Die von David Attenborough begleitete BBC-Naturserie Blue Planet III
setzt im Zeitalter künstlicher Intelligenz auf absichtlich unpolierte und trübe Aufnahmen. Mit dieser sichtbaren Natürlichkeit wollen die Produzenten beweisen, dass die gezeigten Szenen in den Weltmeeren echt sind und völlig ohne generative Bildbearbeitung auskommen.
Angesichts täuschender Computeranimationen und fotorealistischer KI-Modelle schlägt die Produktion der BBC-Reihe einen neuen visuellen Kurs ein. Während frühere Staffeln wie der erste Teil im Jahr 2001 makellose und kristallklare Bilder etablierten, verzichtet das Team bei der Rückkehr des Formats auf jegliche nachträgliche Schönheitskorrekturen. Trübes Wasser, treibendes Plankton und im Randbereich sichtbare Boote oder Schiffe bleiben im finalen Schnitt erhalten.
Jack Bootle und Elizabeth White über den Verzicht auf künstliche Intelligenz
Der Leiter der Abteilung für faktenbasierte Spezialformate bei der BBC, Jack Bootle, äußerte sich bei einer Pressevorrichtung unmissverständlich zu den technischen Standards der neuen Folgen.
Für diese Reihe wurde keine generative KI eingesetzt. Nicht ein einziges Bild. Das ist alles echte Fotografie.
Jack Bootle, Leiter der Abteilung für faktenbasierte Spezialformate bei der BBC
Die leitende Produzentin Elizabeth White erklärte ergänzend, dass der Vormarsch künstlicher Intelligenz das Team zu noch mehr Authentizität antreibe. In früheren Produktionsphasen hätte ein hoher Planktongehalt oder unruhiges Wasser fast unweigerlich zum Ausschluss bestimmter Sequenzen geführt. Heute überwiegt das Vertrauen in die tatsächlichen Gegebenheiten der Ozeane.
Die Lebewesen in der Tiefsee sind wahrscheinlich bemerkenswerter, als sich die KI auch nur vorstellen könnte, und sie sind völlig real.
Elizabeth White, Executive Producer
Die leitende Produzentin erläuterte ferner, dass bei früheren Tauchgängen im Unterwasserbereich eine starke Konzentration von Plankton oder andere Wassertrübungen gewöhnlich dazu geführt hätten, dass diese Einstellungen verworfen worden wären. Laut White hätte das Team in der Vergangenheit zudem Boote, Bojen oder Wasserttrübungen entfernt oder die jeweiligen Szenen als ungeeignet eingestuft, wenn die Bedingungen nicht makellos waren.

Neue Kameratechnik und die Entdeckung der Stonefish-Kamera
Dazu gehören Mini-Dome-Kameras für Oktopusse, Selfie-Sticks für die Tiefsee, Lasersysteme zur Ausleuchtung bei Dunkelheit und beinmontierte Scooter für flüssige Tauchfahrten.
Die als stonefish
bekannte Unterwasser-Überwachungskamera lieferte laut den Berichten Aufnahmen, die zuvor noch nie dokumentiert wurden. Kameras dieser Art fingen unter anderem ein, wie Delfine Meeresschwämme nutzen, um Öffnungen in Korallenriffen zu blockieren und dort versteckte Fische zu fangen. Neben diesen Beobachtungen zeigt die Dokumentation Schwärme von rund 200.000 futtersuchenden Krabben sowie Seeigel, die Muscheln als Sonnenschutz einsetzen.
Die fünf Hauptkapitel der Serie widmen sich jeweils einem bestimmten Lebensraum, nämlich den tropischen Meeren, den offenen Ozeanen, den saisonalen Meeren, den Polarregionen sowie der Tiefsee. Zu den weiteren beobachteten Verhaltensweisen zählen Gruppenfische, die mit einer anderen Fischart kommunizieren, sowie Pinguinszenen, die Erinnerungen an die bekannte Iguana-und-Schlangen-Sequenz aus Planet Earth II wachrufen.
David Attenboroughs Mitwirkung
Der bekannte Naturforscher David Attenborough, der mittlerweile 100 Jahre alt ist, begleitete die Entstehung als Sprecher und wirkte aktiv an den Drehbüchern mit. Bei der Präsentation in London übermittelte Attenborough eine aufgezeichnete Videobotschaft, in der er betonte, dass er sich vor fünfundzwanzig Jahren bei der Eröffnungsserie niemals hätte vorstellen können, in seinem Jahrhundertjahr eine dritte Staffel zu präsentieren.

Die Reihe entstand als Produktion der BBC Studios Natural History Unit gemeinsam mit den Koproduktionspartnern ZDF und France Télévisions.