Die Adipositas Selbsthilfegruppe Forchheim-Bamberg bietet Betroffenen in Oberfranken eine kostenlose Plattform zur gegenseitigen Unterstützung bei chronischen Stoffwechselerkrankungen. Das Angebot umfasst die Vorbereitung auf bariatrische Operationen, konservative Abnehmstrategien sowie soziale Reintegration, um die gesellschaftliche Stigmatisierung von Menschen mit starkem Übergewicht aktiv zu bekämpfen.
Adipositas ist weit mehr als ein ästhetisches Problem oder das Resultat mangelnder Disziplin; medizinisch handelt es sich um eine chronische Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit. In der Region Forchheim und Bamberg hat sich eine Struktur etabliert, die genau hier ansetzt: nicht nur bei der Kalorienbilanz, sondern bei der psychischen und sozialen Bewältigung der Krankheit. Die Adipositas Selbsthilfegruppe Forchheim-Bamberg fungiert dabei als Brücke zwischen klinischer Behandlung und dem Alltag.
Besonders kritisch ist die Phase rund um eine bariatrische Operation. Während die medizinische Intervention den physischen Rahmen schafft, ist die psychische Vorbereitung oft der entscheidende Faktor für den langfristigen Erfolg. Die Teilnahme an den Gruppentreffen ist zwar keine Pflicht, wird jedoch ausdrücklich empfohlen, um Vertrauen aufzubauen und erste Orientierungshilfen zu erhalten, welche medizinischen Schritte als Nächstes folgen sollten.
Psychologische Hürden und der Kampf gegen die Stigmatisierung
Ein zentrales Problem bei Adipositas ist die soziale Isolation. Die ständige Diskriminierung im öffentlichen Raum führt häufig zu ausgeprägten Öffentlichkeitsängsten. Viele Betroffene trauen sich nicht mehr, Restaurants zu besuchen oder an öffentlichen Aktivitäten teilzunehmen, da sie mit Vorurteilen rechnen.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, nutzt die Selbsthilfegruppe eine ungewöhnliche, aber effektive Methode: gemeinsame Restaurantbesuche nach den offiziellen Treffen. Diese Ausgänge dienen nicht primär der Verköstigung, sondern sind therapeutischer Natur. Es geht darum, das Grundbedürfnis Essen wieder in einen normalen sozialen Kontext zu setzen und die Angst vor dem öffentlichen Blick abzubauen.
Essen ist ein ganz normales Grundbedürfnis für jeden Menschen. Warum sollten übergewichtige/adipöse Menschen nicht in ein Restaurant gehen dürfen? Allein jedoch trauen sie sich oft nicht mehr, in die Öffentlichkeit zu gehen oder geschweige denn, etwas zu essen.
Beate Kircheis, Fachkoordinatorin für Adipositas und metabolische Erkrankungen am Klinikum Forchheim
Diese ganzheitliche Herangehensweise wird durch Fördergelder des runden Tisches der Krankenkassen unterstützt. Die Mittel fließen in Aktivitäten, die über den reinen Erfahrungsaustausch hinausgehen, wie etwa gemeinsame Besuche im Nürnberger Tierpark oder Aufenthalte in der Therme in Bad Staffelstein. Ziel ist es, die Lebensfreude zurückzugewinnen und die Überwindung gemeinsamer Unternehmungen als Erfolgserlebnis zu verankern.
Logistik und Termine der Gruppentreffen
Die Gruppe ist offen für alle Betroffenen und Interessierten, wobei die Teilnahme unverbindlich und kostenlos bleibt. Es gibt jedoch eine Diskrepanz in den vorliegenden Informationen bezüglich der Termine in Forchheim, weshalb eine vorherige Prüfung des offiziellen Terminkalenders unerlässlich ist. Während die Klinik-Website von einem Donnerstag spricht, führt die eigene Webseite der Selbsthilfegruppe den Mittwoch als regulären Termin auf.
Ort
Rhythmus (i.d.R.)
Uhrzeit
Veranstaltungsort
Bamberg
1. oder 2. Dienstag im Monat
19:00 Uhr
Bürgerhaus am Rosmarinweg, Rosmarinweg 1
Forchheim
3. Mittwoch (bzw. Donnerstag*)
19:00 Uhr
Klinikum Forchheim, Konferenzsaal U101
*Hinweis: Aufgrund widersprüchlicher Angaben zwischen den Quellen sollte der konkrete Termin über die Webseite der SHG verifiziert werden.
Beide Standorte sind barrierefrei zugänglich und verfügen über ausreichend kostenfreie Parkplätze, was eine wesentliche Voraussetzung für die Teilhabe von Menschen mit starkem Übergewicht darstellt. Eine Anmeldung ist möglich, derzeit jedoch nicht mehr zwingend erforderlich.
Erweiterung des Angebots: XXL-Sport und digitale Vernetzung
Volkskrankheit Adipositas: Neue Hilfe für Betroffene
Die Gruppe beschränkt sich nicht mehr nur auf den diskursiven Austausch. Um die physische Aktivierung zu fördern, wurden neue XXL-Sportangebote initiiert. Diese sind in Kooperation mit der VHS-Forchheim organisiert und ermöglichen einen niederschwelligen Einstieg in die Bewegung, ohne dass die Teilnehmer befürchten müssen, in herkömmlichen Fitnessumgebungen überfordert oder stigmatisiert zu werden.
Interessant ist zudem die Anpassungsfähigkeit der Gruppe an externe Krisen. Während der Corona-Pandemie verlagerte sich die Motivation in den digitalen Raum. Über WhatsApp-Gruppen wurden sogenannte Mitmach-Challenges organisiert, um die körperliche Aktivität auch im Lockdown aufrechtzuerhalten und die soziale Bindung zu stärken.
Ein Teil eines nationalen Unterstützungsnetzwerks
Die Initiative in Forchheim und Bamberg ist kein isoliertes Phänomen, sondern spiegelt eine breitere Bewegung in Deutschland wider. Ein Blick auf überregionale Verzeichnisse, wie sie adipositas-kliniken.com führt, zeigt eine dichte Landschaft an Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland – von Dresden und Leipzig bis hin zu Zwickau und Halle.
Diese Gruppen verfolgen meist ähnliche, nicht-kommerzielle Ziele: die gegenseitige Motivation und die Vermittlung von Informationen über Magenverkleinerungen, Ernährungsumstellungen und Diäten. In einigen Regionen ergänzen spezialisierte Facebook-Gruppen, geleitet von ehemaligen Betroffenen und Ernährungsberatern, das physische Angebot.
Dennoch bleibt eine wichtige medizinische Grenze bestehen: Selbsthilfegruppen bieten emotionale Stütze und Erfahrungswissen, sie ersetzen jedoch keinesfalls die individuelle, fachkompetente Beratung und Nachsorge in einem zertifizierten Adipositaszentrum. Die Kombination aus medizinischer Expertise und peer-to-peer-Unterstützung ist jedoch der Goldstandard, um die chronische Erkrankung langfristig in den Griff zu bekommen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der Information. Bitte konsultieren Sie bei medizinischen Fragen oder zur Planung einer Behandlung immer Ihren behandelnden Arzt oder einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister.
Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.
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