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No dead ends: What the Dutch can teach us about tackling youth unemployment

Die Niederlande verzeichnen mit 4,9 % eine der weltweit niedrigsten Quoten an Jugendlichen ohne Ausbildung oder Arbeit (NEET), während Großbritannien bei 15,1 % liegt. Das niederländische Modell „Keine Sackgassen“ setzt auf eine gesetzliche Qualifizierungspflicht bis zum 18. Lebensjahr und eine frühzeitige Differenzierung in praxisorientierte und akademische Bildungswege, um Jugendarbeitslosigkeit systematisch zu verhindern.

Die britische NEET-Krise im Vergleich zum niederländischen Modell

In Großbritannien herrscht derzeit eine Krise des jugendlichen Engagements. Ein Bericht des ehemaligen Gesundheitsministers Alan Milburn zeigt, dass fast jeder achte Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren weder in Ausbildung noch in Beschäftigung oder Training ist – ein Status, der als NEET bezeichnet wird. Milburn warnt, dass ohne dringende Maßnahmen jeder sechste junge Mensch in fünf Jahren in diese Situation geraten könnte.

Im Gegensatz dazu verfolgen die Niederlande einen Ansatz, den Yahoo News als Philosophie der „Keine Sackgassen“ beschreibt. Das Ziel ist simpel: Jede Phase im Leben eines jungen Menschen muss so gestaltet sein, dass sie konsequent zu einem nächsten Ziel führt.

Das rechtliche Fundament bildet die sogenannte kwalificatieplicht (Qualifizierungsanforderung). Während der Schulbesuch zwischen fünf und 16 Jahren obligatorisch ist, müssen Jugendliche danach in Bildung oder Ausbildung bleiben, bis sie entweder einen offiziellen Qualifizierungsnachweis erwerben oder das 18. Lebensjahr vollenden. Dieser Mechanismus verhindert, dass junge Menschen ohne jeglichen Abschluss aus dem System fallen.

Frühe Selektion und die Aufwertung der Berufsbildung

Ein zentrales Element des niederländischen Systems ist die frühe Selektion.

Frühe Selektion und die Aufwertung der Berufsbildung
Photo: aol.com
  • VMBO: Der praktische Weg, der in der Regel zu einer Berufsausbildung führt.
  • HAVO: Ein Weg, der typischerweise an angewandte Wissenschaften (Fachhochschulen) führt.
  • VWO: Der akademische Pfad, der den Zugang zu Forschungsuniversitäten ermöglicht.
  • Diese frühe Aufteilung ist nicht unumstritten. Kritiker warnen davor, dass eine so frühe Steuerung bestimmte Kinder benachteiligen und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen beeinträchtigen kann, insbesondere wenn sie dem weniger akademischen VMBO-Zweig zugeordnet werden.

    Das System funktioniert nur, wenn die praktischen Wege eine echte Perspektive bieten. In den Niederlanden ist die Verbindung zwischen Bildung und Wirtschaft eng verzahnt. Unternehmen können sogar maßgeschneiderte College-Programme anfordern, die exakt auf die Bedürfnisse ihrer Firma zugeschnitten sind.

    Ein wesentlicher Treiber ist die finanzielle Realität. Laut Berichten der BBC wird das Handwerk zunehmend als erstrebenswert wahrgenommen.

    "Viele qualifizierte Handwerker – Elektriker, Dachdecker, Installationsspezialisten, Techniker und Kunsthandwerker – verdienen hervorragende Einkommen und werden von der Gesellschaft dringend benötigt. Es ist eine sehr geldgetriebene Gesellschaft für junge Erwachsene. Wenn sie sehen, dass ein Zimmermann das tut, was er mag, und schnell viel Geld verdient, sehen sie das als erstrebenswert an.

    Diese Verschiebung in der Wahrnehmung sorgt dafür, dass berufliche Bildung nicht mehr als „zweite Wahl“ für weniger Leistungsfähige gilt, sondern als strategischer Weg zu einem hohen Einkommen.

    Prävention durch Überwachung und soziale Absicherung

    Um zu verhindern, dass Jugendliche überhaupt erst aus dem System verschwinden, setzen die Niederlande auf eine extrem engmaschige Überwachung der Anwesenheit. Jedes Fehlen wird protokolliert, und wiederholte Verspätungen lösen sofortige Gespräche aus. Die Schulen informieren zudem kommunale Anwesenheitsbeauftragte.

    'No dead ends': What the Dutch can teach us about tackling youth unemployment

    Besondere Aufmerksamkeit erhalten die sogenannten thuis zitters – wörtlich übersetzt „Leute, die zu Hause sitzen“. Dabei handelt es sich oft um Jugendliche, die aufgrund von psychischen Problemen wie Angstzuständen vom Unterricht befreit sind, während sie auf Überweisungen zu Fachärzten warten. Die Schulen erhalten für diese Schüler weiterhin ein Budget, das für externe Unterstützung genutzt werden kann.

    Sollte ein Jugendlicher dennoch den Anschluss verlieren, greift die staatliche Unterstützung durch die Dutch Employee Insurance Agency (UWV). Die UWV fungiert als zentraler Anlaufpunkt (One-Stop-Shop), der Arbeitslosenunterstützung verwaltet und Arbeitssuchende direkt mit Arbeitgebern vernetzt.

    Praktische Anwendung und die Wirksamkeit der gesetzlichen Barrieren

    Die Wirksamkeit des Systems zeigt sich oft erst in Krisenmomenten. Amelie, eine junge Niederländerin, wurde bereits mit 10 Jahren dem praktischen VMBO-Zweig zugeordnet, was anfangs ihr Selbstvertrauen belastete. Später entdeckte sie jedoch ihre Leidenschaft für praktische Arbeit; sie erinnert sich: Wir hatten einen Textilunterricht, es gab einen Bereich für Schmiedearbeiten, wie AOL berichtet.

    Praktische Anwendung und die Wirksamkeit der gesetzlichen Barrieren
    Photo: ca.news.yahoo.com

    Trotz dieses Starts verlief ihr Weg nicht linear. Amelie studierte Mode, konnte aber kein Praktikum finden und brach ihren Kurs mit 17 Jahren ab. In den folgenden sechs Monaten reiste sie und arbeitete, wobei sie das Gefühl hatte, ihren akademischen Pfad verloren zu haben.

    "Wenn ich die Freiheit gehabt hätte, die Schule abzubrechen, weiß ich nicht, was passiert wäre.

    Da die Qualifizierungspflicht sie jedoch zwang, einen Abschluss zu erwerben, konnte sie nicht einfach aus dem System aussteigen. Diese gesetzliche Barriere verhinderte einen dauerhaften Dropout. Heute, mit 20 Jahren, bildet sie sich am ROC Mondriaan in Den Haag zur Unterrichtsassistentin an einem Berufskolleg weiter.

    Während das Modell der Niederlande nicht perfekt ist und auch dort die Jugendarbeitslosigkeit wieder steigt, bietet es einen radikal anderen Ansatz als das britische System. Es ersetzt die bloße Empfehlung, in Bildung zu bleiben, durch eine gesetzliche Verpflichtung, die durch eine starke industrielle Integration und soziale Fangnetze wie die UWV abgesichert wird.

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    Jonas Becker

    Über den Autor

    Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

    Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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