Rohöl-Futures brachen am Mittwoch um mehr als 2 US-Dollar pro Barrel ein, nachdem die Republikaner unter Donald Trump die Kontrolle über beide Kammern des US-Kongresses verloren haben. Die Marktreaktion folgte auf Trumps Aussagen, er sei mit dem aktuellen Patt mit dem Iran zufrieden und plane vorerst keine weiteren Angriffe.
Ölpreise reagieren auf politische Wende in Washington
Die Energiebranche verzeichnete massive Verluste am Mittwoch. Der Energiesektor (XLE) war der schwächste Bereich der Sitzung. Laut Seekingalpha verzeichneten Unternehmen wie Marathon Petroleum (MPC) einen Rückgang von 7,4 %, Williams Companies (WMB) fielen um 6 %, Valero Energy (VLO) um 5,9 %, Cenovus Energy (CVE) um 5,8 % und Phillips 66 (PSX) um 4,5 %.
Die Preise für Rohöl sanken deutlich: Front-monatige Nymex-Crude-Futures für die Dezember-Lieferung fielen um 2,3 % auf 93,90 $/bbl. Auch Brent-Rohöl für Dezember sank um 2,2 % auf 101,25 $/bbl, so Seekingalpha.
Trump relativiert Aussichten auf Militärschläge gegen den Iran
In einem Interview mit dem Financial Times deutete US-Präsident Donald Trump an, dass er mit dem derzeitigen Stillstand mit dem Iran einverstanden sei.
Trump räumte ein, dass der Krieg gegen den Iran eine Rolle bei der Wahlniederlage der Republikaner gespielt haben könnte, da er kurzfristig zu steigenden Benzinpreisen geführt habe. Auf die Frage, ob der politische Preis für den Konflikt den Einsatz wert gewesen sei, antwortete Trump: «Ja. Man hat keine Wahl.» Man hat keine Wahl
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Diese Äußerungen erfolgten nach einem ersten öffentlichen Auftritt des Präsidenten am Mittwochabend (Schweizer Zeit). Vor der Diskussion über den Krieg sprach Trump zunächst über seine Architekturprojekte und lobte dabei insbesondere den Ballsaal, den er am Weißen Haus errichten lässt. Er lobte den Ballsaal, den er am Weissen Haus bauen lässt, als den «schönsten Ballsaal in der ganzen Welt».
Marktanalyse: Wegfall der Risikoprämie
Analysten sehen die Preise unter Druck, falls es im Nahen Osten nicht zu einer Eskalation kommt. Der S&P 500 stieg nach einem nervösen Start um 0,2 %, während europäische Aktienmärkte Gewinne verbuchten. Laut Euronews stieg der Euro Stoxx 50 um 0,8 % und der deutsche DAX um 0,6 %, während der spanische IBEX 35 einen Zuwachs von 1,6 % verzeichnete. Der Euro legte um 0,5 % auf 1,1247 zu, während der US-Dollar gegenüber anderen Währungen an Wert verlor und US-Staatsanleihen zulegten. Edelmetalle verzeichneten ebenfalls Gewinne: Gold stieg um 2,7 % auf 4.035 $ pro Feinunze und überschritt damit die Marke von 4.000 $, während Silber um 4 % auf 51,76 $ kletterte.
Im Bereich der Verteidigungstitel reagierten die Märkte mit Verkäufen, da Anleger befürchten, dass ein demokratisch geführter Kongress die US-Militärausgaben bremsen könnte. BAE Systems verlor 5,2 %, Hensoldt 4,9 %, Thales 4,5 %, Saab 3,8 %, Rheinmetall 3,2 %, Dassault Aviation 2,8 % und Leonardo 2,7 %.
Bjarne Schieldrop, Chef-Rohstoffanalyst bei SEB, erklärte in einer Notiz, dass zwar weiterhin das Risiko bestehe, dass Trump und Israel sich für einen Schlag entscheiden könnten, das Gefühl eines unmittelbaren, belastenden Risikos den Markt jedoch verlassen habe, so Seekingalpha. Deutsche Bank Analysten merkten ergänzend an, dass die Ölpreise bei ausbleibender Eskalation unter Druck geraten könnten, da der Markt die Risikoprämie für mögliche Lieferunterbrechungen abbaut.

Wie hoch könnte Brent-Rohöl steigen, falls Trump die Angriffe auf den Iran wieder aufnimmt? Neil Shearing, Chefökonom bei Capital Economics, merkte in einer Notiz an, dass der Präsident verstärkt zur Außenpolitik greifen könnte, da seine innenpolitische Agenda durch den neuen Kongress eingeschränkt wird, so Seekingalpha.
Geopolitische Hintergründe zur iranischen Strategie
Vor den Zwischenwahlen gab es Berichte über iranische Absichten, die US-Wahlen zu beeinflussen. Einem arabischen Diplomaten zufolge, wie Focus zitierte, sei das Regime „besessen“ davon, dem US-Präsidenten den maximal möglichen Schaden bei den anstehenden Wahlen zuzufügen. Laut der „Washington Postberichten namentlich nicht genannte Regierungs-Insider und Diplomaten in der Region, dass das iranische Regime die Ölpreise durch Angriffe hochhalten wolle, um Präsident Trump und den Republikanern aktiv zu schaden.
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Die iranische Strategie zielt laut Medienberichten auch darauf ab, die Macht des US-Präsidenten nach einer Niederlage der Republikaner einzuschränken. Der ehemalige iranische Außenminister Manouchehr Mottaki kommentierte, dass Trump bei einem Verlust der Zwischenwahlen seine verbleibenden zwei Jahre im Amt „in einem Albtraum ausleben“ müsste. Die Botschaft soll lauten, dass Angriffe auf den Iran hohe politische Kosten verursachen können, einschließlich des Risikos, Wahlen zu verlieren. Das Regime wolle zukünftige US-Präsidenten daran erinnern, was passiert ist, bevor sie über einen Krieg gegen den Iran nachdenken, so Mortazavi.”
Veränderte Machtverhältnisse im US-Kongress
Die Demokraten haben sich bei den Midterms durchgesetzt und die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses übernommen. Im Senat nahmen sie den Republikanern sieben Sitze ab, darunter in den Bundesstaaten Texas, Ohio, Kansas und Maine. Die Demokraten haben somit die Mehrheit erlangt, so Euronews.

Der neue Kongress wird am 3. Januar sein Amt antreten. Bis zu diesem Zeitpunkt behält Trump in beiden Kammern noch republikanische Mehrheiten, und auch danach wird sein Vetorecht weiterhin bestehen, so Euronews. Die Änderung der Kontrolle im Kongress könnte es erschweren, Mittel für den Krieg zu sichern. Diego Barnuevo, Marktanalyst beim Zahlungsdienstleister Ebury, merkte in einer E-Mail an, dass der Kongress die expansive Agenda des Präsidenten sowie das Defizit bremsen könnte.
Hinsichtlich der Zollpolitik wird angemerkt, dass ein demokratisch geführter Kongress die Zollbedrohung für Europa wahrscheinlich nicht beenden wird, da Trumps Zölle nach einem Urteil des Supreme Court im Februar unter Section 301 des US-Handelsrechts angesiedelt sind und somit nicht mehr direkt vom Kongress abhängen. Für die US-Währung bleibt die US-Notenbank Federal Reserve eine wichtigere Instanz als der Kongress.