vor allem Perücken und tiefgefrorene Meeresfrüchte.
Chinesische Importe: Überlebenswichtige Lebensmittel und industrielle Maschinen.
Humankapital: De-facto Sklavenarbeit, die dem Kim-Regime dringend benötigte Devisen einbringt.
Um die Bindung zu stärken, intensiviert Xi nun den Handel und öffnet wieder Flug- und Zugverbindungen. Der Standard betont, dass China mit Abstand der größte Handelspartner Nordkoreas bleibt. Diese wirtschaftliche Hebelwirkung ist Xis stärkstes Instrument, um Kim in die Spur zu bringen.
Nukleare Realität und der Faktor Trump
Photo: DiePresse.com
Trotz der Annäherung an Peking bleibt Nordkorea bei seinem harten Kurs in der Sicherheitsfrage. Nur einen Tag vor dem Staatsbesuch erteilte das Land allen diplomatischen Bemühungen zur nuklearen Abrüstung eine klare Absage.
Nordkoreas Status als Nuklearwaffenstaat ist eine unumkehrbare Realität – unabhängig davon, ob andere ihn anerkennen oder nicht.
Kim Yo Jong, Schwester des Machthabers
Diese Unbeugsamkeit ist Teil eines größeren Pokerspiels. Kim Jong Un, der 2011 die Macht übernahm, hat gelernt, seine Partner gegeneinander auszuspielen. Während er China als wirtschaftlichen Anker nutzt, sucht er gleichzeitig die Nähe zu Russland und beobachtet das Interesse von US-Präsident Donald Trump an einer erneuten persönlichen Beziehung.
Für Xi Jinping ist die Lage paradox: Er muss Kim unterstützen, um die regionale Stabilität zu wahren und den US-Einfluss zu begrenzen, doch gleichzeitig destabilisieren Kims Raketentests und nuklearen Ambitionen genau die Region, die China kontrollieren will.
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Zusicherung der Unterstützung für das Ein-China-Prinzip ausreicht, um Pjöngjang dauerhaft in Pekings Orbit zu halten. Eines ist sicher: Kim wird seine Optionen so lange wie möglich offenhalten, solange er die Unterstützung der beiden größten Autokratien der Welt gleichzeitig genießen kann.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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