Ein 125 Millionen Jahre altes und über 25 Jahre nach seiner Entdeckung in einem Ziegelwerk in Surrey wissenschaftlich untersuchtes Fossil wurde als neue Dinosauriergattung und -art namens Paludohadros proudlovii bestimmt. Der pflanzenfressende Iguanodontier lebte in den sumpfigen Feuchtgebieten des damaligen südlichen Englands und ist nach einem verstorbenen Werksleiter benannt.
Neuer Dinosaurier in Ewhurst entdeckt
Mehr als ein Viertel Jahrhundert nach seiner Bergung im Surreyer Ziegel- und Dachziegelwerk von Wienerberger in Ewhurst hat das Naturhistorische Museum in London einen fossilen Fund offiziell als neue Art und Gattung beschrieben (eine neue Art und Gattung von Dinosauriern).
Das Exemplar kam im Jahr 2001 während des Tonabbaus ans Tageslicht. Es wurde kurz darauf dem Naturhistorischen Museum übergeben.
Die Überreste gehören zu den Iguanodontiern. Diese Gruppe pflanzenfressender Dinosaurier fällt vor allem durch ihre markanten Daumendornen auf (Pflanzenfresser mit charakteristischen Daumendornen).
Lange Zeit galten derartige Funde im südlichen England entweder als Vertreter von Iguanodon oder des kleineren Mantellisaurus (historisch wurden diese Funde Mantellisaurus zugeordnet). Erst eine im Jahr 2023 veröffentlichte Neubeschreibung von Mantellisaurus durch Museumsforscher schuf die anatomische Grundlage, um feine Unterschiede herauszuarbeiten und bisher unerkannte Linien abzugrenzen.
Ricardo Sacamoto leitete als Doktorand am Naturhistorischen Museum und der Universität von São Paulo die Untersuchung. Sie erschien im Journal of Systematic Palaeontology.

Ehrung für Will Proudlove in der Kreidezeit
Der Artname Paludohadros proudlovii verknüpft die geografischen und biografischen Wurzeln des Fundes. Das lateinische Wort für Sumpf, palus
, beschreibt die schlammigen Feuchtgebiete. Diese prägten vor rund 125 Millionen Jahren während der Unterkreide das heutige Südengland.
Der Artzusatz ehrt Will Proudlove. Er war früherer Manager der Ewhurst-Stätte und interessierte sich stets lebhaft für die Fossilfunde in den Tonvorkommen.
Will Proudlove verstarb im Jahr 2000 im Alter von 35 Jahren. Dies geschah knapp vor der Entdeckung des Skeletts im darauffolgenden Jahr.
Seine Witwe Rachael betonte die tiefe Verbundenheit der Familie mit dem Fundort:
Rachael Proudlove sagte gegenüber The Independent: „Traurigerweise wurde dieser Dinosaurier erst im Jahr nach seinem Tod entdeckt, aber seine Geschichte ist seither ein Teil unseres Lebens geworden.
Das Exemplar wies zum Zeitpunkt seines Todes eine Länge von rund fünf Metern auf. Nach Angaben der Forschenden wog es zwischen 1,5 und 2 Tonnen.
Damit besaß es in etwa die Statur eines heutigen Nashorns (Größe vergleichbar mit einem Nashorn). Da die Knochenstrukturen jedoch noch unvollständig ausgebildet waren, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es sich um ein Jungtier handelte.
Als ausgewachsener Dinosaurier hätte es vermutlich doppelt so groß werden können.
Spuren des Baryonyx im Lebensraum
In seinem urzeitlichen Habitat teilte sich das Tier den Lebensraum mit anderen bemerkenswerten Arten. Nur etwa 100 Meter entfernt vom Fundort des Paludohadros wurden im Jahr 1983 die Überreste des zweibeinigen Fleischfressers Baryonyx walkeri entdeckt (Baryonyx walkeri in 1983 entdeckt). Dieser Fund wird ebenfalls im Londoner Museum betreut.

Obwohl Baryonyx vorwiegend als Fischfresser gilt, enthielt dessen Mageninhalt bei Untersuchung einst auch die Reste eines jungen Iguanodontiers.
Seniorautorin Professorin Susannah Maidment vom Naturhistorischen Museum und der Universität Birmingham erläutert dazu die Spurenlage:
Professorin Susannah Maidment erklärte laut The Independent: „Wir können nicht mit Sicherheit sagen, von welcher Art dieser stammte, daher ist es möglich, dass Baryonyx sich von den Überresten eines jungen Paludohadros ernährte oder sie sogar jagte, wenn sich die Gelegenheit bot.
Die Neubewertung von Paludohadros wirft ein neues Licht auf die historischen Bestände.
Weitere Analysen in den kommenden Jahren sollen klären, welche zusätzlichen Dinosaurierarten in den umfangreichen Sammlungen des Museums auf ihre wissenschaftliche Entdeckung warten.
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