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Gesundheit

Krebsforschung: Analyse zur globalen Last infektionsbedingter Krebserkrankungen

Wenn Menschen über Krebsrisiken sprechen, fallen meist Begriffe wie Rauchen, Alkoholkonsum oder erbliche Vorbelastung. Krankheitserreger stehen selten im Zentrum dieser Überlegungen, obwohl sie weltweit für Millionen von Fällen verantwortlich sind. Das internationale Forschungsteam der in Lyon ansässigen Internationalen Agentur für Krebsforschung hat nun die globale Last dieser infektionsbedingten Krebserkrankungen für das Jahr 2024 berechnet und dafür Daten aus dem GLOBOCAN-Datenbestand herangezogen.

Die am 28. September 2026 online veröffentlichte Studie von Harriet Rumgay, Damien Georges, Yahong Huang, Motoi Hirabayashi, Rashmi Shah, Catherine de Martel und weiteren Kollegen trägt den Titel „Global burden of cancer attributable to infections in 2024: a worldwide incidence analysis“ und erschien im Fachjournal The Lancet Oncology. Für diese umfassende weltweite Inzidenzanalyse verwendete das Forschungsteam Daten des Global Cancer Observatory aus der GLOBOCAN-Datenbank für das Jahr 2024. Dabei wurden absolute Fallzahlen, bevölkerungsattributable Anteile sowie altersspezifische und altersstandardisierte Inzidenzraten ermittelt. Die Schätzungen wurden nach Geschlecht, Land und Altersgruppe aufgeschlüsselt und nach geografischen Unterregionen der Vereinten Nationen sowie nach den Einkommensgruppen der Weltbank aggregiert. Zudem berücksichtigte die neue Analyse 16 Infektions-Krebs-Beziehungen, die in früheren globalen Schätzungen nicht enthalten waren.”

Fünf Erreger verursachen die große Mehrheit aller Fälle

Die weitaus meisten Erkrankungen gehen jedoch auf das Konto von nur fünf spezifischen Krankheitserregern zurück. Angeführt wird diese Statistik von dem Magenbakterium Helicobacter pylori, das im Jahr 2024 mit rund 760.000 Krebsfällen in Verbindung gebracht wurde und vor allem Magenkrebs auslöst.

Krebsforschung: Analyse zur globalen Last infektionsbedingter Krebserkrankungen
Foto: gmx.ch

Fast gleichauf liegen Humane Papillomviren, kurz HPV, die etwa 750.000 Neuerkrankungen verursachten. Die Viren sind für praktisch alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich und spielen auch bei anogenitalen Karzinomen sowie Tumoren im Mund- und Rachenraum eine zentrale Rolle. Zu den weiteren Hauptverursachern zählen das Hepatitis-B-Virus mit 360.000 Fällen, das Epstein-Barr-Virus mit 260.000 Fällen sowie das Hepatitis-C-Virus, dem 160.000 Krebserkrankungen zugeschrieben werden. Die restlichen infektionsbedingten Tumoren verteilen sich auf die verbleibenden Erreger der insgesamt zwölf untersuchten Gruppen.

Die Autoren weisen darauf hin, dass zu den berücksichtigten Erregern auch HIV und das Merkelzell-Polyomavirus gehören, ebenso wie neu etablierte Infektions-Krebs-Zusammenhänge. Dazu zählt jüngste Evidenz, die das Epstein-Barr-Virus mit Magenkrebs in Verbindung bringt. Weitere berücksichtigte Erreger sind die in Südost- und Ostasien vorkommenden Leberegel Opisthorchis viverrini und Clonorchis sinensis sowie der in Afrika und Westasien lebende Saugwurm Schistosoma haematobium. Zudem wurde das Hepatitis-D-Virus im Jahr 2025 vom IARC-Monographien-Programm als Gruppe-1-Karzinogen eingestuft, da es bei Personen mit einer gleichzeitigen Hepatitis-B-Infektion das Risiko für Leberkrebs erhöht.

Krebsforschung: Analyse zur globalen Last infektionsbedingter Krebserkrankungen
Foto: rtl.de

Regionale Verteilung und die Situation in Deutschland

Die Last durch Infektionen unterscheidet sich geografisch stark. Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen tragen nach den Berechnungen 77 Prozent der gesamten infektionsbedingten Krebslast. Besonders stark betroffen ist Ostasien, wo rund 42 Prozent aller weltweiten Fälle registriert wurden, maßgeblich angetrieben durch die Verbreitung von Helicobacter pylori und Hepatitis B. In Afrika südlich der Sahara geht nach Angaben von SRF etwa jeder vierte Tumor auf eine Infektion zurück.

In Europa stellt sich die Lage anders dar. In Westeuropa gingen im Jahr 2024 etwa fünf Prozent aller neuen Krebserkrankungen auf die untersuchten Erreger zurück. Für Deutschland ermittelten die Forschenden insgesamt 29.000 solcher Krebsfälle. Den größten Anteil daran haben HPV mit 11.000 Fällen und Helicobacter pylori mit 9.700 Fällen. Ute Mons von der Abteilung Primäre Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg bezeichnet die Zahlen als plausibel, weist jedoch auf die biologischen Zusammenhänge hin: Nicht jede Infektion mit diesen Erregern führt zu Krebs.

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Foto: news-medical.net

Prävention und wissenschaftliche Einordnung der Daten

Die Forschenden betonen, dass ein erheblicher Teil dieser Tumorerkrankungen vermeidbar ist. Gegen HPV und Hepatitis B stehen wirksame Impfstoffe zur Verfügung, während Hepatitis C durch antivirale Medikamente behandelt und Helicobacter pylori diagnostiziert sowie therapiert werden kann.

Dennoch bleiben Schutzmaßnahmen hinter den gesundheitspolitischen Zielen zurück. Weltweit erhielten im Jahr 2024 laut der Analyse nur 31 Prozent der berechtigten Mädchen mindestens eine Impfdosis gegen HPV, während die Weltgesundheitsorganisation eine Quote von 90 Prozent anstrebt. Gleichzeitig weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass die zugrunde liegende Datenbasis je nach Region variiert und die Ergebnisse epidemiologische Schätzungen darstellen, die das Potenzial gezielter Präventionsmaßnahmen verdeutlichen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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