Der Trend chinesischer Jugendlicher, sich bei psychischen Problemen an KI-Chatbots zu wenden, hat sich auch in Deutschland verbreitet.
Der Trend in China: KI als Alternative zu Therapie
Die chinesische Regierung reagierte auf den Trend mit strengen Regeln für KI-Unternehmen, um die Vermenschlichung von Chatbots einzudämmen. Allerdings bleibt die Nutzung von KI-Tools zur emotionalen Unterstützung stark. „DeepSeek ist nach Angaben der Studie das beliebteste Modell, obwohl keine offiziellen Statistiken zur Nutzungsverhalten genannt werden. Die Psychologin Olive Woo betont, dass der Trend auf die hohe psychische Belastung und den Mangel an Therapieplätzen zurückgeht.
In Deutschland wächst die Nutzung von KI-Chatbots
Auch in Deutschland zeigt sich ein ähnlicher Entwicklungen. Die JIM-Studie 2026, die den Medienkonsum von 12- bis 19-Jährigen untersucht, ergibt, dass 51 Prozent der Befragten KI oder Chatbots regelmäßig in ihrer Freizeit nutzen. Zwölf Prozent dieser Jugendlichen nutzen den Austausch mit Chatbots als Bewältigungsstrategie in schwierigen Phasen. Eine Umfrage der deutschen Depressionshilfe aus März 2026 bestätigt dies: 65 Prozent der Befragten gaben an, bereits mit einem Chatbot über psychische Probleme gesprochen zu haben.
Experten warnen vor emotionaler Abhängigkeit
Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tübingen, beobachtet die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Die psychische Gesundheit junger Menschen hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert, sagt sie. Sie kritisiert, dass Chatbots oft bestätigen, statt zu hinterfragen. „Das Risiko einer Bestätigung von dysfunktionalen Gedanken oder Verhaltensweisen nicht auszuschließen, erklärt Brandhorst.
KI-Chatbots als schnelle Hilfe – aber mit Grenzen
Die Vorteile von KI-Chatbots liegen in ihrer ständigen Verfügbarkeit und der geringeren Hemmschwelle, über sensible Themen zu sprechen. Allerdings warnen Experten vor einer zu starken Abhängigkeit. Eva-Lotta Brakemeier betont, dass emotionale Stabilisierung durch echte Bezugspersonen in sensiblen Entwicklungsphasen zentral sei. „Das kann KI nicht ersetzen.
Allerdings müssen die Risiken wie emotionale Abhängigkeit und fehlende professionelle Versorgung berücksichtigt werden. Die Debatte um die Rolle von KI in der psychischen Gesundheitsversorgung bleibt weiterhin aktuell.
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