Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft besiegte Ungarn am 23. Mai 2026 mit 9:0 im Rahmen der IIHF-Weltmeisterschaft. Dank eines Hattricks von Kapitän Roman Josi und einer überlegenen Offensive sicherte sich die Nati den sechsten Sieg in Folge, womit das Team eine beeindruckende Bilanz von 35:5 Toren in der Gruppenphase aufweist.
Roman Josi und die Dynamik des Kantersiegs
Das Spiel gegen Ungarn war weniger ein taktischer Kampf als vielmehr eine Demonstration individueller und kollektiver Klasse. Während die ersten Minuten noch eine gewisse Spannung aufwiesen – Attilio Biasca scheiterte am Pfosten und ein Treffer von Nino Niederreiter wurde wegen Abseits annulliert –, übernahm Kapitän Roman Josi die vollständige Kontrolle über das Geschehen.

Josi öffnete zwischen der 19. und 23. Minute die Schleusen und erzielte drei Tore hintereinander. Dieser Hattrick verwandelte eine solide Führung in einen regelrechten Kantersieg. Die Bedeutung Josis für das Team geht dabei über die nackten Zahlen hinaus; seine Präsenz strahlt Ruhe und Selbstvertrauen aus, was in der aktuellen Phase des Turniers entscheidend ist.
Dass die Schweizer Mannschaft derzeit eine solche Leichtigkeit an den Tag legt, ist ein starker Kontrast zu den vorangegangenen Partien. Erst am 21. Mai war der Sieg gegen Grossbritannien mit 4:1 ein mühsamer Prozess, den Nationalcoach Jan Cadieux als eine Partie beschrieb, aus der das Team lernen werde.
Statistische Dominanz und Effizienz gegen Ungarn
Die Zahlen spiegeln die totale Überlegenheit der Eidgenossen wider. Mit 48 Torschüssen gegenüber nur 10 Trefferversuchen Ungarns war das Spiel einseitig. Besonders deutlich wird dies beim xGoal-Wert, den Blick mit 4,6 für die Schweiz und lediglich 0,4 für Ungarn bezifferte.
Neben Josi stach Andrighetto hervor, der mit fünf Scorerpunkten in diesem Spiel seine Rolle als erfolgreichster Punktesammler des Turniers mit insgesamt 12 Scorern untermauerte. In der Schlussphase setzte D. Malgin in der 53. Minute den finalen Akzent zum 8:0, nachdem Thürkauf ihn durch eine Lücke in der ungarischen Defensive gespielt hatte.
Einige Momente zeigten jedoch, dass die Schweizer nicht ganz fehlerfrei waren. Ein Tor von Bächler wurde in der 49. Minute nicht gegeben, da Bertschy den ungarischen Torhüter Balizs behinderte. Dennoch blieb die Schweizer Dominanz in Sachen Tempo und Präzision über die gesamten 60 Minuten unangetastet.
Das Trauma der Vorrunden: 2022 und 2023 im Vergleich
Die aktuelle Formkurve weckt Erinnerungen an die Vorrunden von 2022 und 2023, in denen die Schweiz ebenfalls eine Serie von Siegen einfuhr – sieben in Folge im Jahr 2022 und fünf im Jahr 2023. Doch die Geschichte lehrt, dass eine brillante Gruppenphase nicht automatisch in Gold mündet.
In beiden Jahren scheiterte die Nati im Viertelfinal sang- und klanglos: 2022 gegen die USA mit 0:3 und 2023 gegen Deutschland mit 1:3. Damals fehlte es an der Fähigkeit, die spielerische Leichtigkeit in harte Arbeit unter maximalem Druck zu verwandeln.
Der entscheidende Unterschied im Jahr 2026 könnte die personelle Konstellation sein. Roman Josi, der bereits 2013, 2018 und 2024 Teil der Silberteams war, fehlte in den enttäuschenden Jahren 2022 und 2023. Zusammen mit Torhüter Leonardo Genoni bildet er nun den emotionalen und fachlichen Anker des Teams.
Die Generalprobe gegen Finnland
Trotz des 9:0-Ergebnisses gegen Ungarn bleibt die eigentliche Prüfung noch aus. Am kommenden Dienstag wartet im letzten Gruppenspiel die Begegnung gegen Finnland, in der es um den ersten Tabellenplatz geht.

Dieses Spiel wird als Hauptprobe für die K.-o.-Phase gelten. Die Herausforderung besteht darin, die derzeitige Euphorie in eine belastbare Stabilität zu überführen, wenn die Gegner taktisch disziplinierter agieren und der Druck steigt. Für die Schweiz ist das Ziel klar: Die Dominanz der Vorrunde muss in den Viertelfinal, Halbfinal und schliesslich in das Finale getragen werden, um zum ersten Mal Weltmeister zu werden.
Die Party in Zürich darf nicht vorzeitig enden. Ob Josi und seine Mitstreiter die psychologischen Hürden der vergangenen Jahre überwinden können, wird sich in den kommenden Tagen entscheiden, wenn aus dem Spektakelhockey gegen schwächere Gegner wieder ein strategischer Kampf auf Augenhöhe wird.