Es ist ein seltsames Jahr für die nordrhein-westfälischen Gymnasien. Normalerweise herrscht im April eine fast greifbare Spannung in den Fluren, eine Mischung aus Panik und Vorfreude. Doch 2026 ist etwas anders. Wer durch die Gänge der klassischen Gymnasien geht, wird bemerken, dass eine ganze Generation fehlt. Ein fast kompletter Jahrgang ist schlichtweg nicht da. Trotz dieser statistischen Lücke beginnt am 16. April die heiße Phase für rund 30.000 junge Menschen, die nun den Endspurt Richtung Abitur einleiten.
Ein Marathon der Klausuren: Der Zeitplan 2026
Die Prüfungsphase startet am Donnerstag, den 16. April, an Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Waldorfschulen. Den Anfang machen die Sprachen Spanisch, Portugiesisch und Griechisch. Es folgt ein dichter Zeitplan, der die Schüler über mehrere Wochen fordert. Schon am 17. April stehen die Leistungskursklausuren in einer Vielzahl von Fächern an, darunter Kunst, Musik, Geografie, Geschichte sowie Psychologie und Recht.
Die Grundkursprüfungen in diesen Fächern folgen meist kurz darauf, etwa am 20. April. In anderen Disziplinen schreiben die Schüler beider Kurstypen am selben Tag. Biologie, Informatik und Technik stehen am 22. April auf dem Plan, Physik folgt am 23. April und Chemie am 24. April. Die großen „Klassiker“ kommen zum Schluss: Deutsch am 28. April, Englisch am 30. April und die Mathematikprüfungen am 6. Mai. Den Abschluss der schriftlichen Phase bildet Französisch am 8. Mai.
An den Berufskollegs beginnt der Prüfungsmarathon etwas später, erst am 22. April. Für alle gilt: Die mündlichen Prüfungen im vierten Fach starten laut Landesangaben am 11. Mai. Wer eine Klausur verpasst oder nachbessern muss, findet in der Zeit vom 7. Bis zum 28. Mai die vorgesehenen Nachschreibtermine.
Das Rätsel der fehlenden Schüler
Die Zahlen hinter diesem Abiturjahr wirken auf den ersten Blick paradox. Insgesamt treten rund 30.000 Personen an etwa 725 Schulen an. Die große Masse kommt dabei von Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Waldorfschulen – dort sind es etwa 16.800 Schüler. An den Berufskollegs sind es rund 8.000. Doch an den Gymnasien gibt es nur etwa 5.200 Abiturienten, verteilt auf 106 Schulen.
Dieser Einbruch ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bildungspolitischen Kehrtwende. Fast alle Gymnasien in NRW kehrten 2019 vom G8- zum G9-System zurück. Die Mittelstufe wurde wieder um ein Jahr verlängert. Das bedeutet konkret: Die Schüler bleiben ein Jahr länger in der Schule, wodurch 2026 ein fast kompletter gymnasialer Jahrgang ausfällt.
Wer 2026 trotzdem an einem Gymnasium das Abi macht, gehört zu einer speziellen Gruppe. Das sind junge Menschen, die ein Jahr wiederholt haben oder von Real- und Sekundarschulen gewechselt sind. Um diese Schüler aufzufangen, wurden landesweit 95 sogenannte „Bündelungsgymnasien“ eingerichtet, die diese kleinen Gruppen zusammenführen und sie durch die Qualifikationsphase begleiten.
Qualität durch Leere?
Man könnte meinen, diese strukturelle Lücke sei ein Problem. Der Philologenverband NRW sieht das jedoch differenzierter. Aus Sicht des Verbands gibt es gerade jetzt positive Erfahrungen. Die deutlich kleineren Jahrgänge erlauben eine intensivere Betreuung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Schülern. Die geringere Gruppengröße scheint den Lernprozess in dieser kritischen Phase zu unterstützen.
Diese Ruhe vor dem Sturm ist jedoch nur vorübergehend. Für das Jahr 2027 rechnen die Behörden bereits mit einer massiven Rückkehr zur Normalität. Dann dürfte die Zahl der Abiturienten über alle Schulformen hinweg wieder auf rund 70.500 steigen. Die Schulen müssen sich too darauf einstellen, dass die Klassenzimmer bald wieder deutlich voller sein werden.
Wann finden die Abiturprüfungen 2026 in NRW statt?
Die schriftlichen Prüfungen beginnen am 16. April 2026 und enden mit der Französisch-Klausur am 8. Mai. Die mündlichen Prüfungen im vierten Fach starten am 11. Mai. Nachschreibtermine sind zwischen dem 7. Und 28. Mai geplant.
Warum gibt es 2026 so wenige Abiturienten an Gymnasien?
Die Ursache ist die Umstellung von G8 auf G9 im Jahr 2019. Da die Mittelstufe wieder um ein Jahr verlängert wurde, bleibt ein fast kompletter Jahrgang in der Schule, was zu einer Lücke im Abiturjahrgang 2026 führt.
Welche Auswirkungen hat die geringe Schülerzahl auf die Qualität des Unterrichts?
Laut dem Philologenverband NRW wird die Situation positiv bewertet, da die kleineren Jahrgänge eine bessere Betreuung der Schüler ermöglichen.