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Technik und Wissenschaft

ÖAW-Studie untersucht Vielfalt österreichischer Dialekte

Eine zwischen 2021 und 2023 durchgeführte Studie des Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien zeigt, dass Österreichs Dialekte sich moderat verändern. Dabei prägt vor allem das jeweilige Wort selbst die Vielfalt der Bezeichnungen, während ältere Sprecher im Dialekt etwas mehr Variationen nutzen als Jüngere.

Ob Gießkanne, tschicken oder Rauchfangkehrer – wie unterschiedlich Menschen in Österreich dieselbe Sache benennen, haben die Forscher Philipp Stöckle von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Markus Pluschkovits von der Universität Wien untersucht. In ihrer Studie mit dem Titel The Structure of Lexical Variation in Austrian Varieties: A Quantitative Analysis analysierten sie, wie stark verschiedene Faktoren die Wortwahl beeinflussen.

Das Lexem bestimmt die sprachliche Vielfalt

Als zentrales Ergebnis zeigt sich, dass weder das Alter noch die Region oder das Sprachregister die Vielfalt der Bezeichnungen am stärksten prägen, sondern das jeweilige Wort selbst. Für den Begriff der Himbeere findet sich in der Gegenwartssprache laut Markus Pluschkovits praktisch nur noch ein einziger Begriff. Deutlich mehr Diversität zeigt sich hingegen bei Bezeichnungen für eine Kopfbedeckung aus Wolle, die je nach Verwendung als Haube, Mütze, Pudelhaube oder Kappe bezeichnet wird.

Diese Unterschiede verdeutlichen, wie schwierig es ist, pauschal von der sprachlichen Vielfalt in Österreich zu sprechen. Je nach untersuchtem Wort fällt das Bild sehr unterschiedlich aus, wie Philipp Stöckle erklärt. Grundlage für diese Erkenntnisse ist der Datensatz LexAT21, in dessen Rahmen zwischen 2021 und 2023 mehr als 1.900 Personen an einer Online-Erhebung teilnahmen und 45 gezeigte Bilder benannten.

Generationenunterschiede und geografische Muster

Trotz der starken Abhängigkeit vom einzelnen Wort lassen sich generationenbezogene und geografische Tendenzen beobachten. Ältere Sprecherinnen und Sprecher verwenden im Dialekt nach wie vor etwas mehr Varianten als jüngere Generationen, wobei dieser Effekt laut den Forschern nicht stark genug ist, um von einem vollständigen Verlust der Vielfalt zu sprechen. Im Standardregister bleibt die Nutzung über Generationen hinweg weitgehend konstant.

Bei jüngeren Sprecherinnen und Sprechern zeigt sich statistisch kaum ein Unterschied zwischen Dialekt und Standardsprache hinsichtlich der Variationsbreite. Die Forscher sprechen hier von einer selektiven lexikalischen Angleichung, bei der traditionelle Varianten im Umgangs- und Dialektgebrauch teilweise zurückgehen. Geografisch zeigen die aktuellen Daten zudem keine Vielzahl kleinräumiger Sprachgrenzen wie klassische Dialektatlanten, sondern vor allem großflächige Unterschiede zwischen West und Ost.

Verlust der Alltagsrelevanz und veränderter Wortschatz

Ein Grund für das Verschwinden bestimmter Varianten liegt darin, dass Begriffe im Alltag an Bedeutung einbüßen. So war der Maulwurf einst in der Landwirtschaft zentral, während heute neben dem Maulwurf im Grunde nur noch die Variante Scher verbreitet ist und Bezeichnungen wie Wühlmaus oder Pauli kaum noch auftauchen. Ähnlich extrem ging die Vielfalt bei der Libelle zurück, wo ältere Ausdrücke wie Wasserjungfer, Teufelsross oder Natternhüter kaum mehr vorkommen.

Obwohl dieses Körperteil sicher keine lebensweltliche Relevanz eingebüßt hat, sprechen wir eigentlich nur noch vom Augenlid oder Lid, aber nicht mehr von Augenluckl, Augendeckel oder Augenhebel, wie das noch in früheren Erhebungen der Fall war.

Markus Pluschkovits, Universität Wien

Diese Entwicklung verdeutlicht, wie spezifische Begriffe aus dem allgemeinen Sprachgebrauch verschwinden, obwohl die entsprechenden Körperteile oder Tiere weiterhin eine feste Rolle in unserer Lebenswelt einnehmen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.