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Neuer Co-Vorsitzender der Linke: Gehaltsdeckel spaltet Partei

Der neue Co-Vorsitzende der Linke, Luigi Pantisano, hat am Parteitag in Potsdam mit einer knappen Mehrheit von etwa 53 Prozent die Parteispitze übernommen. Seine Amtszeit beginnt unmittelbar mit internen und externen Spannungen, da seine Vergleiche zwischen der CDU und der AfD sowie ein geplanter Gehaltsdeckel für Abgeordnete heftige Kritik auslösten.

Der Gehaltsdeckel für Abgeordnete und die interne Spaltung

Die Linke hat am Ende ihres dreitägigen Bundesparteitags in Potsdam eine Richtlinie beschlossen, die die Einkommen ihrer Mandatsträger massiv begrenzt. Nach Angaben von Tagesschau dürfen Bundestagsabgeordnete und Europa-Parlamentarier der Partei künftig nicht mehr als 5300 Euro brutto pro Monat beziehen. Der überschüssige Betrag der Diäten muss verpflichtend an einen Sozialfonds abgeführt werden, auf den auch die Orts- und Kreisverbände Zugriff haben sollen. Diese Entscheidung spaltet die Partei. Während rund 65 Prozent der Delegierten dem Antrag zustimmten, regte sich in der Bundestagsfraktion erheblicher Widerstand. Ein Brief an die Parteivorsitzenden, auf den das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) verwies, zeigt, dass 23 der 64 Mitglieder der Fraktion forderten, die Debatte über den Deckel abzusagen. Die Abgeordneten kritisierten, dass sie nicht in die Planung des Parteitags einbezogen worden seien. Der Gehaltsdeckel orientiert sich am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst und entspricht für Alleinstehende einem Nettobetrag von rund 3300 Euro. Die Partei begründet diesen Schritt damit, dass Abgeordnete nicht besser verdienen sollten als die arbeitende Klasse. Luigi Pantisano verteidigte die Debatte und verwies auf historische Vorbilder. „Die italienischen Kommunisten hatten ihn, viele unserer Mandatsträger haben ihn freiwillig eingeführt“, Pantisano, via Tagesschau Die Selbstbeschränkung der Diäten ist in der Partei kein völlig neues Phänomen. Die wiedergewählte Parteivorsitzende Ines Schwerdtner und ihr Vorgänger Jan van Aken deckeln ihre Diäten bereits seit Beginn der Legislaturperiode auf 2850 Euro. „Wir beide möchten die Welt verändern und da reicht ein Durchschnittsgehalt, das die Menschen in Deutschland verdienen, völlig aus“, Jan van Aken, via Tagesschau

Kritik an Friedrich Merz und der Bundeswehr-Expansion

Kritik an Friedrich Merz und der Bundeswehr-Expansion
Photo: T-Online
Neben der internen Finanzpolitik markiert der Parteitag eine deutliche Konfrontation mit der aktuellen Bundesregierung und dem CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz. Luigi Pantisano positionierte sich in seinen Reden scharf gegen die Rentenpläne der aktuellen politischen Richtung. Er bezeichnete die Empfehlungen der Rentenkommission als ein Programm, das „Merz‘ feuchten Träumen gerecht“ werde, indem es die Menschen dazu zwinge, noch länger zu arbeiten. Besonders deutlich wurde die Rhetorik bei der Gegenüberstellung von politischen Privilegien und der Realität der arbeitenden Bevölkerung. Laut Berichten von fr.de griff Pantisano Merz persönlich an. Er verwies darauf, dass der Kanzler nach 20 Jahren im Bundestag einen Rentenanspruch von fast 6000 Euro habe, während er gleichzeitig Millionär sei. Im Gegensatz dazu liege die durchschnittliche Rente für Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet hätten, bei lediglich 1500 Euro. Auch die Sicherheitspolitik bleibt ein zentraler Streitpunkt. Ines Schwerdtner äußerte sich im Rahmen des Parteitags strikt gegen den Ausbau der Bundeswehr. Sie kritisierte die Pläne von Bundeskanzler Friedrich Merz, die größte konventionelle Armee Europas aufzubauen, als „kompletter Wahnsinn“, dem die Partei entgegenwirken müsse.

Kommunikatives Risiko durch Faschismus-Vorwürfe

Bundesparteitag der Linken: Geringe Zustimmung für Pantisano als neuer Vorsitzender
Die neue Parteispitze sieht sich mit einer massiven Vertrauenskrise im Umgang mit der politischen Kommunikation konfrontiert. Luigi Pantisano löste durch seine Äußerungen, die Politik der CDU als „faschistisch“ zu bezeichnen und die Union mit der AfD zu vergleichen, einen politischen Eklat aus. Diese Rhetorik wurde von Vertretern der Union als „gefährlicher Irrsinn“ zurückgewiesen. Die Kritik kommt nicht nur von außen. Wie welt.de berichtet, stellt Pantisano durch diese Positionierung ein erhebliches Risiko für die gesamte Partei dar. Seine Aussagen werden als kommunikatives Desaster gewertet, insbesondere weil er widersprüchliche Signale aussandte: Während er im ARD-Morgenmagazin die Möglichkeit eines Bündnisses mit der CDU zur Eindämmung der AfD nicht ausschloss, behauptete er kurz darauf gegenüber der „Bild“-Zeitung, es gebe kaum noch einen Unterschied zwischen der CDU und der AfD. Besonders besorgt sind die ostdeutschen Landesverbände. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird befürchtet, dass diese Rhetorik die anstehenden Landtagswahlen gefährdet. Eva von Angern, die Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, stellte die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Partei gegenüber Wählern, die eigentlich darauf hoffen, dass die Linke dazu beiträgt, die AfD von der Macht fernzuhalten. Die Partei bleibt in dieser Frage tief gespalten. Zwischen pragmatischen Kräften in Thüringen oder Sachsen, die CDU-geführte Minderheitsregierungen tolerieren, und dogmatischen Strömungen, die eine Zusammenarbeit mit der CDU, der SPD oder den Grünen ablehnen, klafft eine ideologische Lücke.

Die Position zur Lage im Gaza-Streifen

Ein weiteres zentrales Thema des Parteitags war die offizielle Positionierung zur Lage im Nahostkonflikt. Die Linke hat im Rahmen der Debatten in Potsdam beschlossen, den Krieg in Gaza offiziell als „Völkermord“ einzustufen. Trotz dieser radikalen Wortwahl bleibt die Partei in einer diplomatischen Gratwanderung. Wie fr.de festhält, bekennt sich die Partei gleichzeitig zum Existenzrecht Israels. Diese Positionierung spiegelt die schwierige Balance zwischen der Kritik an staatlichem Handeln und der Anerkennung nationaler Souveränität wider, die die Partei auch in Zukunft prägen wird.

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Die Position zur Lage im Gaza-Streifen
Photo: WELT
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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