Nikon hat den ersten Platz seines Videowettbewerbs Small World in Motion aberkannt, nachdem Recherchen und Expertenzweifel einen Verstoß gegen die Regeln für generative künstliche Intelligenz aufdeckten. Das betroffene Video des Optikingenieurs Ning Xu zeigte angeblich die Zilien eines erkrankten Kindes, enthielt jedoch biologisch unplausible Strukturen.
Die Aberkennung des ersten Platzes durch Nikon Instruments
Nach wochenlangen Diskussionen in Fachkreisen zog der Kamerahersteller Nikon Instruments am Freitag die Konsequenzen. Das Unternehmen erkannte den ersten Platz im diesjährigen Wettbewerb Small World in Motion ab, weil das eingereichte Video nicht den Wettbewerbsrichtlinien für den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz entsprach. Der Wettbewerb prämiert seit seiner Ausweitung auf Videos im Jahr 2011 – die Fotokategorie existiert bereits seit 1975 – außergewöhnliche Aufnahmen durch das Mikroskop.
In einer offiziellen Mitteilung betonte der Veranstalter die Hintergründe der Entscheidung. Nach sorgfältiger Neubewertung des Videos und der begleitenden Materialien sowie nach Rücksprache mit Mitgliedern unserer Jury hat Nikon festgestellt, dass das siegreiche Video nicht den Wettbewerbsregeln in Bezug auf generative KI entsprach
, erklärte das Unternehmen auf seiner Website.
Nikon Instruments erklärte in einer offiziellen Erklärung: „Diese Entscheidung basiert ausschließlich auf der Zulässigkeit des eingereichten Videos gemäß den für diesen Wettbewerb dargelegten Regeln und sollte nicht als Beurteilung des beruflichen Rufs, der wissenschaftlichen Beiträge oder der Absicht des Teilnehmers interpretiert werden.

Durch die Disqualifikation rückte der in Vietnam ansässige Mikrobiologe Nguyen Nam Nhat auf den ersten Platz vor. Die aktualisierte Rangliste wurde auf der Website des Unternehmens veröffentlicht.
Zweifel an der biologischen Plausibilität des Siegereintrags
Ausgelöst wurde die Kontroverse durch Ning Xu, einen Optikingenieur an der National University of Singapore. Xu war am 15. September als Sieger der Auszeichnung gewürdigt worden für ein Video, das die Bewegung von Flimmerhärchen oder Zilien aus den Lungen eines Kindes mit primärer ziliärer Dyskinesie darstellen sollte. Unter den Zilien waren rote, purpurne und blaue Strukturen zu sehen, die in einem Blogpost auf der Website des Wettbewerbs über Xu und sein Video jedoch nicht beschrieben wurden.
Kurz nach der Bekanntgabe regte sich auf Online-Plattformen wie Bluesky und LinkedIn Widerstand. Der Bioengineering-Forscher Edward Phelps von der University of Florida kritisierte die Darstellung öffentlich: Die purpurnen Strukturen ähneln Mitochondrien, aber eine solche subepitheliale Struktur aus extrazellulären Mitochondrien von der Größe von Zellkernen kommt in der Biologie nicht vor
, schrieb er. Zudem verhielten sich die blau eingefärbten Bereiche nicht wie Zellkerne.
Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass Organellen wie Zellkerne und Mitochondrien in dem Clip zufällig verschwanden und wieder auftauchten, was als Anzeichen für KI-Einsatz gewertet wurde.
Die Verteidigung des Autors
Nachdem die Kritik im Netz wuchs, passte Nikon den Blogpost zum Beitrag an und fügte hinzu, dass Xu ein unüberwachtes KI-Modell zur Unterstützung bei der Nachbearbeitung eingesetzt hatte. Xu selbst äußerte sich in einer Stellungnahme auf LinkedIn zu den Vorwürfen und verteidigte sein Vorgehen. Er erklärte, die künstliche Intelligenz sei nicht zur Erzeugung des experimentellen Videos, der Zilien oder ihrer Bewegung genutzt worden.
Vielmehr sei die Technologie nachträglich auf die rekonstruierten Graustufen-Daten angewendet worden, um Strukturen mit ähnlicher Morphologie zu unterscheiden und einzufärben
, so der Ingenieur. Das Ziel sei eine visuell ansprechende Präsentation gewesen, ohne anatomische Behauptungen über die gerenderten Regionen aufstellen zu wollen.
Debatte über ethische Standards und die Zukunft wissenschaftlicher Bildgebung
Der Fall wirft Fragen zur Transparenz bei wissenschaftlichen Bildgebungswettbewerben auf. Experten wie Aydogan Ozcan, ein Experte für computergestützte Bildgebung und Mikroskopie an der University of California in Los Angeles, sehen in dem Vorfall jedoch eine Chance für die Fachwelt. Künstliche Intelligenz werde in Laboratorien eingesetzt, um Auflösung und Kontrast mikroskopischer Bilder zu verbessern.
Das entscheidende Kriterium bleibe die Offenlegung. Die Regel ist sehr einfach: Man muss es offenlegen
, erklärte Ozcan im Hinblick auf den Einsatz. Die Debatte biete nun die Gelegenheit, offen über die Standardisierung eines ethischen KI-Einsatzes in der wissenschaftlichen Bildgebung zu diskutieren.
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