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Neue genetische Zusammenhänge mit Angstsymptomen identifiziert

Eine internationale Forschungsinitiative der PGC Anxiety hat in einer Studie mit fast 700.000 Teilnehmern neue genetische Zusammenhänge mit Angstsymptomen identifiziert. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature Human Behaviour, zeigen, dass Angststörungen nicht durch ein einzelnes Gen, sondern durch ein komplexes Zusammenspiel vieler genetischer Varianten über das gesamte Genom entstehen.

Identifizierung genetischer Marker für Angstsymptome

Die biologische Architektur von Angst ist weitaus komplexer als bisher angenommen. Eine groß angelegte genomweite Assoziationsstudie (GWAS), die unter der Leitung des King’s College London und des QIMR Berghofer Medical Research Institute durchgeführt wurde, lieferte neue Erkenntnisse über die genetischen Grundlagen dieser Stressreaktionen. Bei einer GWAS werden tausende von genetischen Markern – sogenannte Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) – im gesamten Genom gescannt, um statistische Korrelationen mit bestimmten Merkmalen zu finden. Wie news.google.com berichtet, beteiligten sich an der Untersuchung insgesamt 693.869 Menschen europäischer Abstammung.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass es nicht das eine „Angstgen“ gibt. Stattdessen ist die Veranlagung für Angsterkrankungen das Resultat zahlreicher genetischer Unterschiede, die über das gesamte Erbgut verteilt sind. Unter den identifizierten Genen spielen unter anderem PCLO und SORCS3 eine Rolle, die vor allem im Gehirn aktiv sind und die Kommunikation zwischen Nervenzellen beeinflussen. Die Beteiligung des Psychiatric Genomics Consortium (PGC) unterstreicht dabei den globalen Charakter dieser Forschung, da das PGC eine internationale Kooperation ist, die darauf abzielt, die genetische Basis psychiatrischer Erkrankungen durch massive Datensätze zu entschlüsseln.

Diskrepanzen bei der Anzahl der Genvarianten

Diskrepanzen bei der Anzahl der Genvarianten
Photo: medical-tribune.de

In der wissenschaftlichen Berichterstattung zeigen sich unterschiedliche Zahlen bezüglich der neu entdeckten genetischen Merkmale. Während die Auswertung der PGC Anxiety-Arbeitsgruppe insgesamt 74 Positionen im Genom identifizierte, von denen 39 erstmals beschrieben wurden, nennt eine andere Darstellung eine höhere Zahl. Laut medical-tribune.de wurden 58 bisher weitgehend unbekannte genetische Varianten mit Angsterkrankungen assoziiert.

Diese Varianz in den Zahlen unterstreicht die enorme Komplexität der genomischen Analyse. Unterschiedliche statistische Schwellenwerte in der Auswertung können zu abweichenden Ergebnissen führen. Trotz der Vielzahl der gefundenen Hinweise bleibt die erklärte Varianz begrenzt: Die bekannten genetischen Unterschiede machen derzeit nur etwa 6 Prozent der Unterschiede in der Ausprägung von Angstsymptomen aus. Das bedeutet, dass der weitaus größere Teil der individuellen Unterschiede – etwa 94 Prozent – auf andere Faktoren wie Umwelteinflüsse, Lebensereignisse oder epigenetische Prozesse zurückzuführen ist.

Angst als biologisches Kontinuum

PGC: Genetic contributions to anxiety disorders:Where we are and where we are heading

Ein wesentlicher Fortschritt der aktuellen Forschung liegt in der methodischen Herangehensweise. Anstatt lediglich zwischen einer klinischen Diagnose und dem Fehlen einer solchen zu unterscheiden, verknüpfte das Team die genetischen Daten mit dem tatsächlichen Schweregrad der Symptome. Dies ermöglicht ein Verständnis von Angst als einem biologischen Kontinuum.

Dieses Modell beschreibt den Übergang von normalen, lebenswichtigen Stressreaktionen bis hin zu schwer beeinträchtigenden psychischen Erkrankungen als fließenden Prozess. In der klinischen Forschung führt dies weg von einer rein kategorischen Betrachtung (krank vs. gesund) hin zu einer dimensionalen Bewertung der Symptomintensität. Die Beteiligung der Würzburger Universitätsmedizin an dieser weltweit größten DNA-Auswertung war dabei ein zentraler Bestandteil der internationalen Zusammenarbeit.

Aspekt der Studie Details
Gesamtteilnehmerzahl 693.869
Wichtige identifizierte Gene PCLO, SORCS3
Erklärte genetische Varianz ca. 6 %
Neu beschriebene Positionen 39 bis 58 (je nach Quelle)

Genetische Überschneidungen mit Depression und PTSD

Die Studie liefert auch Erklärungsansätze für das häufige gemeinsame Auftreten verschiedener psychischer Leiden. Es wurden starke genetische Überschneidungen zwischen Angsterkrankungen und verwandten Störungen wie Depressionen, Neurotizismus, posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) und Suizidversuchen festgestellt. Diese biologische Verwandtschaft könnte erklären, warum Patienten oft unter multiplen Diagnosen leiden.

Es ist jedoch wichtig festzuhalten, was aus diesen Daten nicht geschlussfolgert werden kann: Die Identifizierung dieser Marker ist kein Instrument für eine individuelle medizinische Diagnose. Die genetische Veranlagung ist keine Garantie für das Auftreten einer Erkrankung. Zudem ist anzumerken, dass die Studie sich auf Menschen europäischer Abstammung konzentrierte, was eine bekannte Limitation in der aktuellen Genomforschung darstellt, da die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere ethnische Gruppen noch untersucht werden muss.

Angsterkrankungen sind weltweit zu den häufigsten psychischen Leiden; Schätzungen zufolge entwickelt etwa jeder vierte Mensch im Laufe seines Lebens eine Panikstörung, eine generalisierte Angsterkrankung oder eine Phobie. Die Entschlüsselung dieser genetischen Muster ist ein entscheidender Schritt, um die biologische Architektur der Psyche besser zu verstehen.

Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen Ihren Arzt oder eine medizinische Fachkraft.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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